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Schorler – ein Rostock-Roman

800 JAHRE ROSTOCK - DER OZ-FORTSETZUNGSROMAN Schorler – ein Rostock-Roman

Start des großen, historischen OZ-Fortsetzungsromans – Heute Teil 1: „Ein freudiges Ereignis“

800 Jahre Rostock - zu diesem besonderen Anlass erscheint im Verlag Redieck & Schade ein ganz besonderes Buch: „Schorler. Ein Rostock-Roman“ von Hanns Rainer Perten und Gerda Strehlow. Ein Werk über den berühmten Sohn der Stadt, aus der Zeit des Mittelalters. Voller fantastischer Entwicklungen,

 

OZ-Bild

„Schorler. Ein Rostock-Roman“: Das Buch erscheint am 22. Juni und wird im Rahmen einer Premiere von den Autoren im OZ-Medienhaus vorgestellt (ab 18 Uhr). Der Roman hat 504 Seiten und ist für 19,90 Euro erhältlich.

Quelle:

Geschichten und Traditionen. Die OZ druckt exklusive Auszüge in elf Teilen als Fortsetzungsroman.

S o wie das alte Jahr sich verabschiedete, begann das Jahr 1560. Ununterbrochen schneite es. Ein eisiger Sturm, vor dem sich die Rostocker im Schutz der Häuser, Buden und Keller verbargen, fegte von der Warnow über die Stadt. Die Glocke von Sankt Marien kündigte die fünfte Stunde des Neujahrsmorgens an. Aufgeregtes Treiben herrschte im Hause des Kaufmanns Frederic Schröder. Tochter Linde lag auf ihrem Bett in der von Kerzen spärlich erleuchteten Schlafkammer. Während sich ihr Ehemann im Kontor vergrub, ohne dass ihm die Durchsicht von Rechnungen gelang, durchschritt Schröder unruhig die Diele von einer Ecke zur anderen und konnte die Geburt des Enkelkindes kaum erwarten. Neben Lindes Bett saßen auf Hockern die Kinderfrau der Schorlers, Tilsche Broke, und die dreißigjährige rotblonde Hedik Holthusen, Ehefrau von Lindes Vetter Johannis Wieden.

Plötzlich bäumte sich der prall gerundete Leib Lindes auf und zuckte heftig. Die Wehen verstärken sich, bemerkte Hedik, Mutter zweier Kinder. „Der Herrgott gebe, dass alles für Mutter und Kind gut ausgeht!“, flüsterte sie, bekreuzigte sich, stürzte aufgeregt die Treppe hinunter, huschte in der Diele an dem sie fragend anblickenden Schröder vorbei zu Lindes Ehemann ins Kontor und rief: „Es geht los! Schafft die Butesche her.“ Andrees weckte den Knecht und beauftragte ihn, rasch die Hebamme zu holen, die bereits die Geburt der Kinder Elsa und Hans begleitet hatte.

W iderwillig warf Luten sich in das Schneetreiben. Während dessen wies Hedik die Köchin Stienken Hoppe an, heißes Wasser bereit zu stellen, für saubere Tücher zu sorgen und begab sich zurück in die Kammer. Linde stöhnte und wand sich vor Schmerzen. Tilsche kühlte mit einem feuchten Wickel die Stirn der Herrin. Nach kurzer Zeit traf die Bute, die nur wenige Häuser entfernt in der Kleinen Mönchenstraße wohnte, ein. Die Hebamme, eine etwa vierzigjährige Frau, die kaum etwas aus dem Gleichgewicht brachte, besaß in der Stadt als Geburtshelferin den besten Ruf. Ihrer Profession hatte sie ein Opfer gebracht. Um während des Geburtsvorganges tiefer in den Leib der Gebärenden greifen zu können, hatte sie sich von Stadtphysicus Matthäus Bendler den Daumen der rechten Hand abnehmen lassen. „Ein Sauwetter!“, schimpfte die Hebamme, klopfte den Schnee von ihrer Kleidung und der Tasche mit Gerätschaften, die sie, wenn erforderlich, bei Geburtsvorgängen einsetzte. „Heuer treibt man keinen Christenmenschen auf die Straße hinaus, aber wenn so ein kleines Wurm darauf besteht, das Licht der Welt zu erblicken ...“

U nd sie eilte in die Schlafkammer. „Geduld, Geduld, Kindchen. Nur keine Eile!“, beschwichtigend legte die Hebamme ihre Hand auf Lindes feuchte Stirn.

Mit prüfendem Blick und geschickten Handgriffen verschaffte sie sich einen Überblick über den Zustand der Gebärenden und verkündete: „Der Muttermund ist geöffnet, das Köpfchen zu ertasten.“ Von jetzt an ging alles rasch. „Pressen, Kindchen! Pressen!“, befahl die Bute. Mit von Schmerzen verzerrtem Gesicht kam Linde der Aufforderung nach. „Kräftiger, Kindchen!“ Flink ergriff die Hebamme den sich aus der Gebärmutter herauswindenden Kopf und zog das zarte Wesen, das schrill zu schreien anfing, in diese Welt hinüber. Sie hielt das Neugeborene hoch und rief freudig aus: „Ein Junge. Es ist ein Junge.“

OZ

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