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Hansa-Talent verzichtet freiwillig auf Profi-Karriere

Rostock Hansa-Talent verzichtet freiwillig auf Profi-Karriere

A-Jugend-Torwart Martin Leu zieht es im Rahmen eines Weltwärts-Freiwilligendienstes ab September für ein Jahr nach Peru / Der 19-Jährige trainierte bereits im Drittliga-Team

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Martin Leu (weißes Trikot) wird hier von seinen Mitspielern für einen gehaltenen Elfmeter gefeiert. Nach der Saison beendet der U-19-Torwart von Hansa Rostock seine leistungssportliche Karriere. Ihn zieht es ins Ausland.

Quelle: Ronny Susa/oz-Archiv

Rostock. Viele Jahre war Martin Leu umtriebig, forderte viel von sich selbst. Als Torhüter hechtete der gebürtige Lübecker in den vergangenen dreieinhalb Jahren für die B- und A-Jugend von Fußball- Drittligist Hansa Rostock durch den Fünfmeterraum. Zwischenzeitlich durfte der 19-Jährige, der im Januar 2013 vom VfB Lübeck kam, sogar im Profi-Team mittrainieren. Im Winter reiste er mit der Mannschaft ins Trainingslager in die Türkei. Seit Anfang März trainiert er wieder in der U 19.

„Die Tatsache, dass ich nicht mehr bei der Ersten trainierte, war auch der Sache geschuldet, dass ich mich mehr aufs Abitur konzentrieren wollte und die Trainingszeiten in der Schulzeit lagen“, sagt der angehende Abiturient des Christophorus-Gymnasiums CJD in Rostock (Leistungskurs Latein/Deutsch), der einen Schnitt von 1,1 anstrebt. Demnächst hat er seine mündliche Prüfung. Danach geht es ins Ausland. „Mich zieht es ab Anfang September im Rahmen eines Weltwärts-Freiwilligendienstes für zwölf Monate nach Lima, der Hauptstadt von Peru in Südamerika“, erklärt Leu.

Dort will der Blondschopf Land und Leute sowie die Sprache kennen- und sein aktuelles Leben in Deutschland noch mehr schätzen lernen. Und es etwas ruhiger angehen. Entschleunigen in einer neuen Kultur, rund 11 000 Kilometer entfernt von seiner Heimat. „Ich wollte schon immer ins spanisch- sprachige Ausland. Bisher ging das nicht wegen des Fußballs“, sagt Martin Leu, dessen Vorfreude steigt.

„Langsam beginnt das Kribbeln, die Zeit in Peru wird eine ganz neue Erfahrung.“

Zuletzt hat der Rostocker, der zunächst im Hansa-Internat wohnte und seit vergangenem Sommer in einer Wohngemeinschaft, erstmals mit seiner Gastfamilie geskypt. „Das scheinen nette und offene Leute zu sein. Mit denen werde ich mich gut verstehen“, ist Leu optimistisch. Seine größte Sorge ist, dass „ich mit dem Essen dort nicht klarkomme. Es soll superlecker schmecken. Mir geht’s eher um die Verträglichkeit der Lebensmittel.“

Ansonsten hat er keine Angst vor den dortigen Lebensverhältnissen. Die Unterbringung in einer Freiwilligen-WG seiner Organisation war für Leu keine Option. In Lima wird er in einer Einrichtung zur Resozialisierung von Straßenkindern arbeiten – vormittags als Lehrer, nachmittags als eine Art Betreuer und Animateur. „Mein Antrieb ist es, den Kindern wieder Hoffnung zu geben, sie zum Lachen zu bringen“, betont der junge Mann.

Im Freundes- und Bekanntenkreis löste Leu’s Entscheidung unterschiedliche Reaktionen aus. Mutter Beate und Vater Robert waren begeistert von der Idee, nach Lima zu gehen. Viele Kumpel reagierten eher skeptisch. Hansas Torwarttrainer Stefan Karow sagt: „Ich finde es sehr schade, dass Martin dem Fußball den Rücken kehrt. Er hatte sich toll entwickelt und war eine Option für die neue Saison. Martin wird seinen Weg machen.“ Auch ohne das runde Leder.

Seine Zeit als Leistungssportler bereut Martin Leu nicht. Trotz der großen Strapazen bei bis zu zehn Trainingseinheiten in der Woche. „Der Fußball hat mir viel gegeben – Disziplin, Respekt, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und ich habe viele tolle Menschen kennengelernt“, betont der 1,89-Meter-Hüne, der zuletzt Stammtorwart in Rostocks U 19 in der Regionalliga war. „Aber Fußball ist ein schwieriges Geschäft. In der dritten Liga kann man nicht das große Geld verdienen, ist doch recht fremdgesteuert und bleibt auch nicht ewig aktiv. Gerade als Torwart geht der Job sehr auf die Knochen“, meint Leu.

Auf Dauer hat das vielseitige Talent, das auch Gitarre spielt, vier Sprachen spricht (Deutsch, Englisch, Latein und Spanisch) und den Trainerschein zum Juniorcoach besitzt, darauf keine Lust. Nach dem Auslandjahr plant er, Psychologie zu studieren. Vielleicht in Rostock, denn die Stadt an der Ostsee hat er lieb gewonnen.

Bundesministerium fördert „weltwärts“

9Organisationen hatte Martin Leu angeschrieben, um sich für einen Platz im „weltwärts“ zu bewerben. Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Das BMZ übernimmt bis zu 75 Prozent der Ausgaben.

Sechs Verbände gaben Leu einen positiven Bescheid, bei drei Organisationen trat der 19-Jährige zu Auswahltests an, ehe er den Platz bei Jugend im Ausland (JiA), einem Ableger des ASB Schleswig-Holstein, bekam.

Um die verbliebenen Kosten finanzieren zu können, hofft Leu auf Spenden. Interessenten können sich unter martinleu@freenet.de melden.

• Weitere Info zum Weltwärts-Freiwilligendienst unter: http://www. weltwaerts.de/de

Tommy Bastian

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