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Rostockerin steuert Korvette im Libanon

Limassol/Warnemünde Rostockerin steuert Korvette im Libanon

Bettina L. ist in Hohe Düne stationiert und derzeit im UN-Einsatz im Mittelmeer / Die 26-Jährige fährt dort die „Braunschweig“ – eines des modernsten Schiffe der Deutschen Marine

Limassol/Warnemünde. Jeder Handgriff muss sitzen. Die „Braunschweig“ nimmt Kurs auf den Hafen von Limassol auf Zypern. Bettina L., Oberleutnant zur See, sitzt am Steuer. 24 Stunden im Meer liegen hinter der 26-Jährigen, ein Tag und eine Nacht. Von Beirut nach Limassol. Der Tag im Einsatzgebiet: Frachtschiffe gesichtet und angefunkt. Fragen nach der Ladung, der Herkunft, dem Ziel. Die Besatzung der fremden Schiffe sollte antworten. Besteht auch nur der geringste Verdacht, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, müssen die libanesischen Soldaten in den Radarstationen an der Küste informiert werden. Zur weiteren Abklärung, zur Kontrolle und um vielleicht ein Patrouillenboot zu schicken. Das Gebiet ist fragil, immer noch, schon wieder.

 

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Die 26 Jahre alte, gebürtige Neubrandenburgerin Bettina L. hat sich ihren Kindheitswunsch erfüllt – und darf große Schiffe über die Meere steuern.

Quelle: Enric Boixadós

Ein Schiff selbst zu steuern war für die Blauhelm-Soldatin aus Rostock schon immer ein Traum gewesen. Sie erinnert sich noch genau daran, als sie zum ersten Mal ein Schiff fahren durfte – allein: „Es war genauso schön wie schrecklich. Mit dem Gefühl, endlich das zu tun, worauf ich die ganze Zeit hingearbeitet habe.“

Bei einem Manöver wie diesem ist Kapitän Ronny Bergner dabei. Seiner Besatzung, die jetzt mit ihm auf der Brücke ist, gibt seine Anwesenheit Sicherheit. „Als Kapitän bin ich immer ansprechbar und im Dienst. Und das für über vier Monate, die ich auf der Korvette bin.“ Der geborene Thüringer ist ebenfalls in Rostock stationiert. „Unser Einsatz hier im Rahmen von Unifil gilt in der Region als Stabilitätsfaktor. Wir wissen aber auch, dass wir nur ein ganz kleiner Baustein in einem großen Ganzen sind, das sich auf den gesamten Nahen Osten auswirkt“, betont der 40-Jährige.

In der Ferne ist der Hafen von Limassol auf Zypern zu erkennen. „Auf See genieße ich es immer, auf den Horizont zu blicken. Auf die Weite, wo sonst nichts ist“, beschreibt der Berufssoldat die Faszination, die für ihn die Seefahrt ausmacht. „This is United Nations Warship F 260“, lautet der Funkspruch, mit dem die Korvette angekündigt wird. Bettina L. und Kapitänleutnant Florian H. sind beschäftigt, wie ihre anderen Mitsoldaten auch. 58 Besatzungsmitglieder sorgen auf der „Braunschweig“ für ein reibungsloses Funktionieren, wobei das Einlaufen und Anlegen eines Schiffes immer die größte Herausforderung ist. Die Schiffshupe tutet, und die Soldaten setzen ihre hellblauen UN-Barette auf.

Das sind Momente, in denen sich Bettina L. erinnert: An den Vater, einstiger Soldat der NVA, an die Tante, Zahnärztin bei der Marine. Und natürlich an ihren ersten Besuch auf einem Kriegsschiff im Alter von zwölf Jahren. „Letztendlich hat mich meine Tante inspiriert, selbst einmal Soldatin zu werden.“ Mit 19 war es dann für die gebürtige Neubrandenburgerin so weit. Die Offiziersschule in Flensburg war die erste Station. Es folgten unvergessliche Wochen auf dem Schulschiff „Gorch Fock“: „Von Gran Canaria über die Kapverdischen Inseln bis zu den Azoren“, schwärmt sie. Ein weiteres Highlight waren die sechs Monate auf der Fregatte „Brandenburg“ in Südafrika. „Übung mit der dortigen Marine“, ergänzt sie.

