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Sprache als Hindernis: Geflüchtete wollen studieren

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Sprache als Hindernis: Geflüchtete wollen studieren

Syrer nehmen an Intensivkurs am Sprachenzentrum der Rostocker Universität teil / Vor 14 Tagen startete das einjährige Projekt / Neben Sprache wird auch Kultur vermittelt

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Alan Shekho (18), Isa Jafar (23), Ahmad Alsheikh (24), Mostafa Alawad (25), Noor Baaj (18) und Sally Mustafa (24) sind aus Syrien geflüchtet. Sie alle wollen im nächsten Jahr ein Studium an der Rostocker Universität beginnen. Fotos (2): Pauline Rabe

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Achmed Mezrab hat einen Traum. Der 18-jährige Syrer möchte Medizin studieren. Doch bisher reichen seine Deutschkenntnisse dafür nicht. Deshalb nimmt er mit 24 weiteren studieninteressierten Geflüchteten an einem Intensivkurs am Sprachenzentrum der Rostocker Universität teil. Vor 14 Tagen startete das Projekt.

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Syrer nehmen an Intensivkurs am Sprachenzentrum der Rostocker Universität teil / Vor 14 Tagen startete das einjährige Projekt / Neben Sprache wird auch Kultur vermittelt

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„Wir alle würden gerne studieren“, sagt Kursteilnehmerin Catrin Ghazal. Nur sei die sprachliche Barriere derzeit noch zu hoch. „Als ich im August 2015 hergekommen bin, habe ich viel Englisch gesprochen“, erzählt Achmed Mezrab. Dadurch habe der 18-Jährige einige Monate verloren, in denen er sein Deutsch hätte ausbauen können. „Das will ich jetzt ändern.“ Für Ahmad Al Khaled ist Studieren nichts Neues. „In Syrien habe ich meinen Bachelor in Bauingenieurswesen gemacht. Derzeit finde ich mit diesem Abschluss aber keine Arbeit“, so der 26-Jährige. Nun will er seinen Master in Rostock machen. „Mein ursprüngliches Studienfach gibt es hier nicht.“ Es gäbe aber drei interessante Ausweichmöglichkeiten.

Majd Eddin Sila hat ebenfalls schon studiert, konnte sein Studium in Damaskus jedoch nicht beenden. „Ich habe sechs Semester Informatik studiert“, erzählt der 22-Jährige. „Das siebte will ich hier machen.“ Sowohl er als auch Al Khaled fühlen sich in dem Intensivkurs sehr gut aufgehoben. „Im Gegensatz zu Integrationskursen werden wir hier das erste Mal wieder wie Studenten behandelt“, sagt Al Khaled. Das erinnere ihn an seine Heimat. „Außerdem verstehen wir Teilnehmer uns alle gut.“

„Innerhalb eines Jahres sollen die angehenden Studenten die deutsche Sprache intensivieren und lernen, wie das Studium an einer deutschen Universität abläuft“, sagt Klaus Rambow, stellvertretender Leiter des Sprachenzentrums. Dabei besitzen alle Teilnehmer schon sprachliche Grundkenntnisse. „Ganz von vorne anzufangen wäre noch aufwendiger, als es so schon ist.“ Die bisherigen Kenntnisse reichen jedoch nur für das Alltagsleben, nicht für ein Studium. „Referate zu halten oder das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten stellen noch einmal eine ganz andere Herausforderung dar“, so Rambow.

Die Vorbereitungen für das Projekt liefen über das Rostock International House. „Nun sind wir an der Reihe, die nötigen Sprachkenntnisse zu vermitteln“, so Rambow. Neben diesen spielen auch kulturelle Aspekte eine Rolle. Das Projektziel sei es, den gesamten Studieneinstieg an der Rostocker Universität zu erleichtern. „Alle Teilnehmer wollen sich im kommenden Jahr hier bewerben“, so Kursleiterin Mandy Walker. Deshalb erhalten sie auch schon Einblicke darin, wie die Bibliothek funktioniert oder wo welche Räumlichkeiten zu finden sind.

„Während wir derzeit noch hauptsächlich Grundlagen wiederholen, werden die Teilnehmer im Laufe des Jahres auch in Kontakt mit Rostocker Studierenden treten.“ In Kleingruppen sollen sie dann so viel wie möglich die Sprache anwenden. „Deshalb versuchen wir, neben dem Unterricht die angehenden Studenten auch in Hobbys zu integrieren“, erzählt Walker. Das passiere hauptsächlich im Sportbereich.

„Interaktion ist eine der wichtigsten Aspekte beim Lernen einer neuen Sprache“, ergänzt Rambow.

Am Ende des Projektes werden die Teilnehmer den „TestDaF“ ablegen. „Darin werden die vier Fähigkeiten Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben abgefragt.“ Die Ergebnisse werden in allen Teilen einer Niveaustufe zugeordnet. Diese entsprechen im gemeinsamen europäischen Referenzrahmen den Kompetenzstufen B2 bis C1. „Bei einem Prüfungsergebnis von Stufe vier erhält man die Studienberechtigung“, so Rambow. „Ich finde es toll, welche Chancen das Projekt ermöglicht“, sagt Walker. Das wissen auch ihre Schüler zu schätzen.

Sprachliche und kulturelle Vorbereitung

25 Syrer nehmen am ersten Sprachintensivkurs für studieninteressierte Geflüchtete teil.

1 Jahr dauert der Kurs. Die angehenden Studenten lernen von Montag bis Freitag jeden Tag fünf Stunden.

9 Teilnehmer wohnen derzeit noch nicht in Rostock. Da einige Busverbindungen nicht zu den Unterrichtszeiten passen, sind sie auf der Suche nach einer Wohnung oder einem WG-Zimmer. Kontaktadresse: refugees@uni-rostock.de

Pauline Rabe

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