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„Schätze des Landes zu schade fürs Depot“

Stadtmitte „Schätze des Landes zu schade fürs Depot“

Bodendenkmalpfleger fordern Ende der Debatte um Archäologisches Museum – Rostock sei der beste Standort

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Carsten Schmoldt, Gründer der Initiative pro Archäologisches Landesmuseum zeigt die Karte einer bundesweiten Unterschriftensammlung.

Stadtmitte. Millionen archäologische Fundstücke lagern derzeit in Depots. Entdeckungen tausender Grabungen in Mecklenburg-Vorpommern sind bisher weder ausgewertet noch dokumentiert worden. „Unsere Landesgeschichte gehört nicht in Kisten verpackt, sondern gezeigt, erzählt und bestaunt“, fordert Carsten Schmoldt von der Initiative pro Archäologisches Landesmuseum (Ipal), die mit einer öffentlichen Veranstaltung am 13. August in Rostock erneut die Notwendigkeit eines Landesmuseums unterstreichen will.

 

OZ-Bild

Im ehemaligen Schifffahrtsmuseum könnten wertvolle archäologische Funde wie der Schmuck von Thürkow und der Kesselwagen von Peckatel (oben), die Stabdolche von Melz oder Funde des Handelsplatzes Reric (unten) gezeigt werden. Fotos (2) und Montage: Ove Arscholl

Quelle:

Seit 25 Jahren wird um einen Standort gestritten, jetzt muss Schluss sein mit Reden.“Carsten Schmoldt, Initiative Ipal

Mit dem Einzug des Landtages ins Schweriner Schloss 1992 ist das archäologische Landesmuseum dort ausgezogen. Seitdem gibt es keine eigene ständige Ausstellung mehr in MV. Teils spektakuläre Funde werden seitdem in Sonderausstellungen im In- und Ausland präsentiert. „Eine Schande“, schimpfen nicht nur die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, die die wertvolle Sammlung des Landes alljährlich noch um rund 1500 bis 2000 Funde erweitern.

„Seit 25 Jahren wird in der Landespolitik um einen Standort geschachert“, ärgert sich der Klützer Tierarzt Schmoldt, der schon viele Jahre lang in seiner Freizeit Schätze aufstöbert. Nun gebe es endlich ein unabhängiges Standortgutachten, vom Kultusministerium in Auftrag gegeben, das Rostock klar favorisiert – und Schwerin, Stralsund, Greifswald und fünf weitere Ort im Land für weniger geeignet hält (OZ berichtete am 24. Juni). „Jetzt muss auch mal Schluss sein mit der Debatte und das Projekt angepackt werden“, erklärt Schmoldt. Ein Museum habe nicht nur Ausstellungswert, „es muss sich auch rechnen“, weiß der Ipal-Gründer. „Es muss dort entstehen, wo viele Menschen erreicht werden. Und da spricht sich das Gutachten deutlich für Rostock aus.“

Als neue Heimstatt des Landesarchäologischen Museums hatte die Hansestadt dem Land das ehemalige Schifffahrtsmuseum in der August-Bebel-Straße 1 kostenlos angeboten. Die Gutachter der Beratungsagentur MuseoConsult aus Stuttgart hatten das Gebäude genau unter die Lupe genommen und für gut befunden. 1330 Quadratmeter Ausstellungsfläche stünden in den ersten beiden Etagen zur Verfügung. Im derzeit aus Brandschutzgründen gesperrten zweiten Obergeschoss könnten rund 400 Quadratmeter für museums-pädagogische Angebote und Tagungen genutzt werden. Instandsetzungs- und Sanierungskosten wurden mit rund 15 Millionen Euro beziffert.

„Das Museum funktioniert aber nur mit einem Erweiterungsbau“, hatte Gutachterin Ursula Dworak erklärt. Für weitere sechs Millionen Euro könnte gegenüber dem Altbau am Rosengarten ein Neubau für Sonderausstellungen, Shop und Café entstehen. Beide Museumsgebäude könnten mit einer Brücke oder einem Tunnel verbunden werden. Der künftige Leiter des Museums, Hans-Jörg Nüsse, Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Rostock, träumt von einem Tunnel: „Da können Ausgrabungsschätze viel authentischer ausgestellt werden.“

Die Vorstellungen sind schon recht konkret, die Argumente des Gutachtens überzeugend, und doch wird weiter gestritten. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hält am Standort Neustrelitz, in der Nähe seines Wahlkreises, fest. Die Junge Union Vorpommern-Rügen fordert die Museumsansiedlung in Vorpommern, und das möglichst in der ehemaligen Residenzstadt Putbus auf Rügen.

„Wir wollen endlich ein eigenes Museum“, spricht Schmoldt für die vielen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, die sich in Ipal für die Schaffung eines solchen einsetzen und dafür bundesweit schon mehr als 7600 Unterschriften zusammgetragen haben. Und die Zeichen stünden für Rostock.

Funde von weltweiter Bedeutung, wie der Kultwagen von Peckatel, die Stabdolche von Melz, das Horn von Wismar oder Fundstücke vom frühmittelalterlichen Handelsplatz Reric in Groß Strömkendorf, würden derzeit mit Erfolg im Ausland gezeigt. Rund 130 Leihgaben aus MV sind seit Oktober 2014 Publikumsmagnet im Moesgard Museum für Archäologie und Ethnologie im dänischen Aarhus. „Für fünf Jahre sind sie dort fest“, berichtet Schmoldt. Mit anderen sensationellen Schätzen, die in MV schon seit sehr, sehr langer Zeit nicht mehr gesehen wurden.

Am Sonnabend will Ipal nun ab 10 Uhr in der Aula der Universität die archäologische Schatzkammer des Landes einen winzigen Spalt öffnen. Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger und Experten verschiedener Institutionen werden einmalige Zeugnisse der Landesgeschichte vorstellen. „So hat der ambitionierte Taucher Dietmar Wulkau ein tolles Wikingerschwert in der Peene gefunden oder Mario Petznick über 4000 Jahre alte Stabdolche bei Malchin“, wirbt Schmoldt.

Experten präsentieren spektakuläre Funde

Die Initiative pro Archäologisches Landesmuseum (Ipal) lädt am Sonnabend, dem 13. August, zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Aula der Universität Rostock ein. Ab 10 Uhr gewähren Ehrenamtler und Experten von archäologischen Institutionen in Vorträgen einen Blick in ein Depot voller einmaliger Zeugnisse der Landesgeschichte. So spricht Prof. Frank Nikulka von der Archäologischen Gesellschaft über „Herausragende Funde unseres Landes – Im Depot“ und Taucher Dietmar Wulkau präsentiert Entdeckungen in Binnengewässern. In weiteren Vorträgen geht es unter anderem um das historische Erbe in der Ostsee und die Stabdolche von Malchin, die ältesten Metallwaffen Europas. Die Veranstaltung ist öffentlich, Eintritt ist frei. Ziel der Initiative ist es, aufzuzeigen, wie unverzichtbar ein Landesmuseum für Bürger und Gäste von MV ist.

• Info: www.ipal-mv.de

Doris Kesselring

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