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Rostocker bildet Soldaten im Libanon aus

Rostock/Jounieh Rostocker bildet Soldaten im Libanon aus

Christian Rebbin ist als Reservist im Auslandseinsatz. Dafür lässt er sogar seinen Kfz-Betrieb allein.

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Störungssuche am Antriebsdiesel eines libanesischen Patrouillenbootes: Hauptbootsmann Christian Rebbin (Mitte) versucht den Fehler mit einem libanesischen Marineoffizier zu finden.

Quelle: Alexander Gottschalk

Rostock/Jounieh. Gelegentlich muss Christian Rebbin improvisieren. „Es gibt einfach kein arabisches Wort für Pleuel“, erzählt der 33-Jährige. Kein Problem, dann ist das eben die Stange, die den Kolben mit der Kurbelwelle verbindet. Seit drei Monaten bringt der Rostocker als Reservist der Marine im Libanon einheimischen Marinesoldaten bei, wie ein Schiffsmotor funktioniert, und wie man ihn repariert, wenn er das nicht mehr tut.

„Die Libanesen sind sehr nett.“

Ein toller Job, sagt Rebbin. „Die Libanesen sind sehr nett.“ Er wird oft spontan eingeladen. Nüsse und Kaffee stehen auf dem Tisch, arabische Gastfreundschaft. Vor ein paar Tagen überreichte ihm einer seiner Schützlinge stolz ein Glas mit Honig, den er in den Bergen, wo lebt, gemacht hat. „Das war sehr berührend“, sagt der Rostocker. Christian Rebbin stammt aus Barth (Vorpommern-Rügen), als Soldat bei der Marine zu arbeiten war schon sein Kindheitstraum. Als 17-Jähriger verpflichtete er sich bei der Bundeswehr. Er blieb zwölf Jahre, war auf Fregatten und Schnellbooten stationiert, verantwortete als Motormeister den Antrieb. Mit Ende 20 fing sein ziviles Leben nach der Marine an: Er machte eine Ausbildung bei der Feuerwehr in Rostock, nebenbei gründete der passionierte Auto-Schrauber einen Kfz-Betrieb („Mechanix Deluxe“). Doch jetzt ist er seit drei Monaten wieder im Einsatz – als Reservist. Rebbin gehört zu einer Gruppe, die im Rahmen des UN-Blauhelmeinsatzes Unifil an der Marineschule in der Küstenstadt Jounieh die noch junge libanesische Marine ausbildet.

Korvetten aus MV patrouillieren vor der Küste

Zurzeit patrouillieren noch Kriegsschiffe aus aller Welt vor der Küste, unter anderem um Waffenschmuggel zu verhindern, darunter auch Korvetten aus Rostock-Hohe Düne. Eines Tages soll der Libanon dazu selbst in der Lage sein. „Ich hatte Fernweh“, erklärt Christian Rebbin, warum er noch einmal in die beigefarbene Einsatz-Uniform geschlüpft ist. Er sei gefragt worden, ob er noch mal wolle. Nach einer Bedenkzeit sagte er zu. Dabei war der Zeitpunkt eigentlich ungünstig. Silvester lernte Rebbin eine Frau kennen, die seitdem eine nicht ganz unwichtige Rolle in seinem Leben spielt. Er entschied sich dennoch, ab März für sieben Monate in den Libanon zu gehen. Jeden Abend hält das junge Paar Kontakt über Videotelefonie im Internet. Die Firma führt unterdessen ein Angestellter weiter. Wenn Rebbin wieder zu Hause ist, will er heiraten und eine Familie gründen.

„Manche haben noch nie einen Motor von innen gesehen“

Inzwischen kann der Rostocker ein paar Sätze Arabisch sprechen. Im Unterricht läuft die Kommunikation größtenteils über einen Dolmetscher. Die Aufgabe ist nicht leicht: „Manche haben noch nie einen Motor von innen gesehen“, sagt Rebbin. Er hat sich vom Schrott alte Kolben und andere Teile besorgt, um seinen Unterricht anschaulicher zu machen. Es sei schön zu sehen, wie seine Zöglinge Fortschritte machen, sagt er.

Auch nach seinem Einsatz will Rebbin wiederkommen. Dann aber als Urlauber, ohne Uniform. „Hier sind viele Freundschaften entstanden“, sagt er. Der Libanon sei einfach überwältigend. In einer halben Stunde könne man zwischen Sonnenbaden am Strand zum Skifahren in den Bergen wechseln. „Wo sonst ist so etwas möglich?“, fragt der Reservist.

Gerald Kleine Wördemann

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