An der Hamburger Helmut- Schmidt-Universität der Bundeswehr studierte sie schließlich Pädagogik. „Im Anschluss daran nahm ich am Brückenoffizierslehrgang in Flensburg teil“, ergänzt die Zeitsoldatin.

Wie die Zukunft aussieht, weiß sie noch nicht. Verpflichtet hat sie sich erst einmal bis zum Jahr 2022. „Wahrscheinlich geht es nach Rückkehr auf die ‚Oldenburg’, die im Hafen von Rostock liegt.

Wunschziel wäre für mich noch einmal Südafrika“, schwärmt sie. In der Familie und bei ihren Freunden wurde ihr Entschluss, zur Marine zu gehen, gut aufgenommen. „Es war mein Berufswunsch!“ Stolz seien vor allem die Eltern gewesen. „Besonders dann, als ich sagte, dass ich nun ein großes Schiff fahren kann“, schmunzelt sie. Ihre Kammer an Bord teilt sie sich mit einer weiteren Soldatin. Ganz bodenständig. Beide haben nachts oft Wachdienste auf der Brücke. „So kann man auch mal für sich sein“, erklärt sie. Luxus sei dann eher das eigene winzige Badezimmer in der Kajüte.

Die „Braunschweig“ liegt nun fest im Hafen auf Zypern. Die Blauhelme des deutschen Unifil-Kontingents in Limassol stehen Spalier. Es ist ein feierlicher Moment. Bettina L. und ihre Mitsoldaten können für ein paar Tage durchatmen. Einige fliegen nach Hause, zu Familie, zum Freund oder zur Freundin.

Bettina L. nimmt das Satellitentelefon, um mit ihrem Partner zuHause zu sprechen. Das muss sein, jetzt, nachdem die Anspannung verflogen ist. Er ist auch bei der Marine. „Da muss ich weniger erklären, kann mich besser austauschen. Und ich weiß, dass ich von ihm verstanden werde!“

Korvetten im Einsatz

5 Korvetten vom Typ F 130 sind für die Deutsche Marine im Einsatz. Neben der „Braunschweig“ sind das die „Erfurt“, die „Oldenburg“, die „Ludwigshafen am Rhein“ und die „Magdeburg“.

Alle Korvetten sind in Hohe Düne

stationiert.

240 Millionen Euro hat jedes der Schiffe gekostet. Die Korvetten sind 89 Meter lang und haben 58 Mann Besatzung.

Unifil ist die Abkürzung für „United Nations Interim Force in Lebanon“,

eine Friedensmission der Vereinten

Nationen. Die Blauhelmsoldaten

unterstützen die libanesische Regierung dabei, die Seegrenzen zu sichern und Waffenschmuggel von See aus zu verhindern. Die Mission begann nach dem Libanonkrieg im Jahr 2006. Deutschland beteiligt sich vor allem auf See und ist seit Anfang an dabei.

130 Soldaten der Bundeswehr beteiligen sich insgesamt am Unifil-Einsatz – an Bord der Korvetten, im UN-Hauptquartier Naqoura, an

der Grenze des Libanon zu Israel

sowie nordöstlich von Beirut.

Insgesamt sind 10 500 Blauhelme

aus 39 Nationen im Einsatz.

1 Jahr bleibt die „Braunschweig“ im UNIFIL-Einsatz. Sie war

im Mai aus Warnemünde ausgelaufen. Während des Einsatzes wechselt

viermal die Crew.

Sabine Ludwig

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