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Stadt braucht Millionen für Spielplätze

Stadtmitte/Evershagen Stadt braucht Millionen für Spielplätze

Ein neues Konzept zeigt: Geräte sind zu alt – aber sicher / Zu wenig Flächen in KTV und Stadtmitte

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Kay-Uwe Waack und Angelika Clement sind Spielplatzkontrolleure in Rostock. Jede Woche müssen sie 236 Anlagen, wie im Stephan-Jantzen-Ring in Schmarl, überprüfen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht – aber sie haben ein geschultes Auge.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann, Marten Vorwerk (2), Ove Arscholl

Stadtmitte/Evershagen. Im November soll die Bürgerschaft über die Zukunft der Spielplätze in der Hansestadt entscheiden. Dazu hat das Amt für Stadtgrün ein Konzept vorgelegt – weit mehr als 100 Seiten lang. Es zeigt sich: In Evershagen werden dringend Spielplätze benötigt, in Dierkow und anderen Stadtteilen werden Anlagen teils ersatzlos abgerissen. Und in der Innenstadt fehlt es an Angeboten für Jugendliche. Amtsleiterin Ute FischerGäde warnt davor, noch mehr Flächen zu bebauen. Die Liste der nötigen Maßnahmen ist lang. 3,8 Millionen Euro müsste die Stadt aufbringen, um alle umzusetzen.

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Ein neues Konzept zeigt: Geräte sind zu alt – aber sicher / Zu wenig Flächen in KTV und Stadtmitte

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236 Spielplätze an 168 Standorten gibt es in allen 19 Ortsbeiratsbereichen Rostocks. Ihr Zustand wurde mit Noten von Eins bis Drei bewertet. Auffällig: Fast alle Spielplätze schneiden gut ab. Denn in der Bewertung geht es allein um die Sicherheit. Ob ein Platz sauber und gepflegt ist, ob dort Zigarettenkippen oder gar Spritzen herumliegen, ist dem Konzept nicht zu entnehmen. Ute Fischer-Gäde gesteht in puncto Pflege Handlungsbedarf ein, aber personell sei mehr nicht leistbar. Elf Mitarbeiter kümmern sich um alle städtischen Spielplätze. „75 Prozent der Objekte sind zehn Jahre oder älter“, bilanziert die Amtsleiterin.

Eltern haben positive, aber auch negative Eindrücke von den Spielplätzen in Rostock. Anne Kuckluck (35) aus Lichtenhagen: „Hier am Gerberbruch ist es sehr schön, es gibt für unsere Kinder sehr viele Möglichkeiten zum Spielen. Auch in Lichtenhagen bin ich mit den Spielplätzen sehr zufrieden.“ Andere Eltern aber berichten von Erwachsenen, die auf Spielplätzen in der Borwinstraße (KTV) trinken und dort ihre Bierflaschen stehen lassen. Und: Die Spielplätze in der KTV seien zu klein, berichten sie. Der Stadt fehlt es dort aber an geeigneten Flächen.

Alle fünf Jahre lässt die Stadt mit Hilfe der Ortsbeiräte, Kinderortsbeiräte und mit Anwohnern ein Spielplatzkonzept erstellen. Neben Sicherheitsmängeln und Standortattraktivität gibt es vor allem Aufschluss darüber, wo Bedarf an Spielplätzen ist – gemessen an der demografischen Entwicklung in den Stadtteilen. Die Stadt wächst und mit ihr die Zahl der Kinder und Jugendlichen.

In Evershagen hat sich die Zahl der Sieben- bis 13-Jährigen zwar vergleichsweise wenig verändert, dort leben aber ohnehin viele Kinder. Und weil dort viele Spielplätze zurückgebaut worden seien, berichte Fischer-Gäde, ergebe sich nun ein hoher Bedarf. Auch wenn der Stadtteil Evershagen die ersten vier Plätze der Prioritätenliste belegt, sieht Fischer-Gäde den Schuh woanders drücken: „Eine große Herausforderung, die zum Problem werden kann, ist die Innenstadtlage“, sagt sie. Denn je verdichteter die Fläche sei, desto wichtiger sei ein Spielplatzangebot. Fischer-Gäde: „Wir müssen aufpassen, dass der Wunsch nach Bauen nicht die Flächen verdrängt, die die Stadt lebenswert machen.“

In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) ist der Anteil der 14- bis 19-Jährigen von 2010 bis 2014 um 37,9 Prozent gestiegen, danach folgt Stadtmitte mit rund 31 Prozent. Mehr als 3600 Quadratmeter Spielfläche fehlen in der KTV für Jugendliche. Spitzenreiter beim Zuwachs von Kindern und Jugendlichen ist die Südstadt. Dort gibt es aber ausreichend Platz zum Spielen. In Biestow und der Gartenstadt reichen die Spielplätze nicht aus. Besser ist die Situation hingegen zum Beispiel in Dierkow-Neu – noch, denn dort werden vier Spielplätze zurückgebaut. Ersatz ist nicht vorgesehen.

„Ich komme bestimmt drei- bis viermal in der Woche mit meinen Freunden hierher“, sagt der 13-jährige Ben, der gerade im Skaterpark in der August-Bebel-Straße Skateboard fährt. Der Jugendliche wünscht sich eine Skaterhalle: „Dann können wir auch im Herbst und Winter skaten, wenn der Boden hier nass oder mit Schnee und Laub bedeckt ist“, sagt Ben.

Ob Halle oder Rückzugsmöglichkeit, die Stadt bietet den Jugendlichen zu wenig Flächen. Ein großes Problem stellt Vandalismus dar. „Einen Unterstand für Jugendliche aus Holz brauchen wir gar nicht bauen“, sagt Ute Fischer-Gäde. Für mehr Langlebigkeit müssten Konstruktionen aus Stahl her, aber die seien teuer. Hinzu kommt die Unterhaltung, Wartung und Reparaturen.

„Die quantitativ und qualitativ hinreichende Bereitstellung von Spielplätzen für Kinder und Jugendliche ist ein wesentliches Element kommunaler Daseinsvorsorge“, heißt es in der Vorlage für die Bürgerschaft. 3,8 Millionen Euro wird es wohl nicht geben. Das Amt hofft auf zwei – für die Abarbeitung der Prioritätenliste.

Ortbeiratsbereich Kinder7 - 13 Jahre   Jugendliche 14 - 19 Jahre  
Seebad Warnemünde, Dierhagen   + 0,7   + 32,1
Markgrafenheide, Hohe Düne   + 44,1   21,7
Lichtenhagen   + 22,5   + 15,1
Groß Klein   + 18,4   + 2,1
Lütten Klein   + 11,7   5,9
Evershagen   + 3,9   1,2
Schmarl   + 19,4   + 24,5
Reutershagen   + 17,0   + 8,4
Hansaviertel   0,3   + 14,2
Gartenstadt/Stadtweide   1,1   + 23,8
Kröpeliner-Tor-Vorstadt   + 7,1   + 37,9
Südstadt   + 33,3   + 45,7
Biestow   17,5   + 21,2
Stadtmitte   + 17,1   + 31,3
Brinckmansdorf   + 1,1   + 24,2
Dierkow-Neu   + 9,7   + 2,0
Dierkow Ost/Dierkow West   + 2,0   + 16,9
Toitenwinkel   + 24,0   3,5
Gehlsdorf, Hinrichsdorf   + 15,6   + 19,4
Gesamt   + 12,2   + 13,6
Bevölkerungsentwicklung von 2010 bis 2014 in Prozent genug Angebot; zuwenig Angebot; geringfügig zuwenig Angebot        

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