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Rostocker müssen noch länger mit Schienenlärm leben

Stadtmitte Rostocker müssen noch länger mit Schienenlärm leben

2200 Menschen betroffen / Stadt hat Aktionsplan fertig / In Warnemünde verschwindet das Kurvenquietschen/ Rostock wird wohl Schallschutzwände bauen

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Wer an der Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Parkstraße wohnt, muss mit Schienenlärm leben.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Wer im Bereich von Schienen wohnt, leidet mehr oder weniger unter Lärm, der krank machen kann. Doch mit schneller Hilfe kann in Rostock niemand rechnen.

Immerhin hat die Stadt jetzt einen Plan und weiß ganz genau, wo die Menschen betroffen sind. Passieren wird jedoch so schnell nichts – weder von seiten der Stadt noch von der Bahn.

„Schnell geht gar nicht“, räumt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ein. „Das kostet Zeit und Geld.“ Allerdings verlange die EU regelmäßige Berichte über Fortschritte. Der „Lärmaktionsplan Schiene“

beschreibt 14 Stellen im Stadtgebiet, in denen gesundheitsrelevante Werte auftreten – am Tag und in der Nacht oberhalb von 65 beziehungsweise 55 Dezibel. Betroffen sind über den ganzen Tag 1600 und nachts 2200 Rostocker. „Gegen Mitternacht kommt häufig ein Güterzug mit Holz vorbeigefahren. Der ist schon laut“, berichtet zum Beispiel Nadine Edelmann (32), die am Holbeinplatz wohnt.

Immerhin lässt sich dem Aktionsplan entnehmen, Lärmschutz in Teilbereichen mit zahlreichen Betroffenen – wie zwischen Parkstraße und Holbeinplatz – „in den kommenden Jahren anzustoßen“. Vieles liegt in den Händen der Deutschen Bahn. Geschwindigkeitsreduzierungen oder Nachtfahrverbot würden aber grundsätzlich abgelehnt, erklärt Sprecher Gisbert Gahler. Die würde sich Holger Matthäus aber durchaus zum Beispiel bei den Holztransporten aus dem Fischereihafen in Richtung Bahnhof wünschen.

An bestehenden Strecken gebe es für das Verkehrsunternehmen keine Verpflichtung, etwas zu unternehmen, betont die DB. Immerhin: In Warnemünde sollen bei der S-Bahnstrecke im Bereich des Stroms die Radien der Gleisbögen aufgeweitet werden, um das „Kurvenquietschen“ zu verringern und den Bau einer Lärmschutzwand in diesem städtebaulich sensiblen Abschnitt zu vermeiden, erläutert Gahler. Die Umsetzung sei mit dem geplanten Bahnhofsumbau Warnemünde vorgesehen. „In den aktuellen Planungen gehen wir von einer Fertigstellung im Jahr 2020 aus.“

Umweltsenator Holger Matthäus hofft auch auf lärmmindernde Baumaßnahmen zwischen Hauptbahnhof und Parkstraße. „Ich erwarte, dass wir mit der Bahn zusammen Lösungen finden“, erklärt Rostocks Umweltsenator. Allerdings: Auf der Prioritätenliste der Bahn steht Rostock in Sachen Lärmschutz so weit hinten, dass die Betroffenen in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht erwarten können, nachts ruhiger schlafen zu können.

An einigen Lärmbrennpunkten könnte die Stadt durch Schließung von Baulücken oder den Bau von Schallschutzwänden selbst aktiv werden. Rund acht Millionen Euro müssten in die Hand genommen werden.

Abgesehen vom knappen Geld wäre auch mit der Bahn über Grundstücksfragen zu sprechen. „Die DB AG wird genauso wie die Hansestadt Rostock ihren Grundbesitz wahren“, erklärt Sprecher Gisbert Gahler dazu. „Unsere Empfehlung an die Hansestadt Rostock war, Schallschutzwände nicht in unmittelbarer Nähe der Gleise und nach Möglichkeit auf eigenen Grundstücken anzuordnen, da die Anforderungen bahnseitig relativ hoch sind.“ All diese Punkte führen Holger Matthäus dann zur Erkenntnis: „Schallschutzwände werden wir eher nicht umsetzen.“

Fakt sei auch, dass der Bahnlärm durch den Einsatz neuer Technik und Fahrzeuge bereits zurückgegangen sei, stellt Senator Matthäus fest. Das sieht auch Nadine Edelmann vom Holbeinplatz so. „Die vorbeifahrenden Züge sind leiser als früher. Die Doppelstockigen waren lauter.“

14 Lärmbrennpunkte

1600 Rostocker sind den ganzen Tag und 2200 in der Nacht von potenziell gesundheitsgefährdendem Lärm durch Schienenverkehr betroffen. Das ist der Fall bei Werten von mehr als 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht.

. 14 Lärmbrennpunkte gibt es entlang von Schienen: Alte Bahnhofstraße/Am Strom bis Kurve Alte Bahnhofstraße, Schweriner Straße/Kuphalstraße bis Holbeinplatz, Holbeinplatz, Karl-Marx-Straße/Thomas-Müntzer-Platz, Dethardingstraße und Hospitalstraße. Parkstraße/Dethardingstraße bis Arno-Holz-Straße, Laurembergstraße und Fahnenstraße, Babststraße, Borenweg, Goethestraße, Herweghstraße, An der Kiesgrube, Kunkeldanweg, Gnatzkoppweg.

Thomas Niebuhr

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