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Rostocker erinnern an Kirchensprengung

Stadtmitte Rostocker erinnern an Kirchensprengung

Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Das machen wir wie in Leipzig“ / Zeitzeugen erinnern sich

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Die Rostocker Christuskirche wurde am 12. August 1971 gesprengt.

Quelle: Archiv

Stadtmitte. Viele Rostocker hatten die Bilder vom 12. August 1971 wieder vor Augen. Die Bilder, als an diesem Donnerstag im Hochsommer um 18.30 Uhr die Christuskirche auf dem Schröderplatz gesprengt wurde. Sie wurde 1909 geweiht und nur wenige Jahrzehnte später wieder niedergerissen. Morgen auf den Tag genau liegt die Sprengung der Rostocker Christuskirche 45 Jahre zurück. Einige hatten Tränen in den Augen, als sie die Geschehnisse dieses Tages wieder vor Augen hatten.

OZ-Bild

Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Das machen wir wie in Leipzig“ / Zeitzeugen erinnern sich

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Gestern Abend gedachte die Katholische Christusgemeinde zusammen mit der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen, Vertretern vom Heinrich-Theissing-Institut sowie vom Thomas-Morus-Bildungswerk mit einer Ausstellung an die willkürliche Zerstörung der Kirche durch das DDR-Regime.

Das Zitat eines damaligen Rostocker Stadtvertreters hatten die meisten noch im Ohr: „Das machen wie in Leipzig. Morgens wachen die Leute auf, und dann ist die Kirche weg“, habe er sich auf einer Wohnbezirksversammlung auf die Sprengung der Leipziger Universitätskirche 1968 bezogen. Unter diesem Motto versammelten sich gestern Hunderte Rostocker im Gemeindezentrum im Häktweg. Viele Zeitzeugen kamen zu Wort. Etwa der 74-jährige Helmut Aude. „Ich kann mich noch genau daran erinnern. Für mich war das kein Abriss, sondern schlichtweg eine Zerstörung und Vernichtung“, sagt er.

Auch Klaus Beehse (80), damals Mitte 30, kann nicht vergessen, was er erleben musste. „Als wir davon erfuhren, haben wir alles aus der Kirche rausgeschafft, was wir tragen konnten“, berichtet er.

Aber nicht alles durfte mitgenommen werden: „Uns wurde vorgeschrieben, dass wir nur das transportieren dürfen, was lose ist. Die bunt bemalten Fenster zum Beispiel konnten wir nicht mehr retten.“ In sicherer Entfernung wartete er auf die Sprengung. Klaus Beehse kann sich nur noch an einen Knall erinnern und die riesige Staubfahne, die über den Schröderplatz wehte. „Nur einer hat geklatscht, die anderen standen regungslos und schockiert dort“, sagt Beehse.

Er habe noch bis spät am Abend am Schröderplatz gestanden und Fotos gemacht. Außer von dem damaligen Pfarrer der Christusgemeinde Nikolaus Schnitzler, der vor den Trümmern stand. „Es war ein schlimmer Moment, ihn dort stehen zu sehen.“

Dr. Georg Diederich, Direktor vom Heinrich-Theissing-Institut, schilderte gestern ausführlich, wie es zu dieser Zerstörung kommen konnte. Er berichtete, dass die Rostocker Stadtverordnetenversammlung im Januar 1969 über Pläne für die Neugestaltung des Stadtzentrums diskutierten. „In diesen Plänen tauchte die Christuskirche nicht mehr auf“, sagte er. Der Pfarrer habe dann vom damaligen Oberbürgermeister erfahren, dass er mit einer Sprengung rechnen müsse. „In Leipzig war es so, dass die Universitätskirche nur eine Woche nach dem Beschluss gesprengt wurde. In Rostock war die Angst groß, dass es hier genauso schnell vonstatten gehen könnte“, so Diederich. Die DDR verfügte weder über ausreichend Baumaterial noch über finanzielle Mittel, um das Stadtzentrum neu zu gestalten. Die Planung scheiterte deshalb schon 1970. „Nur an dem Plan, die Kirche zu sprengen, wurde weiter festgehalten“, so Diederich. 1,8 Millionen Mark habe die Kirche als Entschädigung dafür bekommen.

Aber schon zwei Monate vor der Sprengung zog die Gemeinde ins Gemeindehaus in den Häktweg. „Die DDR ist untergegangen, die Christuskirche gibt es heute immer noch“, sagt Georg Diederich.

Ein paar Andenken von dem einst so mächtigen Gebäude sind bis heute geblieben. „Einige Sachen, die gerettet werden konnten, befinden sich in unserem Kirchenarchiv“, berichtet Ulrike Jahnel (75). Auch davon, dass seit 2009 jedes Jahr am 12. August an die Ereignisse des Sommertages 1971 gedacht wird.

Bis 2012 unbebaut

Die Christuskirche war eine katholische Kirche in Rostock. Sie wurde 1909 geweiht und 1971 zerstört. Den gleichen Namen trägt die neue Christuskirche, die als Ersatz im Häktweg gebaut wurde.

Trotz Protesten hielt die Rostocker Stadtspitze damals an der Sprengung der Christuskirche fest. Die geplante Neugestaltung der Fläche wurde nicht umgesetzt. Sie blieb bis 2012 unbebaut.

Seit 2009 erinnert ein Denkmal am Schröderplatz an den gesprengten Sakralbau. Seitdem wird jedes Jahr am 12. August an die Sprengung erinnert.

Mathias Otto

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