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Zu wenig Nachwuchs: Rostock braucht mehr Schiedsrichter

Hansaviertel Zu wenig Nachwuchs: Rostock braucht mehr Schiedsrichter

Immer wieder drohen Fußballspiele auszufallen / Verband bemängelt Disziplin der Unparteiischen / Gewalt und Anfeindungen auf dem Feld schrecken ab

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Bastian Dankert zeigt die Rote Karte. Der Schiedsrichter aus Rostock war zuletzt bei der EM in Frankreich als Torrichter dabei.

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Hansaviertel. Immer mehr Spiele für immer weniger Schiedsrichter, und immer wieder drohen Spiele auszufallen, weil kein Offizieller auf dem Platz steht, um das Spiel zu leiten. Seit Jahren hat der Kreisfußballverband (KFV) Warnow ein Nachwuchsproblem. Dabei ist Rostock landesweit noch am wenigsten betroffen. Ein Grund für weniger neue Spielleiter ist laut Offiziellen Gewalt auf dem Fußballplatz, aber den Schiris fehle es auch an Disziplin, bemängelt der KFV-Schiedsrichterausschuss.

Die Offiziellen und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) werben kräftig für das Schiedsrichterdasein: Es gehe dabei um viel mehr als um das Beherrschen von Regeln. Man lerne fürs Leben, entwickele seine Persönlichkeit, lerne Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen – für den Job zum Beispiel. Und zweifelsohne ist es eine ehrenvolle Aufgabe, Schiedsrichter zu sein. Dennoch: Es gibt zu wenige von ihnen in den unteren Ligen. Dabei hat der frühere Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner mal gesagt: „Die Helden pfeifen in der Kreisliga.“ Und der DFB verspricht: „Schiedsrichter sein – mehr als eine Freizeitbeschäftigung.“

38 Nichtantritte bilanziert der Schiedsrichterausschuss (SRA) des KFV. Zu 38 Spielen stand in der vergangenen Saison also kein Schiedsrichter bereit, um das Spiel zu pfeifen. „Das ist deutlich zu viel“, sagt Christian Allwardt, Vorsitzender des SRA. Und die ohnehin schon wenigen Spielleiter pfeifen im Schnitt weniger als 16 Partien pro Saison – zu wenig. Nur gut 60 Prozent der aktuell 224 Schiedsrichter im Verband sind überhaupt einsatzfähig. „Der absolute Tiefpunkt in der Saison und nicht ausreichend“, sagt Christian Allwardt. Die Ursache steht für ihn fest: mangelnde Disziplin bei seinen Kollegen. Das müssen die übrigen Schiedsrichter auffangen, damit nicht noch mehr Spiele ausfallen. 34 neue Schiedsrichter seien gerade ausgebildet worden. Erfreulich, aber während der Saison würden es wieder weniger, sagt Allwardt.

Die Zahl der Schiedsrichter sinkt seit zehn Jahren stetig. Waren es 2005 noch 1220 im Landesverband MV, sind es nach einem kurzen Hoch 2014 (943) 2015 nur noch 915 Offizielle. Mitte Mai 2016 waren es immerhin 923. Jeder fünfte Schiri pfeift in Rostock und Umgebung. Damit ist die Hansestadt und ihr Speckgürtel landesweit noch gut aufgestellt. Anderenorts ist die Lage prekärer: „Rostock hat als Ballungsgebiet am meisten Schiedsrichter. Im Osten des Landes sind es viel weniger“, sagt Andreas Streich vom Landesfußballverband (LFV). Zahlen konnte der LFV allerdings nicht bereitstellen.

So bemüht Kreis- und Landesverband um Nachwuchs sind, Gewalt auf dem Fußballplatz schreckt ab. „Ja, es gibt viel Ärger auf dem Platz“, sagt die Rostocker Schiedsrichterin Julia Beumer. Sie pfeift Männer- und Frauenspiele und wisse um Beleidigungen und Anfeindungen. Körperliche Gewalt hätte sie zwar bisher nicht erlebt, Kollegen aber schon. Wie viele Übergriffe es auf Schiedsrichter im KFV gibt, darüber gibt es keine Statistik. Gäbe es eine, wäre die Dunkelziffer vermutlich hoch. „Die Mannschaften müssen Vorkommnisse quittieren“, sagt Beumer, denn diese werden in den Spielbericht eingetragen, den die Vereine unterzeichnen müssen. Dass sich nicht alle Schiris trauen, entsprechende Eintragungen zu machen, liegt auf der Hand. Anders Julia Beumer: Dafür, dass ein Spieler sie „Schlampe“ nannte, wurde dieser für neun Spiele gesperrt. Seit Januar 2015 sei kein tätlicher Angriff bekannt geworden, über vorherige Zeiträume könne Allwardt keine Auskünfte geben, teilt er mit.

„Die Anfeindungen nehmen zu. Jedenfalls macht das den Eindruck. Das wird ja in der Bundesliga vorgemacht“, sagt Klaus-Dieter Bartsch. Darin sieht der Vorsitzende des SV Warnemünde einen der Gründe für schwindenden Nachwuchs. „Es ist nicht einfach, junge Schiedsrichter zu gewinnen“, sagt er.

Die Vereine sind verpflichtet, Schiedsrichter zu stellen. In MV kam 2015 auf eine Mannschaft durchschnittlich 0,58 Schiedsrichter. Erfüllen Vereine ihre Verpflichtung nicht, drohen Strafen.

Julia Beumer weiß: Clubs würden sogar um Schiris werben, sie mit Equipment locken. Vielen fehlte allerdings die Zeit, berichten Christian Allwardt und Klaus-Dieter Bartsch: Familie, Job und der generell hohe Zeitaufwand. Doch je weniger Schiris, desto mehr müssen diese pfeifen – ein Teufelskreis.

Die Ausbildung zum Schiedsrichter

Wer Spielleiter werden möchte , sollte laut Deutschem Fußballbund mindestens zwölf Jahre alt sein und muss Mitglied in einem Fußballverein sein. Außerdem sollen Anwärter die Bereitschaft mitbringen, mindestens 20 Spiele in der Saison zu pfeifen und an acht bis zwölf Tagen im Jahr an Weiterbildungen teilzunehmen.

Die Kosten für die Ausbildung übernehmen die Vereine. Meistens sorgen die auch für die Ausrüstung der Offiziellen. Die Ausbildung umfasst 20 bis 50 Unterrichtsstunden, eine theoretische und körperliche Prüfung wie einen 1300-Meter-Lauf. Die neuen Schiris beginnen in den Basis-Klassen, möglichst in Begleitung eines „Paten“.

Philip Schülermann

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