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Sexfilme sind Alltag für Jugendliche

Porno-Star in Warnemünde: Sexfilme sind Alltag für Jugendliche

Kinder machen schon im vorpubertären Alter Erfahrungen mit pornographischen Inhalten. Das würde ihre sexuelle Entwicklung aber kaum beeinflussen, sagen Sexualwissenschaftler und Pädagogen. Ein langjähriger Pornodarsteller sieht das anders.

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Pornodarsteller Jerome Schmoll macht Urlaub in Warnemünde.

Quelle: Salenko, Alexander

Rostock. Jérôme Schmoll ist gern an der Ostsee. Jedes Jahr verbringt der 34-Jährige seinen Urlaub in Warnemünde. Der gebürtige Berliner wird hier vor allem am FKK-Strand öfters erkannt. Die Leute gucken ihn heimlich an und tuscheln untereinander bis einer sich traut, ihn anzusprechen: „Du spielst doch in Pornos, oder?“ Unter dem Künstlernamen Jason Steel steht Schmoll seit 16 Jahren nackt vor der Kamera. Als er 18 gewesen sei, habe ihm die damalige Ex-Freundin den ersten Job verschafft. Seine Entscheidung bereut Schmoll nicht. Doch wer heute in so einem jungen Alter ins Pornogeschäft einsteige, habe ganz andere Vorstellungen als er damals.

Heute wüssten Jugendliche definitiv, was Pornos sind und wo man sie kostenlos beschaffen könne, erzählt Schmoll. „Im Internet bekommst du alles umsonst. Du musst nur bestimmte Wörter bei Google eingeben. Dir kommen da Dinge entgegen, die ich in meiner Jugend nicht gesehen habe“, erzählt der Pornodarsteller. Auch am Strand von Warnemünde habe er schon 14-jährige Jungs getroffen, die sich über ihre bevorzugten Pornoseiten unterhaltet hätten. Der freie Zugang zu pornographischen Inhalten sei maßgeblich daran beteiligt, dass bei Jugendlichen das Bild von der Sexualität verfälscht werde. „Die jungen Darsteller sind heute viel versauter, als ich damals. Ich frage mich oft, ob die noch ein gesundes Verhältnis zur Sexualität und richtiger Liebe haben“

Tom Scheel vom Centrum für Sexuelle Gesundheit Rostock bestätigt, dass Jugendliche vor allem im Internet sehr häufig mit pornographischen Inhalten in Berührung kommen. Der Sexualpädagoge ist oft an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs und hilft Kindern und Jugendlichen offen über Sexualität zu sprechen. Einige Kinder würden noch vor der Pubertät damit konfrontiert, erzählt er. Diesen Eindruck hat auch die Rostocker Pädagogin Katharina Zillmer: „Einige Kinder kommen mit pornographischen Inhalten schon in der Grundschule in Kontakt. Entweder weil sie im Internet gesurft haben oder weil Mitschüler ihnen etwas auf dem Handy zeigten.“ Erwachsenensexualität sei etwas total Interessantes für Kinder und Jugendliche, so Zillmer. Besonders die Jungen reagieren neugierig und entspannt auf pornographische Inhalte.

Die Sexualforscher Gunter Schmidt und Silja Matthiesen fassen im wissenschaftlichen Aufsatz „Internet-Pornografie. Jugendsexualität zwischen Fakten und Fiktionen“ die Ergebnisse mehrerer entsprechender Studien zusammen. Laut Schmidt und Matthiesen schaut ein Drittel männlicher Jugendlicher regelmäßig Pornos. Bei jungen Frauen sei der Konsum viel weniger verbreitet. Sie finden pornographische Inhalte selten erregend, haben aber allgemein eine liberale Einstellung zu Sexfilmen. Auch den Pornokonsum ihres Partners sehen junge Frauen in der Regel gelassen, ganz im Gegensatz zum „Fremdküssen“ oder „Fremdknutschen“.

Schmidt und Matthiesen kommen zum Ergebnis, dass Jugendliche gut zwischen Pornographie und Alltagssexualität unterscheiden können. Die hohe Präsenz und Verfügbarkeit der Pornographie führe zu ihrer Veralltäglichung aber nicht zu einer Verwahrlosung und Verrohung von Jugendlichen. Tom Scheel sieht es ähnlich: „Sie wissen, dass mehr dazu gehört, als sich zwei Minuten anzusehen und über einander herzufallen.“ Auch sei Jugendlichen zumeist bewusst, dass körperliche Attribute in den Pornofilmen nicht der Realität entsprechen.

Und doch können pornographische Inhalte vor allem im jungen Alter irritieren. Zillmer erzählt, dass ein 11-jähriger Schüler sie einmal ganz ernst gefragt habe, ob denn die Frau tatsächlich den Penis in den Mund nehmen müsse. „Als Erwachsene sind wir bei solchen eindeutig Porno-initiierten Fragen geschockt. Aber die Fragen zeigen, dass die Schüler sich mit den Inhalten kritisch auseinandersetzen.“ Katharina Zillmer ist sich sicher, dass Pornographie das sexuelle Verhalten von Jugendlichen nicht beeinflussen kann: „Das wäre ganz schön gruselig wenn das Medium dazu in der Lage wäre, die Sexualität zu prägen.“ Die entscheidenden Werte würden durch die soziale Umgebung, Eltern und Freunde vermittelt, Pornographie könne da nur vorhandene Tendenzen verstärken. „Wenn schon in der Familie der Vater die Mutter unterdrückt, ist es für das Kind Alltag. Pornographie kann in diesem Zusammenhang nur als Bestätigung funktionieren.“

Pornokonsum sei bei Kindern und Jugendlichen aller gesellschaftlichen Schichten ein Thema, so Zillmer. Unterschiede könnten sich nur durch eingeschränkte Internet-Bandbreite ergeben, schmunzelt sie. Es sei schlicht unmöglich, den Konsum von Pornos zu verbieten. Deswegen fordert die Pädagogin Pornokompetenz für Kinder und Jugendliche. Ähnlich wie bei der Vermittlung von Medienkompetenz sollten Lehrer und Eltern ein offenes Ohr für Kinder haben und ihre Fragen ernst nehmen. In Weiterbildungen hilft Zillmer den Lehrkräften, besser mit dem Thema Sexualität umzugehen: „Lehrer sollten immer versuchen, zu verstehen, was das Kind durch eine Frage oder Provokation wirklich erfahren möchte.“ Wenn man selbst darüber nicht sprechen könne, solle man dem Kind einen geeigneten Gesprächspartner vorschlagen.

Pornodarsteller Schmoll hat selbst einen fünfjährigen Sohn. Vom Beruf seines Vaters weiß der noch nichts. Schmoll ist sich bewusst, dass auch sein Sohn früh mit Pornographie in Berührung kommen wird. Deswegen sei eine frühe Aufklärung wichtig. Wenn das Kind in die Pubertät kommt, will er ein Vater-Sohn-Gespräch suchen: „Ich möchte nicht, dass er ein falsches Bild von der Sexualität bekommt. Er muss lernen, Frauen mit Respekt zu behandeln.“ Die Entscheidung, ob sein Sohn auch selbst Pornos drehen möchte, will er ihm freilassen. Unterstützen will Schmoll ihn dabei keinesfalls.

Alexander Salenko

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