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Rostock sucht Land für 25000 Bürger

Stadtmitte Rostock sucht Land für 25000 Bürger

Stadt will sämtliche „Reserven“ für Bauland erschließen – und: auch das Umland soll neue Wohngebiete ausweisen

Stadtmitte. Die Kräne, die sich über der Holzhalbinsel und dem Petriviertel drehen, sind der beste Beweis für das, was momentan in Rostock passiert: Die Hansestadt wächst. Und zwar rasant. Das Rathaus rechnet damit, dass die Einwohnerzahl Rostocks bis zum Jahr 2035 um 25000 Menschen steigen wird. Und die brauchen Platz. Fast 5200 neue Wohnungen oder Einfamilienhäuser sind bereits im Bau oder in konkreter Planung. „Doch selbst das wird nicht ausreichen“, sagt Chef-Stadtplaner Ralph Müller. Die Hansestadt will deshalb sämtliche Flächen in der Stadt auf den Prüfstand stellen und untersuchen, wo noch gebaut werden kann. Und: „Wir müssen mit den Nachbargemeinden reden. Auch die müssen mehr Bauland ausweisen“, sagt Müller.

 

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Wir rechnen mit 25000 zusätzlichen Einwohnern bis zum Jahr 2035.“Ralph Müller, Leiter Stadtplanung

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Der Appell an das Umland kommt einer 180-Grad-Wendung in der Rostocker Politik gleich: Denn bisher hatte die Hansestadt stets auf der sogenannten „Drei- Prozent-Regelung“ bestanden. Heißt: Die Landesplaungen hatte den Nachbarkommunen vorgeschrieben, dass sie maximal um drei Prozent wachsen dürfen. „Doch dieses Potenzial ist nun auch erschöpft. Viele Gemeinden im ,Speckgürtel’ haben zwar noch freie Flächen, dürfen dort aber kein Bauland mehr ausweisen“, erklärt Müller. Dass die Kommunen nun Druck machen und auch ein „Stück vom Rostocker Kuchen“ haben wollen, sei verständlich – und auch für die Hansestadt notwendig: „Wir werden den Bedarf an Bauland in der Hansestadt selbst nie zu 100 Prozent abdecken können. Aber es ist auch für uns besser, wenn die Menschen stattdessen in Kritzmow, in Roggentin oder in Bad Doberan bauen als in Berlin, Hamburg oder Schwerin.“ Rostock wolle sich deshalb für ein stärkeres Wachstum der Nachbarn stark machen. „Wir müssen beim Thema Wohnraum-Knappheit als Region denken.“

Wie groß der Bedarf an Bauflächen ist, zeigt sich aber vor allem in der Stadt selbst: An der Lindenallee in Toitenwinkel wollte die Stadt laut aktuellem Flächennutzungsplan stets einen Solarpark bauen lassen. Begründung aus dem Jahr 2006: die Fläche sei für Wohnbebauung unattraktiv, liege zu dicht an den Industrie- und Bahnanlagen des Seehafens. Nun folgt die Kehrtwenden: Der Plan soll geändert, der Solarpark gestrichen und stattdessen Bauland ausgewiesen werden. Und nicht nur die Lindenallee ist im Fokus der Stadtplaner: „Wir fassen den kompletten Flächennutzungsplan für ganz Rostock an.“ Wo sich bisher noch Bauland-Reserven „verstecken“, die bislang für andere Zwecke – Gewerbebauten etwa – vorgesehen sind, könne er aber noch nicht im Detail sagen. Nur so viel:

Oberbürgermeister Roland Methling habe das Ziel ausgegeben, pro Jahr 1000 neue Wohneinheiten zu schaffen. „Das erreichen wir nicht“, räumt Müller ein.

Das größte Baugebiet wird Biestow: Platz für bis zu 1000 neue Einfamilienhäuser soll dort entstehen. „Nach der Wende gab es eine riesige Nachfrage nach Eigenheimen. In dieser Zeit sind Kassebohm, Kalverrad und große Teile Brinckmansdorfs entstanden. Danach haben wir uns auf Geschosswohnungsbau konzentriert und die Häuslebauer vernachlässigt“, sagt Müller selbstkritisch. Denn die großen Wohnblöcke seien für die Stadt „wirtschaftlicher“ – vor allem in Sachen Infrastruktur. Dennoch war die einseitige Entwicklung ein Fehler: „Wir haben extremen Nachholbedarf in Sachen Einfamilienhäuser. Die Preise steigen immer weiter.“ Und: Viele Rostocker mit guten Einkommen seien ins Umland weggezogen – weil es dort Bauland gab. Müller setzt nun auf einen Mix: „Wir brauchen sowohl Platz für Häuslebauer als auch für neue große Wohnblöcke.“

Frank Kretzschmann, Vorstand der Rostocker VR-Bank, begrüßt den neuen Kurs der Stadt: „Die Nachfrage nach Bauland ist wahnsinnig hoch“, sagt er. „Freie Flächen sind hingegen einfach viel zu knapp.“

Dass Rostock nun alle Reserven erschließen will, sei genau richtig. Die Industrie- und Handelskammer zu Rostock (IHK) bescheinigt der Stadt „enorme Dynamik“: „Und der Trend wird sich verfestigen.

Denn mehr und mehr ältere Menschen ziehen vom Land wieder zurück in die Stadt“, so Mario Rothaupt, KonjunkturExperte bei der Handelskammer. Die Wachstumsprognosen der Stadt hält er deshalb für „absolut realistisch“. Ganz Rostock werde von dem Wachstum profitieren – durch höhere Steuereinnahmen, wachsende Kaufkraft und nicht zuletzt durch die Millionen-Aufträge für das Baugewerbe der Region. „In vielen Orten stagniert die Bau-Tätigkeit, aber in Rostock zieht sie richtig an“, so Jörg Schnell, Geschäftsführer des Bauverbandes MV. „Die Firmen haben gut zu tun.“ Treiber seien private Bauherren: „Die öffentliche Hand hält sich seit Jahren etwas zurück.“

Andreas Meyer

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