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Schauspiel-Studenten proben den Aufstand

Östliche Altstadt Schauspiel-Studenten proben den Aufstand

Premiere von „Let Rome in Tiber melt“ / Kulturabbau spornt zum Kämpfen an

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Es war nie leicht für Schauspieler. Zweifel gehören dazu.David Czesienski und Holle Münster Regiekollektiv „Prinzip Gonzo“

Östliche Altstadt. Acht Schauspieler – eine Rebellion: Weil sie sich zurückgestellt und nicht genug beachtet fühlen, proben sie den Aufstand. Gegen niemand Geringeres als Antonius und Cleopatra – oder besser, deren Darsteller. Das Ganze klingt allerdings verworrener als es ist. „Wir nehmen in dem Stück das Publikum mit auf die Hinterbühne, dort, wo es sonst nicht hinkommt“, erzählt David Czesienski vom Regiekollektiv „Prinzip Gonzo“ aus Berlin.

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Premiere von „Let Rome in Tiber melt“ / Kulturabbau spornt zum Kämpfen an

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Gemeinsam mit seiner Kollegin Holle Münster inszeniert er an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater das Abschlussstück der Schauspielstudenten. „Let Rome in Tiber melt“ lautet der Titel dieser ungewöhnlichen Aufführung. „Die es so auch noch nie irgendwo gegeben hat“, betont der 32-Jährige, der erstmals für die HMT arbeitet. Mit den zehn Schauspielstudenten haben er und Münster sich an Shakespeares Werken „Julius Caesar“ und „Antonius und Cleopatra“ bedient. Beide Stücke verschmelzen (englisch: melt) miteinander. Wer die Geschichten aus dem alten Rom kenne, werde daher einige Dialoge wiederfinden, verspricht der Regisseur.

Alle Darsteller studieren das Fach Schauspiel derzeit im sechsten Semester. Sie sind als Ensemble zusammengewachsen, haben gemeinsam an den Szenen gefeilt, das Grundgerüst hatten jedoch Holle Münster und David Czesienski bereits im Kopf, als sie für ihr Gastspiel an die Ostseeküste kamen.

Die Proben und die anschließenden Aufführungen fallen in eine Zeit, in der Schauspieler in Rostock und in ganz Mecklenburg-Vorpommern um ihre Berufe an den Theatern bangen müssen und für ihre Sparte kämpfen, anstatt sich ausschließlich auf Stücke konzentrieren zu können. Solche Entwicklungen gehen auch an den HMT-Studenten nicht spurlos vorbei. „Aber ich finde, wir sollten jetzt erst recht weiter Schauspieler werden wollen, um dafür zu kämpfen, dass Theater im Land bestehen bleiben“, findet Rinaldo Steller. Der 25-Jährige stammt aus Leipzig, hat bereits am Jugendtheater gespielt und liebt die Schauspielerei, „weil ich Sachen machen darf, die ich sonst im normalen Leben nicht machen darf“. Er stellt sich mit seiner Klasse auch öffentlich gegen den Kulturabbau der Stadt, hat das Gefühl, dass die Bewohner den Ernst der Lage aber noch nicht richtig erkannt haben. „Wir müssen sie daher darauf aufmerksam machen“, sagt Steller, der sich für sich nichts anderes als die Schauspielerei vorstellen kann. „Nur wahrscheinlich nicht ausschließlich am Theater.“

In mehrere Richtungen gehen nach dem Studium, das ist auch der Plan von Lisa-Marie Fedkenheuer. Die 23-jährige Hamburgerin setzt sich nach eigener Aussage natürlich damit auseinander, was gerade mit dem Rostocker Schauspielhaus passiert. Von ihrem Traumberuf bringen sie Berichte über drohende Spartenschließungen, Stellenabbau und Kürzungen finanzieller Mittel aber nicht ab. Im Gegenteil. „Ich fühle mich noch mehr gefordert, mir zu überlegen, wie ich es später mache.“ Zum Beispiel wolle sie nicht nur als Schauspielerin arbeiten, sondern könne sich auch Dramaturgie und Regie vorstellen.

Eine Flexibilität, die Schauspieler brauchen, ergänzt Regisseur David Czesienski, der die Sechstsemester als „überdurchschnittlich talentierten Jahrgang“ beschreibt.

Aufführungen: 21. und 22. April, 9. und 10. Juni, je 19.30 Uhr, Katharinensaal HMT. Karten 11,50 Euro (erm. 6 Euro).

Noch immer auf Diplom

Das Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock wird noch mit einem Diplom abgeschlossen – im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen, die mit einem Bachelor und Master enden.

Zehn Studenten werden pro Jahrgang zum Schauspielstudium an der Rostocker HMT zugelassen. Sie alle sollen im Laufe der Semester zu einem Schauspielensemble zusammenwachsen. Auf Vielfalt der Charaktere und Ausgewogenheit zwischen Frauen und Männern wird dabei im Vorfeld geachtet.

Claudia Tupeit

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