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Südstadt Rostocker Moschee öffnet ihre Türen

Die Islamische Gemeinde hat gestern zum Besuchertag eingeladen / 80 Gäste sind gekommen

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Dawod Hussein (66, l.) und Mohamed Aljousef (20) präsentieren arabische Köstlichkeiten von herzhaft bis zuckersüß.

Südstadt. Die letzten Monate waren nicht leicht in der Rostocker Moschee: Platzprobleme, Machtkämpfe, Kritik. Dennoch: Am gestrigen Montag haben Mitglieder des Vereins und Gäste gemeinsam ein paar Stunden in der Moschee verbracht. Bundesweit war Tag der Offenen Moschee, und auch die Rostocker hat mitgemacht. Rund 80 Gäste guckten sich die Räume an, diskutierten und fanden bei arabischer Küche und Tee zusammen.

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Die Islamische Gemeinde hat gestern zum Besuchertag eingeladen / 80 Gäste sind gekommen

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Die Rostocker Moschee in der Südstadt ist nicht so leicht zu finden. In zweiter Reihe liegt der schmucklose Bungalow. Seit einiger Zeit schon kämpft Ahmed Maher Fakhouri, Vorsitzender des Islamischen Bundes (IB) in Rostock, für eine neue Moschee, aber die Mittel fehlen. Und es werde nicht leichter, Geld zu bekommen, berichtet er. „Ich bin Optimist“, sagt er, aber so langsam schwinde seine Zuversicht auf eine neue Moschee. „Man merkt die Kälte“, sagt Fakhouri – auch wegen Pegida und der AfD. In solchen Zeiten von Ablehnung und Islamismus seien solche Tage wie der der Offenen Moschee umso wichtiger, sagt er.

„Ich wollte mal gucken, wie sie das hier angenommen haben“, erzählt Marlene Frahm (78) aus Reutershagen. „Ich bin entsetzt, dass das so eine Baracke ist. Das kann doch nicht sein.“ Als Christ sei sie zum ersten Mal in der Rostocker Moschee. Wie man mit Flüchtlingen, den Gotteshäusern und dem Islam – wie zuletzt in Dresden – umgehe, könne sie nicht verstehen und wünsche sich, dass jede Religion akzeptiert werde.

Aufklärung und Information – darum geht es Ahmed Maher Fakhouri, der in einer kleinen Gruppe mit Gästen scheinbar hitzig diskutiert. „Das war noch gar nichts“, sagt er lachend. Es sei um Kopftücher gegangen, erzählt er hinterher. Gibt es großen Bedarf aufzuklären? „Auf alle Fälle“, sagt der Vorsitzende. „Ich bin immer wieder schockiert, wenn Menschen gar nicht wissen, dass hier eine Moschee ist.“ Und immer die Frage: „Was machen die da?“ Solche Fragen möchte er beantworten – an diesem bundesweiten Tag und jederzeit sonst, betont er. Der gestrige Tag sei nur besonders, weil er in ganz Deutschland stattfinde.

Zuletzt gab es in der Rostocker Moschee Streit über die religiöse Ausrichtung der Gemeinde. Streng konservative Muslime versuchten, sie zu übernehmen, sind aber letztlich gescheitert. Es hatte sogar körperliche Auseinandersetzungen gegeben. Die Konservativen seien noch da, „sind aber ruhig“, sagt Fakhouri. Und: Solche Diskussionen „sind normal in einer Gemeinde. Für mich keine Katastrophe“, so der Vorsitzende. In der Politik sei das nicht anders.

In einem Raum neben dem Gebetsraum, in dem um 13 Uhr vor den Gästen gebetet wird, ist eine Fotoausstellung aufgebaut, die den Islam in Bildern zeigt. Außerdem gibt es Essen – für gut 100 Personen.

Köfte mit Kartoffeln, Humus, Bulgur und Falafel. „Alles selbstgemacht“, sagt Dawod Hussein (66). Dazu gibt es Kaffee, Tee und Kaltgetränke.

Bis um 16 Uhr geht der Tag der Offenen Moschee. Und was hat der verpasst, der heute nicht hier war? „Meinen Vortrag“, scherzt Ahmed Maher Fakhouri und ergänzt im Ernst: „Die Begegnung und die Chance, sich selbst ein Bild zu machen.“ Aber jeder, der Interesse habe, bekomme auch eine Sondervorführung, wenn er wolle.

Tag der Offenen Moschee

In Deutschland ist der Tag der Offenen Moschee seit 1997 etabliert. Er geht auf die Initiative des Zentralrates der Muslime zurück. Seit 2007 wird die bundesweite Veranstaltung vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) geleitet. Jedes Jahr hat ein Motto. 2016 war es „Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance“.

1000 Moscheen machen in etwa pro Jahr beim Tag der Offenen Moschee mit. 100000 Besucher folgen jeweils der Einladung.

Philip Schülermann

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Rostock
Ahmed Maher Fakhouri (r.) diskutiert mit Gästen im Gebetsraum der Rostocker Moschee.

Zum Tag der Offenen Moschee kamen 80 Besucher in die Moschee in der Südstadt. Die Islamische Gemeinde möchte informieren und Aufklärung leisten. In Zeiten von Extremismus und Kritik am Islam sei das besonders wichtig.

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