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Rostocker Technologie für die Tiefsee

Warnemünde/Bentwisch Rostocker Technologie für die Tiefsee

Die Hansestadt will Vorreiter in der Unterwasser-Wirtschaft werden / 30 Firmen sind bereits in der Branche aktiv

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Sehen Rostocks Zukunft im Meer: Anka Schröder (Stadt) und Christian Weiß (Rostock Business).

Warnemünde/Bentwisch. „Den Mond haben wir nahezu komplett erforscht, aber über den größten Lebensraum der Erde wissen wir noch fast gar nichts“, sagt Christian Weiß. Der Chef des städtischen Wirtschaftsförderers Rostock Business meint die Tiefsee, die unerforschten Weiten des Meeres. Genau dort soll nun die Zukunft der Rostocker Wirtschaft liegen: „Wir wollen der führende Standort für Tiefsee-Technologien weltweit werden“, so Weiß. Der Schlüssel zum Erfolg soll das geplante „Ocean Techology Center“ (OTC) sein.

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Die Hansestadt will Vorreiter in der Unterwasser-Wirtschaft werden / 30 Firmen sind bereits in der Branche aktiv

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Und das ist mehr als eine fixe Idee: Denn auf dem Gebiet der Unterwasser-Wissenschaft und -Wirtschaft mischt die Hansestadt schon jetzt kräftig mit. Rund 30 Firmen in der Stadt sind unter Wasser aktiv – vor allem kleine und mittelständische Betriebe. Ein Beispiel ist die Firma Enitech. Die Bentwischer bauen seit 15 Jahren sogenannte ROV – unbemannte, ferngesteuerte U-Boote, die zum Beispiel bei der Wartung von Seekabeln, Offshore-Plattformen oder der Forschung in bis zu 6000 Metern Tiefe zum Einsatz kommen. Enitech verfügt bereits über eine eigene, kleine Testanlage, in der Tiefen bis 7000 Meter simuliert werden können. „Die Anwendungsmöglichkeiten für solche Geräte nehmen zu“, sagt Weiß – und nennt nur zwei Stichworte: Seit Jahren werde über den Abbau von sogenannten Mangan-Knollen, metallischen Klumpen vom Meeresgrund, und Geothermie-Kraftwerken unter Wasser nachgedacht. „Genau dafür brauchen wir Roboter, die Wartung und Arbeiten übernehmen können.“ Die Rostocker Firma Baltic Taucher setzt solche ROV beispielsweise schon jetzt bei der Kontrolle und Wartung von Offshore-Windkraftanlagen auf See ein.

Auch die Wissenschaftler in der Hansestadt haben längst ihren Fokus auf die Tiefsee gelegt: Das Department Maritime System der Rostocker Universität befasst sich beispielsweise mit dem Thema Aquakulturen, also der kontrollierten Fischzucht im Meer. „Aber auch die Produktion von Algen für die Medizin oder die Industrie sind unsere Themen“, sagt der Leiter des Departments, Bernd Lennartz.

Am Nienhäger Riff zum Beispiel „proben“ die Wissenschaftler den Anbau der Rotalge Delesseria sanguinea. Denn die enthält Stoffe, die in der Kosmetik und der Pharmazie begehrt sind. Die Schiffstechniker, die Informatiker und auch die Meerestechniker seien ebenfalls an der Welt unter der Oberfläche interessiert. „Vor dem Hintergrund einer rasant anwachsenden Weltbevölkerung und limitierten Ressourcen an Land steigen auch die Nutzungsansprüche auf Meeres- und Küstenzonen“, so Lennarzt.

Andere Forscher – zum Beispiel am Rostocker Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) – haben sich auf die ganz spezielle Problemstellung unter Wasser eingestellt: „Die Tiefsee stellt an Mensch und Technik nunmal andere Anforderungen“, sagt IGD-Chef Prof. Uwe Freiherr von Lukas. Seine Kollegen arbeiten zum Beispiel an neuen Bildverarbeitungstechniken, um auch im trüben Seewasser gestochen scharfe Video- und Fotoaufnahmen machen zu können. Anwendungsgebiet könnte die Überwachung von Kabeln und Rohren im Wasser, wie auch die Suche nach Minen sein.

„Rostock ist auf dem Gebiet Tiefsee-Technologie sehr gut aufgestellt“, sagt auch Anka Schröder, Sachgebietsleiterin Wirtschaftsentwicklung im Rostocker Rathaus. Was bisher fehlt, ist eine engere Verbindung von Wissenschaft und den rund 30 Klein- und Mittelständlern, die auf dem Gebiet aktiv sind. „Deshalb ist die Idee des ,Ocean Technology Centers‘ entstanden. Der Vorschlag stammt aus der Wirtschaft, nicht von uns. Aber wir wollen Wachstum ermöglichen.“

Zunächst soll eine Machbarkeitsstudie genaue Anforderungen und Kosten für das Projekt liefern. Schon jetzt ist klar: Wenn am Ende tatsächlich ein neues Wissenschafts- und Wirtschaftszentrum gebaut wird, in dem Unternehmen und Forscher unter einem Dach arbeiten, testen und forschen können, wird es um Millionen gehen. Aus Sicht der Stadt und der Wirtschaftsförderer gut angelegtes Geld: „Unsere Aufgabe als Rostock Business ist es, Chancen für die Stadt rechtzeitig zu erkennen. Und in der Tiefe der Ozeane liegt die Zukunft. Rostock kann auf diesem Gebiet neue Maßstäbe setzen und weltweit führend sein“, so Christian Weiß. Das würde der Stadt am Ende nicht nur Prestige einbringen: In der lukrativen Branche könnten auch Hunderte neue, hochqualifizierte Jobs für die Hansestadt entstehen.

Wirtschaft unter Wasser

30 Unternehmen sind nach Schätzungen von Rostock Business bereits im Bereich der Tiefsee-Technologie aktiv.

124000 Euro soll die Machbarkeitsstudie für das geplante Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum „Ocean Technology Center“

kosten. Einen Teil der Kosten wollen sieben Firmen aus der Hansestadt übernehmen. 1,5 Milliarden Euro Umsatz erzielten die 280 Firmen im Land, die laut Landesregierung in der maritimen Industrie arbeiten, im Jahr 2015.

Andreas Meyer

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