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Hansa-Profi Gansauge: „Stolz, Heimat, geile Zeit!“

Rostock Hansa-Profi Gansauge: „Stolz, Heimat, geile Zeit!“

Der frühere Fußballer über seine Zeit in Rostock, sein neues Leben als Nachwuchstrainer in Chicago und die Misere bei seinem Heimatklub.

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Der frühere Hansa-Profi Thomas Gansauge (45) mit seiner Frau Alicia.

Quelle: privat

Rostock. Herr Gansauge, bei Hansa waren Sie vor allem auch ein Liebling der weiblichen Fans. Sind Sie mittlerweile fest vergeben?

Thomas Gansauge (lacht): Ja, ich bin seit Juni 2013 mit Alicia verheiratet. Wir haben uns 2010 kennengelernt. Sie ist geborene Kolumbianerin mit amerikanischem Pass.

In Rostock haben Sie damals drei Sonnenstudios betrieben. Lassen Sie sich immer noch gerne im Solarium bräunen?

Gansauge: Nein, schon lange nicht mehr. Ist mir einfach zu gesundheitsschädigend.

Sie leben seit zehn Jahren in den USA. Wie kam es dazu?

Gansauge: Als ich 2005 den Entschluss gefasst habe, nach Chicago zu gehen, wollte ich nur für ein halbes Jahr mein Englisch aufbessern, das amerikanische Leben kennenlernen und dann wieder zurück. Es kam dann alles ganz anders. Ich habe mich buchstäblich in die Stadt Chicago verliebt. Ich bin in dieser Zeit zu vielen Fußballveranstaltungen gegangen und habe so einen kleinen Einblick in die Materie bekommen. Ich habe im Fußball große Chancen für mich gesehen, mich als Trainer selbstständig zu machen. Das alles hat mich dann dazu bewogen, hier zu bleiben.

Gibt es Dinge, die an Ihnen schon ,amerikanisch’ sind?

Gansauge: Spontan fällt mir da nur ein, dass ich meinen Kaffee meistens ,to go’ nehme. Das habe ich früher nicht gemacht. Ansonsten bin ich ziemlich deutsch geblieben.

Wo verbringen Sie Ihren Urlaub?

Gansauge: Am liebsten fahren wir ins Warme. Mexiko und Spanien sind unsere Favoriten. Wenn wir freie Zeit haben und es finanziell passt, verreisen wir. Wir wollen beide die Welt sehen.

Was schätzen Sie am Leben in Chicago?

Gansauge: Ich lebe hier direkt in der Stadt, somit habe ich auf alles, was Chicago zu bieten hat, schnellen Zugriff. Wir haben tolle Restaurants, viele Museen, zwei Stadien direkt in der Stadt, jede Menge Sehenswürdigkeiten und vieles mehr. Die Leute hier sind sehr freundlich und die Architektur ist absolute Weltspitze. Jeder Architekt muss Chicago mindestens einmal im Leben gesehen haben. Außerdem haben wir den Michigansee direkt vor der Haustür. Mehr geht nicht!

Sie sind auf Rügen und in Rostock aufgewachsen, haben Sie manchmal Heimweh?

Gansauge: Natürlich vermisse ich meine Heimat, besonders die Familie. Ich versuche, mindestens zweimal im Jahr rüberzufliegen. Mit meinem Klub Schwaben AC haben wir ein „Soccer-Exchange“-Programm mit dem Hamburger Fußballverband aufgebaut und besuchen uns alle zwei Jahre gegenseitig. So kann ich noch ein zusätzliches Mal nach Deutschland fliegen – als Business-Trip sozusagen.

Wann waren Sie zuletzt in Deutschland und wann ist der nächste Besuch geplant?

Gansauge: Zu Weihnachten. Da haben wir ziemlich viele Kilometer im Auto zurückgelegt, um die Familie und so viele Freunde wie möglich zu besuchen. Die Route ging von Stuttgart über Erfurt nach Rügen. Die nächsten Trips sind schon in Planung: Ich möchte im Juli den Internationalen Trainerkongress des BDFL (Bund Deutscher Fußball- Lehrer/d. Red.) in Fulda besuchen. Im August reise ich dann im Rahmen unseres Austauschprogramms wieder nach Hamburg.

