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Rostocker Intensivpflegedienst nach Pleite verkauft

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Rostocker Intensivpflegedienst nach Pleite verkauft

Krankenkassen hatten Insolvenz beantragt / Neuer Gesellschafter aus Neustrelitz

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Der Intensivpflegedienst Norddeutschland mit Hauptsitz in Rostock, der seit 2009 schwerstkranke Menschen versorgt, ist pleite. Die Techniker Krankenkasse und die IKK Innungskrankenkasse Nord hatten im Sommer den Insolvenzantrag gegen den Pflegedienstleiter aus der Hansestadt gestellt. Wegen nicht gezahlter Sozialabgaben. „In Größenordnungen“, wie die Kassen mitteilen. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Pflegedienstes wurde am 1. Oktober am Amtsgericht Rostock eröffnet, Rechtsanwältin Ulrike Hoge-Peters zur Insolvenzverwalterin bestellt.

„Er stellt eine Identifikationsfigur dar. Die Mitarbeiter haben eine gute Bindung

zu ihmSebastian Arndt

Geschäftsführer Provita Arndt

über Christoph Eisfeld

Ihr ging es in den vergangenen Wochen vor allem um die Weiterversorgung der Patienten in Rostock und Umgebung. Denn 151 Mitarbeiter, „welche größtenteils über spezielle Qualifikationen verfügen“, wie die Anwältin auf Nachfrage mitteilt, betreuen intensivpflegebedürftige Patienten überwiegend zu Hause, und zwar 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche.

Um alle Arbeitsplätze und die Betreuung der Patienten zu sichern, hat Hoge-Peters mit verschiedenen Interessenten verhandelt und schließlich in einem sogenannten Asset Deal den Geschäftsbetrieb an die Intensivpflege Nord GmbH übertragen. Das Vermögen des Unternehmens wurde also gekauft, und zwar von der Provita Arndt GmbH in Neustrelitz, einem Hilfsmittelversorger für sämtliche Intensivpflegen in Mecklenburg-Vorpommern, der Pflegedienste unter anderem mit Beatmungstechnik, Ernährungslösungen und Pflegematerial beliefert.

Alter ist neuer Geschäftsführer

Doch genau hier liegt wohl das Problem: Andere Intensivpflegedienste sehen die Übernahme durch Provita Arndt mit Sorge. „Die Mitarbeiter gehen bei uns ein und aus, kennen unsere Patienten, unser Personal“, heißt es aus einem Pflegeunternehmen, das nicht genannt werden möchte. Viele befürchten nun offebar, dass der Anbieter für den eigenen Pflegedienst Arbeitskräfte wie Patienten abwirbt.

Geschäftsführer Sebastian Arndt hält diese Ängste für unbegründet. „Wir sind nur Gesellschafter und haben mit dem aktuellen Geschäft nichts zu tun“, sagt er und erklärt den Prozess der Übernahme:

„Das ist alles sehr schnell gegangen.“ Er kenne das insolvente Unternehmen und „unser Bemühen war es, die regionalen Strukturen aufrecht zu erhalten“.

Der Pflegedienst habe gute Möglichkeiten, fortzubestehen. Deshalb sei auch der bisherige Geschäftsführer Christoph Eisfeld wieder eingesetzt worden. „Er stellt eine Identifikationsfigur dar, und die Mitarbeiter haben eine gute Bindung zu ihm“, erklärt Sebastian Arndt.

Mitarbeiter übernommen

Eisfeld will sich zur Schieflage des in die Insolvenz geratenen Pflegedienstes nicht äußern. „Man muss die Gesamtgemengelage sehen, die ist äußerst komplex und noch nicht abgearbeitet“, sagt Eisfeld.

Mitarbeiter und Patienten seien übernommen, das sei wichtig.

Bei der Konkurrenz und den Krankenkassen indes bleibe laut deren Angaben ein „Geschmäckle“, dass der alte auch der neue Chef ist. Zumal mit dem Dritten Pflegestärkungsgesetz des Bundes eigentlich schärfere Regeln eingeführt worden sind, mit denen auf vergangene Pflegeskandale reagiert wurde. Es wird auf strengere Vertragsgestaltungen gedrungen, damit auffällig gewordene Anbieter nicht einfach unter neuem Namen oder über Strohmänner eine neue Zulassung bekommen.

Der Bedarf an Intensivpflege todkranker Menschen nimmt auch in Mecklenburg-Vorpommern zu. Immer mehr Pflegedienste kümmern sich ambulant und stationär um diese Patienten. Nach Angaben der AOK waren es 2015 landesweit 421 Intensivpflegepatienten, die sowohl in Heimen als auch zu Hause und in Pflege-Wohngruppen betreut wurden.

Die Rund-um-die-Uhr-Versorgung dieser Patienten ist inzwischen ein Milliardengeschäft. Fachverbände gehen davon aus, dass derzeit bundesweit rund 15000 Patienten ambulant invasiv beatmet werden.

Für jeden bekommen die Pflegeanbieter zwischen 9000 und 20000 Euro im Monat. Viel Geld, das auch immer wieder schwarze Schafe auf den Plan ruft, die nach Schätzungen jährlich bundesweit einen Schaden von einer Milliarde Euro verursachen.

In Rostock hatte zuletzt der Fall des ehemaligen Krankenpflegedienstes Möwe für Aufsehen gesorgt. Mit falsch abgerechneten Pflegeleistungen und dem Einsatz nicht ausreichend qualifizierter Mitarbeiter soll Möwe von 2011 bis 2015 die Kassen um weit mehr als eine Million Euro betrogen haben. Die Ermittlungen dauern an. Spätestens seitdem schauen die Krankenkassen aber genauer hin.

Doris Kesselring

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