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Einwohner bangen um die grüne Lunge und fürchten Verkehrschaos / Biestower wollen mehr Beteiligung

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Mit einem derart großen Interesse für die Einwohnerversammlung zu Groß Biestow hatten Oberbürgermeister Roland Methling (r.) und Stadtplaner Ralph Müller nicht gerechnet. 2000 Rostocker waren in die Stadthalle gekommen. Fotos (8): Ove Arscholl

Südstadt Hitzige Debatte bei der „größten Einwohnerversammlung seit der Wende“, wie Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) zu Beginn des Infoabends verkündet: 2000 Rostocker sind in die Stadthalle gekommen, um zu hören, wie sich OB Methling und Stadtplaner Ralph Müller Groß Biestow vorstellen. Und das stößt auf Kritik in den Zuschauerreihen, aber allen Emotionen zum Trotz läuft die Debatte sachlich ab. Von Zuspruch fehlt jedoch jede Spur.

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Einwohner bangen um die grüne Lunge und fürchten Verkehrschaos / Biestower wollen mehr Beteiligung

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Ein Video zur Bürgerversammlung sehen Sie unter www.ostsee- zeitung.de

„Biestow klein, Biestow fein, Biestow mein – unser Dorf soll meine Heimat sein“ – Hafenjodler Enzi Enzmann hat extra eine Biestow-Hymne geschrieben, mit der die Gäste in der Halle begrüßt werden. Die Plätze im Großen Saal reichen nicht, die Oberränge werden geöffnet. Mit zehn Minuten Verzögerung beginnt die Veranstaltung. Roland Methling entschuldigt sich dafür, dass die Pläne zuerst in der OZ veröffentlicht wurden, bis die Stadt sich selbst äußerte.

Der Tenor ist klar: Nun wolle man transparent handeln und setzt auf Bürgerbeteiligung. Diese Versammlung sei der Auftakt. „Einen Schönheitsfehler“ nennt Patricia Fleischer vom Zusammenschluss der Rostocker Bürgerinitiativen das. Denn: Eine Beteiligung sei diese Veranstaltung nicht, sondern eine Information. Mit dieser Meinung steht sie an diesem Abend nicht allein da. Aber es sei schön, dass er stattfindet. „Kein Mensch in diesem Saal weiß, wie Bürgerbeteiligung aussehen wird“, sagt sie. In Zwischenrufen von den Rängen wird eine Satzung zur Bürgerbeteiligung gefordert. Auch Klaus-Peter Müller vom Verein „Leben in Biestow“ schreibt den Veranstaltern ins Stammbuch: „Wir fordern eine Beteiligung der Bürger nicht nach, sondern in den Prozessen.“

Die Zuhörer haben so einiges auf dem Herzen, die Schlangen vor den Mikrofonen reißt nicht ab. Da wäre der Verkehr, den die Satower Straße nicht bewältigen könnte. Stadtplaner Ralph Müller und OB Methling geben bei Fragen zum Verkehr das Wort an Heiko Tiburtius. Der Leiter des Amtes für Verkehrsanlagen sieht keinen Stau auf die Anwohner zukommen. Er verweist vor allem auf alternative und öffentliche Verkehrsmittel, für die Angebote im neuen Stadtteil geschaffen werden sollen. Auch mit grüner Welle und besserer Verkehrsteuerung sollen die Straßen durchlässig gehalten werden. „Der Biestower Damm wird und kann keinen weiteren Verkehr aufnehmen“, verspricht Stadtplaner Müller. Es sei jedoch eine direkte Verbindung aus dem neuen Wohngebiet nach Groß Stove, raus aus der Stadt denkbar.

„Wir waren sehr überrascht, als plötzlich solche Dimensionen bekannt wurden“, sagt Kleingärtner Matthias Schreiter. 50 bis 100 Gartenfreunde seien gekommen schätzt Verbandschef Christian Seifert.

Denn einige Parzellen werden weichen müssen. Laut Müller werden es etwa 250. „Sie reißen Bürgern ihren Rückzugsort weg“, führt Seifert unter Applaus an. Ein „Kahlschlag“ sei das. „Zehn bis 15 Prozent sind kein Kahlschlag“, wehrt sich Müller – ein Argument, das mit nur wenig Raunen im Saal akzeptiert wird.

Müller und Methling müssen immer wieder betonen, dass es sich bei dem Vorgestellten nur um Ideen handelt. Nichts sei entschieden. Dass es aber doch in „Hochgeschwindigkeit“ gehe, wundert Gunnar Blöhe. „Weil es schon einen Investor gibt? Und wenn ja, wer ist es?“, will der 43-Jährige Biestower wissen. Beim Kringelhof gehörten die Flächen weitestgehend der städtischen Wohnungsgesellschaft Wiro. Das Gebiet zur Nobelstraße sei in privater und kirchlicher Hand, antwortet Methling. Immer wieder äußern die Bürger ihre Angst um die „Grüne Lunge“ im Süden der Stadt.

Doris Kesselring und Philip Schülermann

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