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„Sie dürfen bei Rot fahren!“

Stadtmitte „Sie dürfen bei Rot fahren!“

Rettungsdienste werden von unaufmerksamen Autofahrer und Falschparkern gebremst

Stadtmitte. Jede Minute, jede Sekunde zählt, um ein Leben zu retten, wenn Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene unterwegs sind. Doch andere Verkehrsteilnehmer machen ihnen dabei häufig einen Strich durch die Rechnung. Sie stehen im Weg, blockieren die Weiterfahrt und reagieren unberechenbar.

Eine Rettungsgasse als solches gibt es im Stadtgebiet nicht. „Es fehlen einfach die baulichen Voraussetzungen“, erklärt Feuerwehrsprecher Stefan Kieckhöfer. Von einer Rettungsgasse spreche man daher nur außerorts und auf Autobahnen. „Innerorts geht es darum, sofort freie Bahn zu schaffen, sobald ein Wagen mit Blaulicht und Martinshorn im Anmarsch ist.“ Mit diesen Sonderrechten dürfen Einsatzkräfte nur fahren, wenn aufgrund eines Notfalls höchste Eile geboten sei. „Unabhängig davon, ob eine Brandmeldeanlage anschlägt oder ob jemand hingefallen und nicht mehr ansprechbar ist“, gibt Kieckhöfer einige Beispiele. Denn die eigentliche Gefahr könnten die Helfer erst am Einsatzort feststellen. Doch die Autofahrer würden sehr unterschiedlich reagieren.

Das größte Problem: Ampeln

„Es ist so sicher, wie das Amen in der Kirche, dass wir an Kreuzungspunkten stehen müssen“, sagt Feuerwehrsprecher Stefan Kieckhöfer. Die Fahrer würden sich einfach nicht trauen, die Haltelinie zu überfahren. „Sie fahren lieber über den Bordstein, rangieren umständlich oder bleiben einfach stehen.“ Erst wenn es wieder grün wird, würden die Autos weiterfahren und die Rettungskräfte könnten erst dann ihren Einsatz fortsetzen. Viele haben jedoch Angst über eine rote Ampel zu fahren, weil sie von einem Blitzer erwischt werden könnten. „Aber man darf dann bei Rot fahren, das muss man sogar“, so Kieckhöfer. Wichtig sei hier, keine abrupten Manöver durchzuführen, sondern aufmerksam zu bleiben und auf andere Verkehrsteilnehmer, wie zum Beispiel Fahrradfahrer, zu achten. „Wenn man geblitzt wird, weil man den Rettungskräften ausweicht, dann verstehen das die Bußgeldbehörden“, ergänzt auch der Polizeisprecher André Täschner. Wichtig sei dabei nur, die Zeit und das Kennzeichen des Einsatzwagens zu notieren.

Nicht stehen bleiben

Auf zweispurigen Straßen sollte die Situation theoretisch klar sein. Die jeweils linke Fahrbahn wird freigemacht und der Fahrer ordnet sich auf der rechten Spur ein. Die Autos können dort weiterfahren und sollten nicht auf der Straße stehen bleiben. „Teilweise reagieren die Fahrer unberechenbar. Sie machen eine Vollbremsung oder weichen abrupt aus“, erklärt Marco Kröpelin, Wachleiter der DRK-Rettungsstelle Stadtmitte, aus eigener Erfahrung. Damit steige die Gefahr, dass die ausweichenden Fahrer einen Unfall bauen. Doch auch Stadtteile mit engen Straßen, wie die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, seien für Einsatzkräfte ein Graus. „Dort ist es so schon schwierig auszuweichen, wenn dann auch noch Wagen falsch parken, kommen wir nicht mehr durch “, erzählt Kieckhöfer von der Feuerwehr.

Die Hilfsfrist

Laut Gesetz müssen die Rettungskräfte innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein. Spätestens fünf Minuten später muss auch der Notarzt eintreffen. Oberarzt Dr. Uwe Steffen kennt diese Regelung gut, er ist sich sicher: „In 95 Prozent der Fälle können wir die Frist einhalten.“ Im Einzelfall könne es jedoch auch zur Verzögerung kommen. Dabei gehe es um wertvolle Sekunden. Auch Wachleiter Kröpelin musste sich schon damit auseinandersetzen. „Wenn wir von der Innenstadt zum Beispiel mal nach Toitenwinkel unterwegs sind, kann das bei solchen Hindernissen knapp werden.“

Blockierern droht Strafe

„Im schlimmsten Fall kann die Blockierung als unterlassene Hilfeleistung gelten – das ist strafbar“, sagt Kieckhöfer von der Feuerwehr. Dies würde nur geschehen, wenn sich ein „kausaler Zusammenhang“

zwischen der Verspätung eines Einsatzwagens durch eine Versperrung der Straße und einer verschlimmerten Situation feststellen ließe. Zum Beispiel, wenn dadurch das Opfer eines Unfalles stirbt. „Jeder ist zur Hilfeleistung im Rahmen seiner Möglichkeiten verpflichtet“, betont Kieckhöfer. Und dazu gehöre auch, auf den Straßen Platz für die Einsatzkräfte zu schaffen. Doch in den meisten Fällen würde die Blockade eher eine Ordnungswidrigkeit darstellen und im Einsatz hätten die Rettungskräfte häufig weder Zeit noch Geduld, sich die Autokennzeichen aufzuschreiben. „Es wird so gut wie nicht verfolgt, da es im Einsatz oft nicht möglich ist“, erzählt Polizeisprecher Täschner.

Keine Ausreden

Ausreden gibt es für solch eine Situation nicht. „Die Verkehrsteilnehmer sind verpflichtet, so zu fahren, dass sie das Licht sehen und die Sondersignale hören“, erklärt Täschner von der Rostocker Polizei. Das Einzige was helfe, sei die Autofahrer für diese Verkehrssituation zu sensibilisieren. „Wir versuchen immer wieder darauf hinzuweisen, aber letztendlich sollte es jeder in der Fahrschule lernen.“ Ob diese Wiederholungen helfen, bezweifelt Kieckhöfer von der Rostocker Feuerwehr jedoch: „Wir erwarten nicht, dass es besser wird.“

Johanna Hegermann

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