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Bei Hansa fing es an: Rehmers steiler Weg zum Vizeweltmeister

Berlin/Rostock Bei Hansa fing es an: Rehmers steiler Weg zum Vizeweltmeister

Trainer Frank Pagelsdorf holte den Verteidiger 1997 nach Rostock. Es war der Beginn einer erfolgreichen Profi-Karriere. Heute berät der Ex-Nationalspieler Talente.

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Marko Rehmer spielte in der Bundesliga für Hansa Rostock, Hertha BSC und Eintracht Frankfurt und absolvierte 35 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft.

Quelle: Imago

Berlin/Rostock. Wenn es nach seinen Ärzten gegangen wäre, hätte es die Profikarriere von Marko Rehmer möglicherweise gar nicht gegeben. Wegen eines Knorpelschadens im Knie prognostizierten ihm die Mediziner eine Chance von nur 20 Prozent, den Fußball als Beruf ausüben zu können. Rehmer war damals 19 und hatte bei Union Berlin gerade den Sprung in die Regionalliga-Mannschaft geschafft. „Okay, dann war’s das. Dann höre ich jetzt auf“, war der erste Gedanke des Jungen vom Prenzlauer Berg. Doch er entschied sich anders und kämpfte um seinen Lebenstraum. Mit Erfolg. Rehmer legte eine bemerkenswerte Bundesliga-Karriere hin, wurde mit dem DFB-Team 2002 in Yokohama sogar Vizeweltmeister.

„Ich wollte damals nicht wahrhaben, dass das alles gewesen sein soll“, erzählt Rehmer. Der frühere Nationalspieler sitzt in einem Café im feinen Berlin-Dahlem, nur ein paar Schritte von seiner Wohnung entfernt, und nippt an einem Kaffee. Im blauen T-Shirt, Jeans und hellgrauen Sneakers sieht der 44-Jährige noch immer so aus, als könnte er jederzeit die Fußballschuhe schnüren, ein Trikot überstreifen und die rechte Seite dynamisch rauf- und runterlaufen. So wie früher bei Hansa Rostock, Hertha BSC und Eintracht Frankfurt. „Einen Marathon würde ich aber nicht laufen“, lächelt der sympathische Blondschopf, der sich mit Joggen, Golf und Spielen für das Legenden-Team des DFB fithält.

„Als Spieler habe ich immer von meiner Athletik gelebt“, sagt der 1,88-Meter-Mann, den Frank Pagelsdorf einst in die Bundesliga holte. In der Winterpause 1996/97 folgte Rehmer seinem Ziehvater von Regionalligist Union Berlin zu Hansa Rostock. Offerten von Mönchengladbach und Köln hatte er zuvor ausgeschlagen. Obwohl er das Hansa-Trikot nur zweieinhalb Spielzeiten trug, ist bis heute eine Verbundenheit zum Koggenklub geblieben. „Ich bin Hansa dankbar, habe dort mein erstes Bundesliga-Spiel gemacht und bin Nationalspieler geworden“, sagt Rehmer.

Nur acht Monate nach seinem Debüt in der Eliteklasse berief Berti Vogts den Berliner, den Trainer Hans Meyer bei Union vom Mittelfeldspieler zum Verteidiger umgeschult hatte („Marko, ich brauche hinten einen schnellen Mann!“), erstmals in die Nationalmannschaft. „Überrascht war ich davon ehrlich gesagt nicht“, sagt Rehmer, „aber mir war nicht bewusst, dass man auch als Spieler von Hansa Rostock im Fokus des Bundestrainers stand“.

Unter Vogts, Erich Ribbeck und Rudi Völler brachte Rehmer es auf 35 Einsätze im Adler-Trikot. Höhepunkt war die WM 2002 in Japan und Südkorea, als Deutschland Vizeweltmeister wurde: „Ich bin in der DDR groß geworden und hätte mir nie träumen lassen, mal in einem WM-Finale zu stehen.“ Doch das Turnier stand für den Abwehrmann unter einem schlechten Stern.

Wenige Monate vor der WM erlitt Rehmer nach einem Foul des Kölners Christian Springer eine schwere Verletzung. „Die Kapsel war zerfetzt, mehrere Bänder gerissen“, erinnert sich der Berliner. Am Tag nach der OP kam Rudi Völler ins Krankenhaus und versprach seinem Verteidiger: „Wenn du wieder laufen kannst, bist du dabei.“ Der Teamchef hielt Wort, aber für Rehmer reichte es nur zu einem 45-Minuten-Einsatz beim 1:0-Achtelfinalsieg gegen Paraguay. „Die Zeit hat nicht gereicht, ich war nicht fit“, sagt Rehmer, der seine Karriere 2007 mit 35 Jahren bei Eintracht Frankfurt beendete.

„Gemessen an der 20-Prozent-Prognose von damals, bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, meint der Ex-Kicker. Ein paar Jahre Auslandserfahrung hätte er gerne gemacht, doch das blieb ihm verwehrt. Obwohl Klubs wie Juventus Turin, AC Florenz und vor allem Arsenals Arsené Wenger an dem Verteidiger dran waren. „Die englische Spielweise hätte mir gelegen“, ist Rehmer sicher.

Heute berät der Ex-Profi als Geschäftsführender Gesellschafter der Spieleragentur Inteamsports Talente. „Ich will die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, weitergeben“, sagt der Ex-Profi, der gerne im Scouting arbeiten würde.

Sein Herz hängt immer noch an dem Verein, bei dem er vor fast zwei Jahrzehnten Bundesligaprofi wurde. „Ich hatte eine tolle Zeit bei Hansa und es tut weh, den Verein Jahr für Jahr in der 3. Liga gegen den Abstieg spielen zu sehen“, meint Rehmer, der dem Fußball fast alles zu verdanken hat: „Zum Glück habe ich damals nicht auf die Ärzte gehört.“

Fröbe, Sönke

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