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Sorgenfresser: Stricken für Leute in Not

Komponistenviertel Sorgenfresser: Stricken für Leute in Not

Seit einem Jahr fertigt eine Gruppe Nützliches aus Wolle für Bedürftige / Die Spenden gehen unter anderem an Stadtmission, Nachtasyl und Straßenmobil für Obdachlose / Die Organisatorin sucht weitere Strickliesel

Komponistenviertel. Wenn Jeanette Patelschick eine freie Minute hat, dann greift sie zur Wolle. Mit Häkel- oder Stricknadel fertigt sie Mützen, Schals, Stulpen und vor allem Socken an. Denn die 52-Jährige hat vor gut einem Jahr damit begonnen, Obdachlose und Bedürftige mit warmer Kleidung zu versorgen. „Ich wollte meine Zeit sinnvoll verbringen und etwas Gutes tun“, erklärt die Rostockerin.

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Seit einem Jahr fertigt eine Gruppe Nützliches aus Wolle für Bedürftige / Die Spenden gehen unter anderem an Stadtmission, Nachtasyl und Straßenmobil für Obdachlose / Die Organisatorin sucht weitere Strickliesel

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Beim sozialen Netzwerk Facebook hat sie unter dem Namen „Nur was von Herzen kommt, macht das Leben wertvoll“ eine öffentliche Gruppe eingerichtet. „Wir haben momentan 20 Mitglieder, etwa fünf helfen aktiv mit“, sagt Patelschick. Darüber hinaus gebe es fünf weitere Strickliesel, die sich beteiligen. „Aber wir brauchen Unterstützung, denn es wird schon kälter.“ An Wollspenden mangle es nicht, doch helfende Hände seien jetzt Gold wert.

Jeanette Patelschick selbst strickt seit rund 40 Jahren. „Es ist einfach schön, wenn ich mit viel Herzblut und Arbeit etwas Eigenes schaffe“, sagt die Rostockerin. Sie ist geübt in dem Handwerk. Für einen Schal brauche sie nur etwa zwei Tage. Seit einiger Zeit ist jedoch die Häkelnadel das Werkzeug ihrer Wahl.

Auch für Neulinge sei Platz in der Gruppe. „Ich gebe gern das weiter, was ich gelernt habe oder empfehle Videos im Internet“, erzählt die Rostockerin. Doch einheitliche Muster und Farb-Vorgaben gebe es nicht. „Es gibt für die Strickliesel viel Raum für Kreativität.“ Sie bittet darum, die Handarbeiten bei ihr im Komponistenviertel abzugeben. „Dann bekommt man auch gleich einen neuen Schwung Wolle“, verspricht die 52-Jährige. Auch Strick- und Häkelnadeln gebe es für die freiwilligen Helfer. „Natürlich sind auch männliche Strickliesel willkommen“, sagt sie schmunzelnd.

„Wir konnten im vergangenen Jahr warme Kleidung für das Nachtasyl, das Wärmestübchen, Straßenmobil und im Integrativen Betreuungszentrum der Diakonie im Hawermannweg geben“, sagt Patelschick. Die Spenden entstehen alle in reiner Handarbeit. „Wichtig ist, dass keiner im Winter frieren muss“, betont die Gruppenleiterin. Und dafür brauche es ständig Nachschub – insbesondere Socken. „Man braucht nun einmal mehr als zwei Paar Socken im Winter.“

Die Strickliesel wollen auch Wünsche erfüllen. „Wir hatten schon Listen im Obdachlosenheim in Toitenwinkel ausgehängt“, so Patelschick. Die seien jedoch kaum von den Bewohnern beachtet worden. „Ich glaube, sie trauen sich nicht“, erklärt Patelschick. Dennoch sei es in Absprache mit den Betreuern gelungen, unter anderem 150 Eierwärmer in das Integrative Betreuungszentrum der Diakonie zu bringen.

Momentan arbeite man für diese Einrichtung auch an Kissenhüllen ohne Reißverschluss.

Im Laufe der Zeit habe sich ebenfalls eine Kooperation mit dem Verein Lebenshilfe entwickelt, der sich um Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderungen kümmert. In der „Schatzkiste“, dem Nebenraum in der Wohnung von Jeanette Patelschick, stapeln sich momentan gehäkelte Püppchen, Figuren und Fantasiewesen. Sie sind ausgerüstet mit einer kleinen Tasche, in die die Kinder ihre „Sorgen“ packen können. „Mittlerweile sind es 70 Sorgenpüppchen, 80 sollen es werden.“ Der Verein wolle sie dann an Weihnachten verteilen.

Doch bei all den zusätzlichen Aufgaben stellt Jeanette Patelschick eines klar: „Die Arbeit für Obdachlose hat Vorrang.“ Der Winter rücke näher und damit auch die schwierigste Zeit für die Menschen, die auf der Straße leben. Aus diesem Grund steht für die Rostockerin jedenfalls fest, sie wird weiter stricken, häkeln und spenden. „Bis es nicht mehr geht!“

Mitmachen über Facebook oder telefonisch

10aktive Strickliesel helfen momentan bei den Handarbeiten für Bedürftige mit. Seit 2015 gibt es die Facebook-

Gruppe „Nur was von Herzen kommt, macht das Leben wertvoll“. Hier informiert die Gruppenleiterin Jeanette

Patelschick über neue Arbeiten oder Wollspenden. 20 Mitglieder gibt es

bereits in der Gruppe. Die meisten Helfer sind zwischen 20 und 60 Jahren alt.

130Päckchen mit warmer Kleidung wurden im

vergangenen Jahr allein Weihnachten an Obdachlose verschenkt.

Kontakt: ☎ 0162 / 2 37 46 26

Johanna Hegermann

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