Zu welchen früheren Mitspielern haben Sie noch Kontakt?

Gansauge: Vor allem zu Uwe Ehlers, Timo Lange und Oliver Neuville. Mit anderen bin ich über Facebook verbunden, so dass man verfolgen kann, was jeder so macht. Das ist heutzutage ja ziemlich einfach.

Verfolgen Sie das Geschehen bei Hansa Rostock?

Gansauge: Ja, sehr genau.

Hätten Sie sich vorstellen können, dass der Verein einmal so tief abstürzen würde?

Gansauge: Das ist eine schwierige Frage. Ist die 3. Liga denn so tief für einen Verein wie Hansa? Etliche ehemalige Oberliga-Klubs spielen dort. Man muss doch wirklich mal die Realität sehen: Hansa hat in der wichtigsten Oberliga-Saison überhaupt – 1990/91 – den ersten Platz belegt. So ist der Verein in die 1. Bundesliga aufgestiegen, das war doch weitaus mehr als man erwarten konnte.

Weil Hansa zuvor nie Meister geworden war.

Gansauge: Richtig. Dadurch ist man dann direkt in die Bundesliga aufgestiegen und mit dem ersten Abstieg in die 2. Bundesliga verhältnismäßig weich gefallen. Der Verein konnte sich so an das Geschäft Bundesliga gewöhnen. Anderen Ost-Mannschaften ist es da weitaus schlechter ergangen.

In den Zweitliga-Jahren wurde dann nach und nach eine Truppe aufgebaut – mit vielen Spielern aus der Region, die sich voll und ganz mit dem Verein identifiziert haben. Dazu bringst du zwei, drei aufgehende „Stars“, die Hansa als Sprungbrett benutzten wollen, und du hast eine Super-Truppe. Das hat absolut gepasst, und der Verein konnte dann zehn Jahre am Stück in der 1. Bundesliga spielen. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten.

Umso bitterer der Absturz.

Gansauge: Natürlich sagt jeder, es hätte besser gearbeitet werden müssen und vielleicht etwas Geld gespart werden sollen. Du kannst aber auf dem Niveau den Erfolg einfach nicht pachten. Und unser Sponsoren-Umfeld, also die finanzielle Seite, ist und war nicht erstligareif. Ohne Geld kannst du auf Dauer nicht oben bestehen. Dazu kommen dann die Querelen aus der jüngsten Vergangenheit – und der Ruf ist ruiniert. Man hört ja kaum noch positive Nachrichten. Das ist für mich weitaus schlimmer als die Tatsache, dass Hansa in der 3. Liga spielt.

Man kann nicht erwarten, dass Hansa  dauerhaft in der 1. Bundesliga spielt. Die 2. Liga kann ein realistisches Fernziel sein. Dann muss aber im Umfeld und in der Mannschaft alles stimmen. Die Fans und die Medien sollten die Erwartungshaltung etwas zurückschrauben. Man darf von den alten Zeiten schwärmen, aber man muss auch der Realität in die Augen schauen.

Wann haben Sie zum letzten Mal ein Hansa-Spiel im Ostseestadion gesehen?

Gansauge: Das ist schon sehr lange her. Es war ein Zweitligaspiel, an den Gegner kann ich mich nicht mehr erinnern.

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Ihre Hansa-Zeit denken?

Gansauge: Stolz, Heimatverein, Freunde, geile Zeit!

Was war das schönste Erlebnis?

Gansauge: Der Nichtabstieg in Bochum 1999, das war einfach geil. Alle Spieler wussten genau, worum es für den Verein geht und haben sich für Hansa aufgeopfert. Natürlich brauchst du auch ein wenig Glück, aber das haben wir an diesem Tag erzwungen.

Und das schlimmste?

