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Toitenwinkel Rostock stellt sich rechtem Terror entgegen

Rund 120 Menschen gedachten NSU-Opfern / Mahnmal wurde zuvor beschmiert

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Am 25. Februar 2004 war Mehmet Turgut im Dierkower Weg von Neonazis ermordet worden. Sein Bruder Mustafa Turgut und Imam-Jonas Dagesch legen einen Kranz nieder.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Toitenwinkel. Zwei Bänke aus Beton, zwei Gedenktafeln. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, steht dort – auf Deutsch und auch auf Türkisch.

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Rund 120 Menschen gedachten NSU-Opfern / Mahnmal wurde zuvor beschmiert

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Zehn Tote in sieben Jahren

Im Zeitraum von 2000 bis 2007 wurden acht türkische Mitbürger, ein griechischer Mitbürger und eine deutsche Polizistin von neonazistischen Verbrechern ermordet. Diese Morde sind der Höhepunkt einer langjährigen rechtsextremistischen Gefahr in der Bundesrepublik.

Am 25. Februar 2004 wurde Mehmet Turgut Opfer der Terrorzelle NSU. Der Gedenkort im Neudierkower Weg wurde 2014 eingeweiht.

Ein Foto von einem jungen Mann ist daneben zu sehen. Eine schwarze Binde zeigt: Es ist das Bild eines Verstorbenen. Das Bild von Mehmet Turgut.

Rund 120 Menschen waren zu der Gedenkveranstaltung am Sonnabend erschienen, um diesem Verbrechen entgegenzutreten. „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun“, zitiert Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nietzsche (Linke) den irischen Schriftsteller Edmund Burke. Ein erster Schritt sei die Erinnerung – nicht nur an Mehmet Turgut, sondern auch an die weiteren neun Mordopfer des NSU.

„Jedes Mal, wenn ich hier bin, bekomme ich eine Gänsehaut“, sagt Mustafa Turgut. „Ich fühle mich hier schlecht. Aber wenn ich sehe, dass so viele Leute kommen, um mit uns zu trauern. Dann gibt mir das Hoffnung und Lebensfreude“, sagt der 23-Jährige. Er war noch ein Kind, als sein Bruder starb. 13 Jahre sind seit dem Tag vergangen, an dem sich das Leben der Familie Turgut für immer verändert hat. Am 25. Februar 2004 wurde der damals 25 Jahre alte Mehmet Turgut in Toitenwinkel erschossen. Lange Zeit gingen die Ermittler von Drogenkriminalität aus, auch die Familie stand unter Verdacht.

Erst 2011 war klar: Er war eines von zehn Opfern der Terroristen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Bis heute sind diese Verbrechen nicht vollständig aufgeklärt. „Die Familie sucht noch immer nach Antworten, warum Mehmet Turgut sterben musste“, sagt Maik Medrow von der Initiative „Mord verjährt nicht“. Das Thema sei in diesem Jahr so aktuell wie lange nicht, denn ab März will sich der Landtag mit der Aufklärung der Hintergründe in MV kümmern.

Doch die Unruhe um das Thema hat auch Schattenseiten. In der Nacht zum Sonnabend hatten Unbekannte die Gedenkstätte für Mehmet Turgut mit schwarzer Farbe beschmiert. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Das zeigt, dass es den Faschisten nicht nur darum geht, Menschen kaltblütig zu ermorden, sondern darum, sie auszulöschen. Das ist an Widerwertigkeit nicht zu übertreffen“, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) fassungslos. Er bedankte sich dafür, dass die Feuerwehr und eine Reinigungsfirma umgehend dafür gesorgt hatten, die Spuren der Nacht zu beseitigen. „Wenn irgendjemand die Absicht hat, sich auf einen Wettlauf einzulassen. Wir werden ihn gewinnen. Wir lassen es nicht zu, dass das Gedenken an Mordopfer von Faschisten geschändet wird.

Nicht in dieser Stadt – und hoffentlich auch nirgendwo anders“, betont Bockhahn. Die Menschen bräuchten einen klaren Kompass. „Faschismus ist keine Meinung. Faschismus ist ein Verbrechen.“ Der Kampf dagegen bleibe auch in der Hansestadt Rostock eine Tagesaufgabe, so der Sozialsenator.

Doch in den Tagen vor der Gedenkveranstaltung wurden in mehreren Stadtteilen auch zahlreiche Graffiti zum Gedenken an Hauswände gesprüht. „Mehmet Turgut – ermordet von Neonazis“, ist dort zu lesen.

Für Maik Medrow von „Mord verjährt nicht“ ist dies lediglich eine andere Art, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Es ist eine Form von Gedenkkultur. Nichts was ich vollkommen verwerflich finde, auch wenn das für die Personen strafrechtlich relevant werden kann.“

Johanna Hegermann

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