Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Rostock wählt Rot – doch die Hansestadt verliert

Stadtmitte Rostock wählt Rot – doch die Hansestadt verliert

Die SPD verteidigt ihre fünf Direktmandate in Stadt und Umland mit großem Vorsprung / Aber: Nur noch sieben Abgeordnete vertreten Rostock in Schwerin / Bisher waren es elf

Stadtmitte. Insgeheim hatten sie mit dem Schlimmsten gerechnet. Dass sie in der Hansestadt Direktmandate verlieren könnten – an die AfD. Als kurz nach 19 Uhr aber die ersten Ergebnisse aus dem Rathaus eintreffen, löst sich bei den Sozialdemokraten die Anspannung: Rostock bleibt rot. Die SPD ist der klare Sieger der Wahl – auch in der Hansestadt.

Mathias Brodkorb, Jochen Schulte, Ralf Mucha und Rainer Albrecht können ihre Direktwahlkreise verteidigen. Auch im Umland siegt mit Dirk Stamer ein „Roter“. Und dennoch wird Rostock im neuen Landtag an Einfluss verlieren.

Elf Abgeordnete saßen bisher für die Hansestadt im Parlament. Künftig werden es „nur“ noch sieben sein. Neben den SPD-Kandidaten ziehen auch zwei Linke ins Schweriner Schloss: Eva-Maria Kröger und Karsten Kolbe gelingt erstmals der Einzug über die Landesliste. Auch Holger Arppe, Frontmann der AfD in der Hansestadt, wird neuer Landtagsabgeordneter. Unklar war nachts noch, ob auch die Rostocker AfD-Kandidatin Christel Weißig in den Landtag einzieht.

Gleich acht Parlamentarier aus Rostock sind hingegen im neuen Landtag nicht mehr dabei: Die Linken-Politiker Regine Lück und Hikmat Al-Sabty scheiden aus, ebenso SPD-Kreischef Julian Barlen. Weil seine Partei landesweit so viele Direktmandate gewinnen konnte, reicht – aller Voraussicht nach – sein Listenplatz zehn nicht zum Wiedereinzug. Die Grünen verpassen den Sprung in den Landtag – und somit auch die Rostocker Noch-Parlamentarier Johannes Saalfeld, Johann-Georg Jaeger und Ursel Karlowski. Ebenfalls nicht mehr dabei sind David Petereit, der bisher für NPD die Hansestadt in der Landeshauptstadt vertreten hat, und der CDU-Abgeordnete Michael Silkeit.

„Das ist die totale Katastrophe“, kommentierte Johann-Georg Jaeger das Ergebnis. „Dass ich auf Listenplatz acht kaum eine Chance auf den Einzug hatte, war jedem klar. Aber viel bitterer ist das für unsere Mitarbeiter“, so der Grüne. Jaeger schätzt, dass rund 30 Leute – in der Landes- und auch in der Landtagsgeschäftsstelle sowie den Wahlkreisbüros der Grünen – jetzt ihren Job verlieren. Ein großer Teil davon in Rostock. „Diese Leute trifft es heftig. Damit hatten wir nicht gerechnet.“

Auch die CDU macht aus ihrer Enttäuschung über das Ergebnis keinen Hehl: Die Christdemokraten hatten sich noch vor einigen Wochen Hoffnungen gemacht, erstmals seit den 1990er Jahren wieder ein Direktmandat in der Hansestadt zu erobern. „Aber die Umfragewerte gingen in den vergangenen Wochen Stück für Stück nach unten“, so Kreischef Daniel Peters, dessen Listenplatz 12 nicht für den Einzug reicht. Wer und was Schuld an dem schlechten Abschneiden sei – der gescheiterte CDU-Kandidat Frank Giesen hat eine mögliche Antwort: „Bei den Bundestagswahlen haben alle CDU-Bewerber vom Merkel-Bonus profitiert. Dieses Mal aber war das ein Malus.“

Ein Lichtblick für Rostock: Während der Einfluss im Landtag schwindet, könnte die Hansestadt am Kabinettstisch künftig eine größere Rolle spielen: Neben NochBildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), der als gesetzt für ein Ressort gilt, soll auch Rostocks Ordnungssenator Chris Müller im Rennen um einen Spitzenposten in der neuen Regierung sein – entweder als Staatssekretär oder sogar als Minister.

Rostocker die Letzten

0.18 Uhr traf erst das letzte Rostocker Ergebnis im Rathaus ein: Im Wahllokal im Awo-Seniorenzentrum „Stadtweide“ hatten sich die Wahlhelfer mehrfach verzählt, das Rathaus musste Unterstützung beim Auszählen schicken. Die Rostocker waren landesweit die Langsamsten.

32,7 Prozent der Zweitstimmen holt die SPD nach Auszählung der Stimmen in 134 Wahllokalen. Sie war damit die mit Abstand stärkste Partei bei den Landtagswahlen in der Hansestadt. Bei den Zweitstimmen wurde die AfD zweitstärkste Kraft – mit 16,8 Prozent. Die Linke holt 16,6 Prozent, die CDU kam auf 15,3. Die Grünen landeten mit acht Prozent über dem Landesschnitt.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Venedig

Nach einer Vorlage von Peter Handke zeigt Wim Wenders seinen neuen Film in Venedig. Ein Interview zur Premiere am Donnerstagabend.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Bagger frisst sich durch Stahlbeton

Brücke bei Bad Doberan wird abgerissen und neu gebaut / Bahnstrecke voll gesperrt