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Soldaten pflegen Kriegsgräber

SANITZ Soldaten pflegen Kriegsgräber

Sanitzer reisten zum Arbeitseinsatz nach Lettland / Noch immer sind dort 200 Stätten unberührt

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Ein Soldat aus Sanitz hält inne: Er steht vor einer Grabstätte in Lettland. Fotos (2): Oberleutnant Krug

Sanitz. Eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise, die nachdenklich macht: Fast 5000 Kilometer liegen hinter den Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 21 aus Sanitz. Zehn Leute waren in den vergangenen Tagen und Wochen damit beschäftigt, Soldatenfriedhöfe wieder auf Vordermann zu bringen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind sie im August nach Lettland gereist. Geschafft, aber zufrieden sind sie jetzt wieder heimgekehrt.

OZ-Bild

Sanitzer reisten zum Arbeitseinsatz nach Lettland / Noch immer sind dort 200 Stätten unberührt

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„Viele waren zum ersten Mal dort. Für jeden von uns war es eine neue Erfahrung“, so Hauptfeldwebel Deffke. „Wir waren in einem Gebiet, in dem die Kriegsgräberstätten des Ersten Weltkrieges dringende Sanierungen benötigen“, sagt Oberleutnant Krug, Kommandoführer für dieses Arbeitskommando.

Die verstorbenen deutschen Soldaten, die dort rund 70 Kilometer südlich der Hauptstadt Riga begraben sind, seien zwischen 1915 und 1917 gefallen. Die Grabstätten sind vermutlich 1940 durch die russische Armee angelegt worden. Dies haben die Sanitzer Soldaten in Erfahrung bringen können.

5 Uhr wecken, um 6 Uhr Arbeitseinsatz an den Grabstätten, Mittagsverpflegung im Wald, 17 Uhr Schichtende: Jeder Tag war straff geplant. „Wir haben uns komplett selbst verpflegt. Man kann diesen Einsatz schon mit einem Biwak (Anm. Feldlager) vergleichen“, sagt Hauptfeldwebel Deffke. Beim Einsatz in Lettland konnten die Sanitzer Soldaten drei Friedhöfe wieder herstellen. Alle seien in einem schlechten Zustand gewesen.

„Überall wucherten Gräser und Büsche. Die knapp 40 Kilogramm schweren Kreuze der Gräber waren teilweise fast vollständig im Boden versackt“, berichtet Hauptfeldwebel Deffke von seinen ersten Eindrücken. Mit viel Manpower haben sie die Steine ausgegraben und wieder aufgerichtet. Mit dabei war ein gelernter Maurer und viele Hobbygärtner. „Mit ihren Know-how haben wir zusammen Wege zur Stätte und Fundamente, etwa für ein fünf Meter großes Birkenkreuz und eine Infotafel, angelegt“, so Hauptfeldwebel Deffke. Gleiche Aufgaben auch bei den beiden anderen Stätten.

Die wichtigsten Utensilien: Drahtbürste, Schrubber, Spaten, Pickel, Harke, Motorsense, Heckenschere und Schubkarre. „Was wir nicht bis nach Lettland transportieren konnten, haben wir uns dort gekauft oder bei Einheimischen geliehen“, berichtet Oberleutnant Krug.

Verständigungsschwierigkeiten hätte es nicht gegeben, berichten die Soldaten. Ein lettischer Verbindungsmann hätte den Sanitzern die Wege zu den einzelnen Stätten gezeigt und auch bei der Übersetzung mit den Stadtverwaltungen und der lettischen Presse geholfen.

So wurde auch eine abschließende Gedenkveranstaltung mit dem örtlichen Bürgermeister und Landrat organisiert. „Wir haben die Grabstätten mit einer Kranzniederlegung symbolisch an die Gemeinde übergeben. Die Gedenkveranstaltung war ein würdevoller Rahmen“, sagt Oberleutnant Krug.

Was sie nach Deutschland mitgebracht haben, waren nicht nur viele Eindrücke und Erinnerungen, sondern auch wichtiges Datenmaterial für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Denn besonders in Lettland gibt es immer noch zahlreiche namenlose Gräber. „Wir haben Namen und Daten gesammelt, alles, was wir finden konnten“, sagt Oberleutnant Krug. Damit füllt der Verein seine Datenbank und kann somit wieder weiteren Familien Gewissheit geben, wo ihre Angehörigen gefallen sind.

Auch künftig sind Reisen nach Lettland geplant. Noch gebe es dort knapp 200 Stätten, die instandgesetzt werden müssen. Die Sanitzer Soldaten wollen in zwei Jahren wiederkehren.

Gräber erfassen

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen.

Heute hat der Volksbund fast 350 000 aktive Förderer sowie mehr als eine Million Spender und Interessenten. Mit ihren Beiträgen und Spenden, mit Einnahmen aus Erbschaften und Vermächtnissen sowie den Erträgen aus der jährlichen Straßensammlung finanziert er zu etwa 70 Prozent seine Arbeit. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder.

• Netz: www.volksbund.de/home

Mathias Otto

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