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Rostocker Youtuber begeistern das Netz

Stadtmitte Rostocker Youtuber begeistern das Netz

Zig Millionen haben ihre Videos bereits gesehen / Ein Blick hinter die Kulissen von „Tutorialcenter“ und „Coli“

Stadtmitte. Wer glaubt, auf Youtube gebe es nur verwackelte Videos von Leuten zu sehen, die aus ihrem Leben berichten, der irrt. Viele der Clips sind professionell produziert – hinter ihnen steckt eine Menge Arbeit. Nico Serapins und Philipp Collin sind Youtuber aus Rostock. Mit ihren Videos begeistern sie hunderttausende Menschen jeden Monat.

Nach Arbeit im stillen Kämmerlein sieht bei Nico Serapins gar nichts aus. Der 18-Jährige dreht seine Videos in einem Studio in der Nähe des Hauptbahnhofs. Grüner Hintergrund, überall Scheinwerfer, Kabel und Kameras natürlich. „Tutorialcenter“ heißt sein Youtube-Kanal. Mehr als tausend Videos habe er schon gedreht, erzählt er – alles Erklärvideos, so genannte „Tutorials“. „Ich würde mich als Unterstützer bei technischen Belangen bezeichnen“, sagt Serapins.

Er zeigt seinen Zuschauern, wie sie die Hard- oder Software eines Computers bedienen können. „Wer hat denn schon Lust, eine ganze Bedienungsanleitung zu lesen“, sagt Serapins. Und das kommt an: Knapp 60000 Menschen haben seinen Kanal abonniert, zig Millionen seine Videos in den letzten Jahren gesehen.

Zuschauer und Abonnenten seien bei Youtube aber bloß zweitrangig, sagt Philipp Collins (20). Entscheidend sei, wie lange die Leute die Videos sehen – ob sie nur wenige Sekunden oder bis zum Schluss gucken. Dafür überlassen sie nichts dem Zufall: Bevor es ans Drehen geht, schreiben sie ein Skript. Während des Drehs lesen sie davon ab. Die längste Zeit in Serapins Videos sieht man nur, was auf seinem Monitor passiert. So ist es auch bei Collins Kanal „Coli“. Jedes Video moderiert Serapins an. Auch eine Schlussszene gibt es. Den Text lernt er auswendig. Er steht dabei vor der grünen Leinwand – im grellen Scheinwerferlicht. Das Grün ersetzt er später am Computer durch einen anderen Hindergrund.

Seit 2012 ist Serapins auf der Videoplattform aktiv. Philipp Collins hat 2010 angefangen. Wie wird man erfolgreich bei Youtube? „Wissen ist alles“, sagt Collin, der vor allem Hilfestellungen beim Computerspiel „Minecraft“ gibt. Zum einen brauche man Wissen darüber, was man vermitteln wolle. Zum anderen müsse man wissen, was der Zuschauer sehen will. Beide Produzenten haben sich angeeignet, wie das menschliche Gehirn tickt. „Ein gutes Video muss kompakt sein“, sagt Serapins. Collin: „Meine Videos sind kurz und knackig.“ Und: „Viele angehende Youtuber geben zudem zu schnell auf. Man muss durchhalten“, sagt Serapins – Erfolg auf Youtube brauche neben guten Ideen Zeit.

Nach dem Dreh geht es ans Schneiden. Auch die Tonspur wird um die Sprech- und Atempausen gekürzt. Das schafft Tempo. Ganz wichtig ist der Ausdruck beim Sprechen. Hört man nur zu, wirkt das ziemlich überspitzt. Später im Video wird es aber natürlich klingen – und keineswegs abgelesen. Die Produktion eines so professionellen Films ist aufwendig. Der Dreh an sich geht im Vergleich zum Schreiben des Textes, der Recherche und dem Einfügen von Metadaten wie Schlagworten, damit das Video im Netz gefunden werden kann, schnell. Die Youtuber überlassen nichts dem Zufall.

„Ich betreibe das als Hobby“, sagt Collin. Er studiert Wirtschaftsinformatik. Nico Serapins schreibt gerade sein Abitur. Und dennoch: Täglich ist er im Studio und macht Videos für seine Zuschauer.

„Schraibfeler TV“ kommt auch aus Rostock. Den Kanal gibt es erst seit Anfang 2015. „Gibt man Rostock auf Youtube ein, findet man lediglich Artikel über das Sonnenblumenhaus, FC-Hansa-Prügeleien oder -Aktionen oder die Band Jennifer Rostock“, sagt Gründer Christian Manshen (26). Sie wollten Kreatives aus Rostock zeigen – zum Beispiel Sketche. Damit gehen sie einen anderen Weg als Serapins und Collin – durchaus mit Erfolg, auch wenn sie erst am Anfang stehen. Trotz allen Vorbereitungen: Wie erfolgreich ein Video der Rostocker wird, das lässt sich nur erahnen. Interaktion mit den Zuschauern ist wichtig. Sie passiert über die Kommentarfunktion und direkte Ansprache in den Clips. „Auf Youtube abonniert man Persönlichkeit“, sagt Nico Serapins. „Man braucht etwas, das einen besonders macht“, so Philipp Collin.

Natürlich braucht man nicht gleich Scheinwerfer, teure Software oder gar ein ganzes Studio. Viele Smartphones machen gute Videos, einige Fotokameras auch. Damit auch der Ton stimmt, empfiehlt der Youtube-Profi ein kleines Ansteckmikrofon. Philipp Collin und Nico Serapins hoffen, irgendwann von ihren Videos leben zu können. Dazu brauchen sie aber noch mehr Zuschauer, die ihre „Tutorials“

möglichst lange gucken. Beide sagen von sich, sich gerade zu entwickeln: Serapins möchte sich einem älteren Publikum zuwenden, Collin wendet sich vom „alten“ Computerspiel „Minecraft“ ab. Sie gehen mit der Zeit.

Philip Schülermann

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