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Rheumakranke bleiben in der Warteschleife

Südstadt/Reutershagen Rheumakranke bleiben in der Warteschleife

Darf das Südstadt-Klinikum weiter ambulant behandeln? Das Sozialgericht hat dazu kein Urteil gefällt / Die Entscheidung soll nun ein Berufungsausschuss bringen / Betroffene sind sauer

Südstadt/Reutershagen. Weiter Ungewissheit für Rheuma-Patienten in Rostock: Auch die Verhandlungen vor dem Sozialgericht Schwerin haben keine Entscheidung gebracht, ob das Südstadt-Klinikum Rheumakranke weiter ambulant behandeln darf. Eine Ärztin aus Reutershagen war dagegen vorgegangen (OZ berichtete). „Die Beteiligten haben das Eilverfahren einvernehmlich beendet“, teilt das Gericht mit. Ergebnis der Einigung: Der Berufungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) und der Krankenkassen soll nun im Mai oder Juni ein endgültiges Urteil fällen. So lange darf das Klinikum noch 400 statt bisher 1200 Patienten pro Quartal behandeln.

20 Millionen Patienten

„Rheuma“ ist ein Oberbegriff für etwa 100 verschiedene Erkrankungen. Am häufigsten ist die rheumatoide Arthritis, die die Gelenke angreift und zerstört. Bei dieser schmerzhaften Erkrankung wendet sich das eigene Immunsystem gegen den Körper. Rund 20 Millionen Deutsche leiden unter Rheuma.

Hintergrund: Die neue niedergelassene Ärztin Doreen Lankow aus Reutershagen sieht sich durch die ambulante Behandlung des Südstadt-Klinikums in Bedrängnis gebracht. Die 46-Jährige habe zu wenig Patienten und müsse ihre Praxis zeitweise aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen. Dabei hätte sie gemäß Gesetz als niedergelassene Ärztin Vorrang vor den Krankenhausärzten.

Das Südstadt-Klinikum spricht hingegen von einer Unterversorgung. Rund 1800 Rheumakranke aus ganz MV seien ursprünglich im Krankenhaus pro Quartal ambulant behandelt worden. Bis im vergangenen Jahr die Institutsermächtigung dazu wegfiel. Durch drei Einzelberechtigungen konnte das Klinikum zuletzt immerhin 1200 Patienten versorgen — nun sind es 400. „Große Sorgen machen uns die zahlreichen Anrufe und Anfragen, die Darstellungen von persönlichen Schicksalen und Hilferufe von Betroffenen, die mit dem derzeitigen Zustand ihrer medizinischen Versorgung nicht einverstanden und verunsichert sind“, sagt Klinik-Sprecher Birger Birkholz.

Aus Sicht von Doreen Lankow kann von einer Unterversorgung jedoch keine Rede sein. Sie habe genügend Kapazitäten frei. „Alle Patienten sind bei uns willkommen und noch keiner ist unversorgt geblieben“, betont die Rostockerin, die früher selbst im Südstadt-Klinikum gearbeitet hat.

Die Patienten nervt das Hickhack.„Die Situation ist katastrophal. Jahrelang war ich zufrieden in der Südstadt und froh, dort endlich Hilfe zu finden. Jetzt werde ich plötzlich abserviert und soll woanders hin“, sagt Hannelore D. aus Reutershagen. Die Klinikleitung rede nicht mit ihr. Die 63-Jährige sei traurig und wütend. „Auch andere Betroffene aus meiner Selbsthilfegruppe leiden unter der Situation.“

Laut Bundesverband der Deutschen Rheuma-Liga ist eins Fakt: Ermächtigungen für Krankenhäuser dürfen nur dann unter Bedingungen vergeben werden, wenn niedergelassene Ärzte die Versorgung nicht sicherstellen können. Doch wie groß ist der Bedarf an ambulanten Behandlungen in Rostock? Und: Wie viele Rheumapatienten hat ein niedergelassener Arzt durchschnittlich pro Quartal? Daten dazu liegen nicht vor, antwortet die Kassenärztliche Vereinigung auf OZ-Nachfrage. Auf welcher Grundlage dann Ermächtigungen und Zulassungen für ambulante Behandlungen vergeben werden? Auch dazu könne die KVMV nichts sagen. Mit Verweis auf den Konflikt zwischen Klinikum und Ärztin heißt es: „Zwischenzeitlich haben sich die beteiligten Parteien vergleichsweise geeinigt. Da dies in einem nicht öffentlichen Rahmen geschah, ist es der KVMV nicht möglich, zu dem Sachverhalt eine Stellungnahme abzugeben.“

Von André Wornowski

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