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Schnaken-Alarm auf dem Sportplatz

KÜHLUNGSBORN Schnaken-Alarm auf dem Sportplatz

Schnaken-Larven fressen die Graswurzeln auf / Jetzt sollen Würmer zur biologischen „Waffe“ werden

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So sieht die Wiesenschnake (Tipula paludosa) aus.

Quelle: Holger Gröschl

Kühlungsborn. Als Gerold Habel, der Platzwart auf dem Sportplatz Ost, vor vier Wochen seinen Rasen inspizierte, traute er seinen Augen nicht: Überall große, gelbe Stellen, die anfingen, ins Bräunliche überzugehen. Der Rasen begann abzusterben. Habel war – krankheitsbedingt – für eine Zeit nicht auf dem Sportplatz gewesen. Bauhof-Chef Andreas Wegener hatte ihn alarmiert: „Komm bloß schnell her und schau dir das an!“. Gefahr war im Verzug.

 

OZ-Bild

Kahle Stellen in Kühlungsborns Fußballrasen. Ein Drittel des Platzes, auf dem schon Bundesligisten und die Nationalmannschaft spielten, ist befallen. Platzwart Habel hat Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Quelle: Lutz Werner

Denn der super gepflegte Fußballrasen für die Landesliga-Kicker vom FSV Kühlungsborn auf dem Sportplatz Ost ist nicht nur Habels ganzer Stolz. Die bundesligataugliche Spielfläche ist seit vielen Jahren zu einem touristischen Marketing-Faktor für das Ostseebad geworden. Bundesliga-Clubs wie Bayern München, Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg haben dort schon trainiert und Vorbereitungsspiele absolviert. Sogar die Nationalmannschaft und der U21-Nachwuchs waren zum Trainingslager da. Weil in Kühlungsborn das Paket stimmt: Schöne Hotels, Strand, Meer und eben der super Rasen. Was in den Regionen, aus denen die Kicker kamen, zu positiver Berichterstattung über Kühlungsborn führte.

Rasen-Profi Habel konsultierte sofort einen ausgewiesenen Fachmann, den er schon länger kennt – Greenkeeper Matthias Eichner vom Bundesligisten RB Leipzig. Schnell war klar: Der Übeltäter ist die Wiesenschnake (Tipula paludosa), eine bis zu 2,5 Zentimeter große Mückenart. Die Weibchen legen im Herbst ihre Eier in den Rasen. Daraus entwickeln sich schnell kleine Larven, die dann bis in 60 Zentimeter Tiefe abtauchen, um den Winter zu überstehen. Im kommenden Sommer kommen sie wieder hoch und fressen sich an Rasenwurzeln satt, bevor sie im September schlüpfen und als Mücken wieder Eier legen. Habel hatte es mit massenhaft gefräßigen Wiesenschnaken-Larven zu tun. Was jetzt?

Bekämpfung mit Chemie bringt nicht viel. Aber es gibt eine biologische „Waffe“: Nematoden – Fadenwürmer –, die sich mit großem Appetit in die fetten, bis zu mehr als vier Zentimeter großen Schnaken-Larven bohren und sie mit Behagen auffressen. Er bestellte Nematodenbrut, die als Pulver geliefert wird und im September – wenn die Larven kurz vor dem Verpuppen sind – zweimal hintereinander, aufgelöst in Wasser, ausgespritzt werden. Inzwischen hat Habel Kaluim-Dünger ausgebracht. Er soll angefressene Rasen-Wurzeln, die noch nicht ganz hinüber sind, stabilisieren. Rund ein Drittel der 7000 Quadratmeter großen Spielfläche ist von den Schnaken-Larven befallen. 2000 Euro kostet die Nematodenbrut. „Gut investiertes Geld. Denn hätten wir nicht gehandelt, hätten wir im kommenden Frühjahr umpflügen und neu ansäen müssen. Das wäre sehr viel teurer geworden“, so Habel. Nach seinen Informationen haben 80 Prozent der Fußballplätze in MV mit Schnaken-Larven zu kämpfen.

„Mal ist der Befall größer, mal kleiner“, so Habel. Besonders nach sehr milden Wintern – wie dem vergangenen – treten sie im folgenden Sommer massenhaft auf.

Henryk Gloger, Chef-Greenkeper auf der Golf-Anlage im nahen Wittenbeck, kennt das Problem auch. „Wir hatten kleinere gelbe Stellen auch schon auf den Grüns. Aber nie massenhaften Befall. Niemand weiß, warum die Schnaken Fußballrasen so mögen“, sagt er. Auch Gloger hat schon erfolgreich mit Nematoden gearbeitet. Der FSV hätte Sonntag zum Auftakt der Saison ein Heimspiel gegen den PSV Ribnitz-Damgarten gehabt, spielt aber nun zunächst auswärts. Es folgt ein geplantes Auswärtsspiel. Danach, so hofft Habel, wird der Rasen nach der Kalium-Dünger-Spritze wieder kräftig genug für die Kicker sein.

Fadenwürmer sollen Schnaken-Larven fressen

Die Wiesenschnake (Tipula paludosa) ist eine relativ große Mückenart. Die Weibchen werden bis zu 2,5 Zentimeter lang. Sie legen im Herbst ihre Eier in Rasenflächen ab, die zunächst kleinen Larven überwintern im Boden. Im kommenden Sommer werden sie aktiv und fressen sich an Graswurzeln satt, bevor aus den später verpuppten Larven im frühen Herbst neue Schnaken schlüpfen.

Fadenwürmer (Nematoden) sind ein sehr artenreicher Stamm des Tierreichs. Bislang wurden mehr als 20000 verschiedene Arten beschrieben. Bestimmte Arten werden zur biologischen Bekämpfung von allerlei Schädlingen eingesetzt – wie auch gegen Schnaken-Larven. Die parasitären Würmer dringen in den schädlichen Wirt ein, vermehren sich dort und fressen ihn auf.

Lutz Werner

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