Gansauge : Die 1:4-Niederlage gegen den MSV Duisburg am 21. März 1998. Mein Gegenspieler Markus Beierle hat drei Tore gemacht und Trainer Ewald Lienen wurde nach diesem Spiel entlassen. Das war ein Trauma für mich.

Wer oder was hat Sie  bei Hansa am meisten geprägt?

Gansauge: Meine Jugendtrainer Harry Krause und Karl Pöschel. Ich habe von beiden viel gelernt. Sie haben meine Jugendjahre geprägt und meinen Weg beeinflusst.

Mittlerweile sind  Sie selbst Nachwuchstrainer. Wie sieht Ihre Arbeit als Director of Coaching beim Schwaben Athletic Club aus?

Gansauge: Ich leite dort das komplette Jugendprogramm, bin also verantwortlich für 23 Jugendteams mit 270 Mädchen und Jungen sowie zehn Trainer. Ich selber trainiere auch noch unsere High School Boys U15, 16, 17 und 18. Da fällt eine Menge Arbeit an. Der wichtigste Aspekt dabei ist, darauf zu achten, dass es unseren Spielern Spaß macht, bei uns zu spielen. Das beinhaltet auch, dass ich mich mit den Eltern auseinandersetze, um ihnen zu erklären, was unsere Philosophie ist. Manchmal haben die Eltern andere Ansichten. Da gilt es dann, alle mit Überzeugungskraft ins Boot zu holen. Bei uns geht es nicht um Trophäen. Sondern darum, den Kindern das Fußballspielen beizubringen – mit dem größtmöglichen Spaß dabei. Ansonsten mache ich alles, was sich um den Trainings- und Wettkampfbetrieb dreht.

Sie haben eine eigene Fußball-Akademie gegründet und ihr den Namen Hansa gegeben.

Gansauge: Ja, in Anlehnung an Hansa Rostock heißt meine Fußballschule Hansa Soccer Academy. Wir organisieren hauptsächlich Sommercamps und Fördertraining. Dadurch, dass wir  nur elf Monate organisiert im Schwaben AC Fußball spielen, passen die Sommercamps super in meinen Zeitplan.

Welchen Stellenwert hat Soccer in den USA?

Gansauge: Fußball ist die am meisten gespielte Sportart bei Jugendlichen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Wir haben insgesamt 25 Millionen registrierte Fußballspieler in den USA. Dennoch ist Fußball nur an dritter oder vierter Stelle hinter den klassischen amerikanischen Sportarten angesiedelt. Allerdings mit steigender Tendenz.

Ich kann heute sogar die Bundesliga live auf Fox sehen. Die Zuschauerzahlen in den Stadien und an den Fernsehern steigen. Damit gehen die TV-Gelder und die Gehälter der Spieler nach oben, was dann die gesamte Major League Soccer stärker macht. Ich sehe einen positiven Trend, man darf aber keine Wunder erwarten.

Welche beruflichen Ziele haben Sie?

Gansauge: Für meine Hansa Soccer Academy und Schwaben AC ist das Ziel, so viele Spieler wie möglich fußballerisch und charakterlich weiterzuentwickeln und die Liebe zum Fußball zu schüren. Weiterhin möchte ich den Schwaben AC so gut wie möglich aufstellen, um die Zukunft des Vereins zu sichern. Wir haben das Fernziel, 500 Kinder in unserem Club zu trainieren. Damit könnten wir dann auch nötige Sachen wie einen eigenen Kunstrasen oder eine Indoorhalle angehen.

Sieht man Sie irgendwann mal als Trainer eines Profi-Teams?

Gansauge: Das halte ich für unrealistisch. Außerdem würde ich für einen Ein- oder Zweijahresvertrag nicht alles aufgeben, was ich hier aufgebaut habe.

Das klingt nicht danach, dass sie in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückkehren wollen.

Gansauge: Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann wieder zurück nach Hause zu gehen, aber im Moment bin ich hier sehr glücklich und ausgelastet.

Von Fröbe, Sönke

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