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Schulbusfahrer brauchen starke Nerven

DUMMERSTORF/SANITZ Schulbusfahrer brauchen starke Nerven

Unterwegs mit Thorsten Berger / Rebus befördert täglich 12500 Schüler zu mehr als 60 Schulen im Landkreis

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Pünktliche Ankunft am Gymnasium in Sanitz. Schüler verlassen den Bus und schaffen den Schulbeginn um 7.50 Uhr.

Quelle: Doris Kesselring

Dummerstorf. Früh um 4.30 Uhr klingelt der Wecker bei Thorsten Berger. Der 34-Jährige ist Busfahrer, heute beginnt seine Schicht um 5.55 Uhr am Busbahnhof in Rostock. „Ich starte gern in Ruhe“, sagt Berger, steigt vom Rad, holt seine Fahrerkarte und geht zum Bus. Diesmal ist es der „rote Sparkassenbus“, mit dem er gleich die Schüler zum Unterricht in Dummerstorf und Sanitz bringen wird. Zuvor umrundet Berger das Fahrzeug: Motorhaube hoch, „alle Flüssigkeiten drauf“, sagt er, „Reifen haben genug Luft“. Beleuchtung, Bremsen prüfen, keine äußeren Schäden.

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Unterwegs mit Thorsten Berger / Rebus befördert täglich 12500 Schüler zu mehr als 60 Schulen im Landkreis

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Schulbusfahrer müssen nicht nur sehr früh aufstehen, sie brauchen auch gute Nerven und viel Geduld.“ Simone Zabel, Chefin

Seit vier Jahren lenkt Berger bei Rebus, der Regionalbus Rostock GmbH, Busse. Immer auf verschiedenen Strecken, wobei ihm die langen die liebsten sind, „nach Rerik oder Kühlungsborn“. Auf 82 Regional- und sechs Stadtlinien sind die insgesamt 142 Fahrzeuge von Rebus unterwegs. Dabei legen die Busse etwa 7,5 Millionen Fahrplankilometer im Jahr zurück.

Thorsten Berger wird nach rund drei Stunden 96 Kilometer auf der Uhr haben. Er setzt den zwölf Meter langen Bus in Bewegung. Das fasziniere ihn, das lange Fahrzeug gut um enge Ecken und Kurven zu lenken, sagt er. Es ist kurz nach 6 Uhr, nur wenige Fahrgäste steigen in Rostock am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und am Steintor zu, sie wollen zur Arbeit, steigen in Kessin und Waldeck wieder aus.

Der rote Bus fährt über die Dörfer, schlängelt sich durch schmale Alleen. 6.56 Uhr in Göldenitz steigen die ersten Schüler ein, kurz danach die nächsten in Schlage und Pankelow. Die meisten grüßen kurz: „Morgen“ oder „Hi“, dann fallen sie in die Sitze, spielen mit den Handys oder hören Musik. „Ja, morgens sind sie noch müde, nachmittags sind sie schon sehr viel lauter drauf“, sagt Berger.

Rebus ist für den gesamten Schüler- und Ausbildungsverkehr im Landkreis Rostock zuständig. Täglich werden 12500 Schüler zu mehr als 60 verschiedenen Schulen befördert und rund 1500 Haltestellen angefahren. „Schulbusfahrer müssen nicht nur sehr früh aufstehen, sie brauchen auch gute Nerven und viel Geduld“, sagt Rebus-Geschäftsführerin Simone Zabel. Vor allem nach Schulschluss ginge es in den Bussen etwas lauter und wuselig zu. „Da ist ein verbindlicher und verständnisvoller Umgang mit den jungen Fahrgästen wichtig“, betont die Chefin.

Von den 250 Mitarbeitern des Unternehmens sind 154 Buskraftfahrer. In den nächsten Jahren werden viele ältere Kollegen ausscheiden, junge Fachkräfte werden daher dringend gesucht. „Busfahrer ist ein anstrengender Job, aber auch extrem verantwortungsvoll und abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere“, erklärt Simone Zabel. „Wir wollen jetzt in einer Imagekampagne für das vielseitige Berufsbild des Busfahrers werben. Das ist auf jeden Fall ein krisensicherer Job mit Perspektive.“

Thorsten Berger ist mit Leidenschaft Busfahrer. Ein Seiteneinsteiger, der als Student der Informatik und Elektrotechnik „nicht glücklich“ wurde. Der Wechsel auf den Bus, der Kontakt mit vielen Menschen – „das gefällt mir, macht einfach Spaß“, sagt er. Es ist 7.06 Uhr, an der Regionalschule in Dummerstorf leert sich der Bus. Auf zur nächsten Runde. Jetzt steigen die Gymnasiasten zu. Meta Johanna Voß und Julie Löbel wollen nach Sanitz. Etwa 45 Minuten sind die 15-Jährigen morgens unterwegs. Sie nehmen den zweiten Bus zum Gymnasium, „der ist nicht so voll“, sagen die Schülerinnen. Über Kavelstorf, Gubkow, Niekrenz füllen sich die 49 Plätze im Bus. 7.44 Uhr hält Berger am Gymnasium, sechs Minuten später ist Schulbeginn.

An der Tankstelle in Sanitz macht der Fahrer eine kurze Frühstückspause, dann ist Streckenwechsel, Linie 112 zurück zum Hauptbahnhof Rostock. Über Dän-

schenburg und Gresenhorst – keine Fahrgäste. „Hier steigen selten welche zu, aber es gibt das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs für die entlegenen Dörfer“, sagt Berger. In Völkshagen, Thulendorf, Hohenfelde und Broderstorf steigen dann doch noch Fahrgäste zu. 9.10 Uhr erreicht der rote Bus den Hauptbahnhof. Mit viereinhalb Minuten Verspätung. „Geschlossene Schranken, Stau, Verkehrsunfälle – da lässt sich der Fahrplan nicht immer genau einhalten“, sagt Thorsten Berger.

Für ihn ist nun der erste Teil der Schicht vorbei. Ab Mittag geht es weiter, wieder Linienfahrt, Richtung Broderstorf. Zwölfeinhalb Stunden dauert seine Schicht an diesem Tag, davon siebeneinhalb Stunden Lenkzeit. Lange Arbeitszeiten mit mehreren Pausen dazwischen – das schrecke sicher manchen ab, sich beruflich hinters Lenkrad eines Busses zu setzen. Doch Berger hat noch keine Familie, Zeit fürs Hobby Bowling bleibe auch und die „Gelegenheitsverkehre“ – Schüler zu Klassenfahrten begleiten oder mit Kreuzfahrern eine Stadtrundfahrt unternehmen – bringen Abwechslung.

Rebus – Verbund aus vier Verkehrsunternehmen

Am 23. Juli 2013 entstand durch die Bildung des neuen Landkreises Rostock die Rebus Regionalbus Rostock GmbH als Zusammenschluss der vier Verkehrsunternehmen Küstenbus, Omnibusverkehrsgesellschaft Güstrow, Hameister Personenverkehr und Regionalverkehr Küste. Rebus ist für den öffentlichen Personennahverkehr und den gesamten Schüler- und Ausbildungsverkehr im Landkreis zuständig. Im ländlichen Raum wird auch Anruf-Linienverkehr angeboten. Die Hälfte des Fuhrparks mit 142 Fahrzeugen ist barrierefrei, weitere Busse folgen in den nächsten Jahren. Von den 1500 Haltestellen sind nur etwa ein Drittel barrierefrei, nach europäischen Auflagen sollen Kommunen diese Hürden bis 2022 abbauen.

Doris Kesselring

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