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SPD-Filz? Neuer Job für Brodkorb-Freund

Stadtmitte/Schwerin SPD-Filz? Neuer Job für Brodkorb-Freund

Rostocker SPD-Mann Thoralf Sens wird Referatsleiter beim Bildungsminister / Kritik kommt aus anderen Parteien

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Der Minister und sein neuester Mitarbeiter: Mathias Brodkorb (rechts) holt Thoralf Sens ins Ministerium. Montage: Benjamin Barz

Stadtmitte/Schwerin. Pikante Personalie in der Landesregierung: Wenige Monate vor der Landtagswahl holt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) noch einen Rostocker Parteigenossen in sein Ministerium. Thoralf Sens (32), Diplom-Volkswirt und Bürgerschaftsmitglied der Rostocker Sozialdemokraten, wird Leiter eines neu zu schaffenden Referates für Hochschulsteuerung. Sens, der als verlängerter Arm Brodkorbs in der Stadtpolitik gilt, soll künftig die Finanzen der Universitäten und Hochschulen im Land kontrollieren. Sowohl die Opposition im Schweriner Landtag als auch Rostocker Politiker kritisieren die Personalie: Sie habe ein „Geschmäckle“.

Sens arbeitet bisher für eine Beraterfirma, die hauptsächlich für Städte, Gemeinden und Kreise in Finanz- und Haushaltsfragen aktiv ist. Das Bildungsministerium bestätigte OZ-Informationen, wonach Sens sich im Rennen um den neuen Job gegen 15 Mitbewerber durchgesetzt habe. Die Stelle des Referatsleiters ist nach Ausschreibung bis Besoldungsstufe A15 eingestuft, Grundgehalt: 5500 Euro. Gesucht wurde „eine Führungspersönlichkeit“ mit langjähriger Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung.

Der Rostocker Finanzexperte hatte in der Stadtpolitik vor allem in der Theater-Debatte von sich reden gemacht: Sens, der im Aufsichtsrat des Theaters sitzt, gilt als kühler Rechner. Er vertritt einen klaren Sparkurs – notfalls auch durch die Schließung von Sparten. Maßgeblich bestimmte er die kontroversen Debatten, nach denen Rostock sich gegenüber dem Land zu einer Umstrukturierung des Theaters und harten Sparvorgaben verpflichtete. Mehrfach hatte er öffentlich Intendant Sewan Latchinian attackiert – zuletzt, als der Theaterchef mehr Geld für seine Tätigkeit forderte. Sens wies Latchinian in die Schranken: Die Forderung sei angesichts der schlechten Zuschauerzahlen unter Latchinians Ägide unredlich.

Kritik an der Personalie des SPD-Genossen Sens kommt unter anderem von der Opposition im Landtag: „Nur 100 Tage vor der Landtagswahl hat so etwas immer ein Geschmäckle“, sagt Johannes Saalfeld (Grüne). Auch in der Rostocker Bürgerschaft sorgt die Nachricht vom neuen Job für Sens für Wirbel: „Ich schätze Thoralf Sens als kompetenten Kollegen in der Bürgerschaft, aber in Rückschau auf die Debatte um das Volkstheater hat das natürlich einen bitteren Beigeschmack: Es kann der Eindruck entstehen, dass sein Engagement für die Theaterreform nun von Minister Brodkorb ,belohnt’ wird“, sagt Rostocks CDU-Chef Daniel Peters. Und weiter: „Die SPD scheint mal wieder die ,Aktion Abendsonne’ zu betreiben und lässt auch Rostocker Genossen nicht im Stich.“

Linken-Chefin Eva-Maria Kröger schießt vor allem gegen den Minister: „Aus der Juso-Generation rund um Herrn Brodkorb haben es inzwischen mindestens fünf Leute auf gute Stellen in der Landesregierung geschafft. Den Hochschulen wünsche ich, dass es eine gute Entscheidung war.“ Brodkorb war bereits 2014 in die Kritik geraten, weil er lukrative Jobs in seinem Zuständigkeitsbereich an mehrere Partei-Freunde vergeben haben soll – teilweise sogar ohne Ausschreibung. Nachdem Brodkorbs Frau fast zeitgleich zu seinem Amtsantritt als Minister einen Job im ebenfalls SPD-geführten Finanzministerium bekommen hatte, war in Reihen der Opposition bereits vom „roten Filz“ in Schwerin die Rede.

Aus dem Umfeld Brodkorbs heißt es, mit der Personalie Sens habe der Minister nichts zu tun. Es habe bei der Ausschreibung der beste Kandidat gewonnen. Auch Sens selbst wehrt sich gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft: „Ich habe mich auf eine öffentliche Ausschreibung aus eigenem Antrieb beworben und freue mich, dass ich die Zusage bekommen habe“, sagte er der OZ. Und: „Um Interessen-Kollisionen zu vermeiden, werde ich mein Aufsichtsratsmandat im Volkstheater mit Beginn meiner Tätigkeit beenden. Spätestens zur nächsten Bürgerschaftssitzung.“

Brodkorb verteidigt die Personalie Sens. „Parteibücher dürfen bei einer solchen Entscheidung keine Rolle spielen.“ Mit Sens sei „der am besten geeignete Bewerber“ gewählt worden.

Frank Pubantz und Andreas Meyer

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