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Rostocker überfiel Spielothek mit Fahrrad und Luftpumpe

Stadtmitte/Warnemünde Rostocker überfiel Spielothek mit Fahrrad und Luftpumpe

Auch Pfefferspray setzte Michael W. ein und muss mehrere Jahre ins Gefängnis

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Rechtsanwalt Thomas Penneke und der Angeklagte Michael W. (27) äußerten sich gestern zur Tat.

Quelle: Foto: Andrè Wornowski

Stadtmitte/Warnemünde. Diese Nacht wird die Mitarbeiterin der Spielothek „Easyplay“ in Warnemünde nie mehr vergessen: Im September 2015 stürmt ein Vermummter mit einem Fahrrad herein, schlägt sie mit einer Luftpumpe nieder, sprüht ihr Pfefferspray ins Gesicht und flüchtet mit 30 Euro aus der Kassenschublade. Gestern begann nun vor dem Landgericht Rostock der Prozess gegen Michael W. wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Der 27-Jährige gestand die Tat. „Es tut mir wirklich leid, was ich Ihnen angetan habe“, sagte er zur Nebenklägerin.

Verständigung

Laut Strafprozessordnung kann sich das Gericht in geeigneten Fällen mit den Verfahrensbeteiligten über den Fortgang und das Ergebnis des Verfahrens verständigen. Oft geht es

dabei darum, dass das Gericht auf

eine mildere Strafe erkennt, sofern der Angeklagte geständig ist.

Wenn er könnte, würde er seine Tat wieder rückgängig machen. Michael W. weinte. „Ich hoffe, Sie können mir irgendwann verzeihen.“ Die Nebenklägerin sagte: „Das liegt an Ihnen.“

Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklägerin haben zu Prozessbeginn in einem nicht-öffentlichen Gespräch eine Verständigung erzielt: Gesteht der Angeklagte die Tat umfänglich und glaubwürdig, wird seine Gesamtfreiheitsstrafe am Ende höchstens fünf Jahre und drei Monate betragen. Die Mindeststrafe wurde auf vier Jahre und neun Monate Haft festgelegt. Sollten jedoch rechtlich oder tatsächlich bedeutsame Umstände übersehen worden sein, ist das Gericht laut Strafprozeßordnung nicht an die Verständigung gebunden. Das Geständnis des Angeklagten dürfe dann auch nicht verwertet werden.

Der Angeklagte gab an, am Tag der Tat anderthalb bis zwei Gramm Amphetamin konsumiert zu haben. Auch habe er am Morgen eine Flasche Pfefferminzlikör und später Bier getrunken. Zudem habe er gekifft.

Zweimal habe er in der Nacht dann die Toilette in der Spielothek benutzt. Auch hier habe er Amphetamin zu sich genommen – und den Entschluss gefasst, die Spielothek zu überfallen. Er habe sich ein T-Shirt um das Gesicht gewickelt, ehe er dann reingestürmt sei.

Danach sei er zum Alten Strom geflüchtet. Hier habe er sein Fahrrad abgestellt. Schließlich sei er zu sich gekommen: Er habe sich über sich selbst erschrocken, sagt sein Verteidiger. W. habe seine Kleidung weggeworfen und sich in der Entzungsklinik in Gehlsdorf einweisen lassen. „Was er mit den 30 Euro getan hat, ist ihm nicht mehr erinnerlich“, so sein Anwalt.

Das Opfer erinnert sich noch gut an die Tat, bis heute hat die Frau mit den Folgen zu kämpfen. „Ich dachte nie, dass ich mal diese Angst bekomme, jetzt habe ich sie immer. Ich mache keine Nachtschicht mehr.“ Drei Wochen lang sei sie krank geschrieben gewesen. Eine psychische Behandlung habe sie bisher nicht bekommen. „Es gibt keine freien Plätze.“

Der Überfall sei wie im Film abgelaufen: „Er hat nicht ein Wort gesagt“, sagt die 50-Jährige. Sie habe noch versucht, die Glastür zum Raucherraum zuzuhalten. Doch ihre Kraft habe nicht ausgereicht.

Der Täter habe sie gegen einen Zigarettenautomaten geschleudert, ihr zweimal auf den Hinterkopf geschlagen und Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. „Alles wurde dunkel. Tränen schossen mir in die Augen. Der Hals kratzte.“ Das Urteil in dem Prozess wird am Mittwoch erwartet.

André Wornowski

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