Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Schüler erforschen Erdatmosphäre

Gartenstadt Schüler erforschen Erdatmosphäre

Christophorusschule lässt für den Wettbewerb „StratoSat“ einen Ballon 30 Kilometer hoch steigen

Voriger Artikel
Polizeigroßeinsatz wegen rechter Hasskommentare
Nächster Artikel
Badeunfall: 13-Jährige weiter in kritischem Zustand

Der noch nicht aufgepumpte Ballon muss sozusagen mit Samthandschuhen angefasst werden, da seine Hülle extrem empfindlich ist. Er soll in die Stratosphäre eine Sonde befördern, die danach wieder sicher zur Erde zurückkehren muss.

Quelle: Foto: Cosima Engel

Gartenstadt. Von wegen Wissenschaft zum Anfassen: Ganz vorsichtig, mit weißen Schutzhandschuhen, breiten die Schüler der 11. Klasse der Rostocker Christophorusschule den Heliumballon im Physikraum aus. Bei der kleinsten Berührung mit der Haut oder mit einem spitzem Gegenstand könnte der Ballon reißen. Doch er wird noch gebraucht: Bei einem bundesweiten Schülerwettbewerb soll er eine selbstgebaute Sonde in den Himmel steigen lassen.

Acht Schüler der Oberstufe hatten sich dafür zur Gruppe „Leskeburk“ zusammengefunden. Vor einem Jahr starteten sie ihr Projekt zum Thema Messungen in der Atmosphäre. Damit will die Gruppe an dem Schülerwettbewerb „StratoSat“ der Ludwig-Maximilians-Universität München teilnehmen. Mit Hilfe eines Stratosphärenballons soll eine Sonde, die von den Schülern selbst entwickelt, gebaut und getestet wurde, in eine Höhe von 30 Kilometern gebracht werden. Dort platzt der Ballon und die Sonde kehrt mit dem Fallschirm zum Boden zurück.

Während ihres Auf- und Abstiegs führt die Sonde Messungen zur Erforschung der Atmosphäre und zur Fernerkundung der Erdoberfläche durch. Dabei werden, ganz wie bei einer echten Weltraummission, verschiedene Phasen durchlaufen: von der Planung und der Konstruktion der Sonde bis hin zur Durchführung und Auswertung der Mission.

„Wir haben uns in Arbeitsgruppen unterteilt“, erzählt Sebastian Schröder, der bei dem Projekt mitmacht. Es gab eine Gruppe, bestehend aus Teo Mayer, Max Phillip und Oskar Thierbach, die für den Bau der Sonde zuständig war. Die Software-Entwickler Carl Pommerencke und Sebastian programmierten einen Minicomputer, um die Messergebnisse zu speichern. Für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Paula Fichtner zuständig. Sie reichte auch den Antrag zur Startgenehmigung für den Ballon beim Ministerium ein. Die Auswertungsgruppe, Josh Meister und Roman Klopsch, hatte bisher noch nicht viel zutun.

Begleitet werden die acht Schüler von ihrem Physiklehrer Thomas Hollmann. Einen Großteil der Materialien bekam die Gruppe von den Veranstaltern des Wettbewerbs gestellt. Unterstützung fanden sie auch in der Uni Rostock und im Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn.

Um die Sonde wiederzufinden, nachdem sie zur Oberfläche zurückgekehrt ist, bauten die Schüler zwei GPS-Sensoren ein. Falls diese ausfallen, soll ein Peilsender helfen, sie zu finden. Die Sonde entwickelte und baute das Team mit Hilfe eines 3D-Druckers. Wenn das Wetter mitspielt, soll der Stratosphärenballon am 12. Juli beim Kühlungsborner Institut starten. „Insgesamt wird er etwa drei Stunden unterwegs sein“, sagt Max.

Für den Wettbewerb musste auch noch ein zweites Thema gewählt werden. „Leskeburk“ entschied sich für die Erforschung von Vertikalwinden, also steigende und fallende Winde, die für die Bildung von Unwettern und auch für die Luftfahrt sehr wichtig sind. „Es war eine Herausforderung, ein Thema zu finden, das messbar ist, aber gleichzeitig noch recht unerforscht“, erklärt Max.

Der Name „Leskeburk“ stammt übrigens aus dem Schwedischen und heißt übersetzt Getränkedose. „Wir haben uns für den Namen entschieden, da unser Herzstück, die Sonde, aussieht wie eine Getränkedose“, erklärt Max. Mit viel Freude beschäftigen sich die Schüler jeden Freitagnachmittag mit dem Projekt. Paula ist der Meinung: „Egal was man macht, Spaß ist immer vorprogrammiert in so einem gut eingespielten Team.“

Doch manchmal treten auch Probleme während einer solchen Mission auf. Am schwierigsten sei das Zusammenbringen der Ergebnisse der einzelnen Teams gewesen, berichtet Carl. So hätten sie auch gelernt, dass Kommunikation wichtiger ist, als sie gedacht hatten. „Wir starteten bei der Mission von null auf hundert durch und halten das jetzt schon ein Jahr lang durch“, sagt Josh. Ein weiteres Problem ist die noch immer ausstehende Genehmigung des Ministeriums. „Es ist nicht so einfach, einen Ballon in MV steigen zu lassen“, sagt Lehrer Hollmann.

Nach dem Experiment treffen sich alle Gruppen im Oktober/November zu einem Abschluss-Symposium in München. Dabei müssen die Teilnehmer ihre Mission sowie deren Ergebnisse vor den anderen Teams und einer Jury präsentieren. Einen Preis gibt es nicht: „Bei uns steht die Erfahrung im Vordergrund“, betont Max.

Weit über den Wolken

50 Kilometer über der Erde endet die Stratosphäre, die zweite Schicht der Erdatmosphäre. Die unterste Schicht ist die Troposphäre, die 8 bis 18 Kilometer hoch reicht. Es folgt die Mesosphäre (bis etwa 85 Kilometer Höhe), die Thermosphäre (je nach Definition bis 400 oder 1000 Kilometer) und schließlich die Exosphäre, die in 10000 Kilometern Höhe ins offene All übergeht. Die Grenze zwischen Atmosphäre und All wird allerdings technisch bei etwa 100 Kilometern Höhe, der sogenannten Kármán-Linie gezogen. Sie definiert die Einteilung in Luft- und Raumfahrt. Die deutsche V2-Rakete im Zweiten Weltkrieg war der erste Flugkörper, der diese Grenze durchbrach.

Wetterballons erreichen normalerweise

Höhen bis 38 Kilometer. Der Rekord liegt bei etwa 50 Kilometern.

Cosima Engel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Porträt
Beim Europa-Wahlkampfauftakt der CDU spricht Altkanzler Helmut Kohl im Mai 2004 in der Messehalle Saarbrücken.

Niemand führte das Land und die CDU bisher länger als Helmut Kohl. Und er nutzte als Kanzler die einmalige Chance zur Wiedervereinigung. Doch es gab auch dunkle Seiten in seinem Leben.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Auf Genussreise durch Vorpommern

Die 2. Messe mit regionalen Produkten bot Gaumenfreuden pur