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Schweinebraten zum Start: Neue Suppenküche eröffnet

Südstadt Schweinebraten zum Start: Neue Suppenküche eröffnet

Nach 929 Tagen in Provisorien gibt es jetzt eine feste Bleibe in der Südstadt

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Enrico Brümmer (40) ist Koch in der neuen Suppenküche des Vereins Wohltat in der Südstadt. Das vegetarische Chili war allerdings nicht für Bedürftige, sondern für die Gäste der Eröffnungsfeier gedacht.

Quelle: Foto: Axel Büssem

Südstadt. „Es war nicht immer witzig.“ So fasste Babette Limp- Schelling, Geschäftsführerin des Vereins Wohltat, die letzten 929 Tage zusammen. Das dürfte gestern die Untertreibung des Tages gewesen sein: Nach einer Odyssee und einem harten Kampf um eine feste Bleibe bezog die Suppenküche ihre neuen Räume in der Südstadt.

Limp-Schelling erinnerte an die Widrigkeiten der letzten zweieinhalb Jahre: „Wir mussten jeden Tag in der Teeküche Kartoffeln schälen.“ Gekocht wurde zuletzt in einer Showküche des Roggentiner Unternehmens Transgourmet. Die lagerte auch die Kücheneinrichtung ein – kostenlos. „Wir fuhren tagelang durch die Stadt und haben passende Objekte gesucht“, sagte Limp-Schelling.

Am Ende fand sich dann tatsächlich noch etwas: Gewerberäume des stadteigenen Immobilienbetriebs KOE, in denen ein Waschsalon untergebracht war, wurden frei und für die Suppenküche hergerichtet.

720000 Euro kostete das. „Es ist zwar nicht unser größtes, aber sicher eins der emotionalsten Objekte, das wir je hatten“, sagte KOE-Betriebsleiterin Sigrid Hecht und würdigte die Improvisationsfähigkeit des Vereins: Er habe unter unmöglichen Bedingungen über 900 Tage lang jeden Tag 180 Mahlzeiten für andere gekocht, weil die Finanzierung nicht früher geklärt werden konnte.

Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) konnte sich Zynismus nicht verkneifen: „Es war eine prägende Erfahrung, zu sehen, welche Widerstände man überwinden muss, um eine neue Suppenküche zu bauen.“

Diese biete nicht nur warme Mahlzeiten, sondern auch soziale Kontakte für die Bedürftigen, sowie Arbeitsplätze für die acht Mitarbeiter des Vereins. Einer von ihnen ist Koch Enrico Brümmer. Der 40-Jährige kochte zum Auftakt vegetarisches Chili für die Festgäste und Schweinebraten für die inzwischen knapp 200 Empfänger. „Auf dem Speiseplan steht vor allem deutsche Hausmannskost wie Hühnerfrikassee, Buletten oder Eintöpfe.“

Verzichten müssen die Bedürftigen allerdings auf krosse Gerichte wie paniertes Schnitzel oder Pommes frites, denn die würden beim Ausliefern ihre Knusprigkeit verlieren. Suppe gibt es übrigens in der Suppenküche nur etwa einmal pro Woche.

Nach all den Mühen und Strapazen hatte Limp-Schelling eine lange Liste mit Danksagungen abzuarbeiten. Im Festzelt stapelten sich die Schokoladen- und Blumengeschenke. Der erste Dank ging an die Mitarbeiter: „Ohne sie hätten wir es nicht geschafft“, betonte die Vereinschefin.

Schokolade oder Blumen gab es auch für den Vermieter des Vereins, der geduldet hatte, dass in der für alle Mieter des Gebäudes zugänglichen Teeküche tonnenweise Kartoffeln geschält wurden. Auch die Firma Transgourmet erhielt ein dickes Dankeschön für das Einlagern der Geräte und das Überlassen der Showküche. Ein anderes Unternehmen hatte dem Verein kostenlos einen professionellen Küchenplan erstellt, der für Großküchen nötig ist. Und die Strandfußballer der Rostocker Robben stifteten eine riesige Brat- und Schmorpfanne für die Küche.

Axel Büssem

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