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Stasi-Gebäude wird ab Herbst saniert

Rostock-Stadtmitte Stasi-Gebäude wird ab Herbst saniert

Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock muss dringend saniert werden. Gerade im Innenbereich gebe es Mängel. Im September ist Baustart. 3,6 Millionen Euro soll die gesamte Sanierung kosten. Die Dokumentations- und Gedenkstätte muss in der Bauphase schließen.

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Die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt soll noch in diesem Jahr saniert werden. Die Dokumentations- und Gedenkstätte soll für die Zeit der Bauarbeiten geschlossen werden.

Quelle: Fotos: Norbert Fellechner, Ove Arscholl (2)

Rostock-Stadtmitte. Das Dach ist nicht mehr dicht, die Kellermauern feucht: Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt muss dringend saniert werden. „Der Termin hatte sich immer weiter verschoben, es hatte sich schon im Oktober angekündigt“, sagt Volker Höffer, Leiter der Außenstelle Rostock der Stasi-Unterlagen-Behörde. Doch gerade im Innenbereich gebe es Mängel. „Die Feuchtigkeit steigt aus dem Boden, das Elektronetz und die Heizungsanlage müssen auf den neuesten Stand gebracht werden“, zählt Außenstellenleiter Höffer auf.

OZ-Bild

Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock muss dringend saniert werden. Gerade im Innenbereich gebe es Mängel. Im September ist Baustart. 3,6 Millionen Euro soll die gesamte Sanierung kosten. Die Dokumentations- und Gedenkstätte muss in der Bauphase schließen.

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3,6 Millionen Euro soll

die Sanierung der

Dokumentations- und

Gedenkstätte kosten.

Das Geld kommt

zu gleichen Teilen

von Bund und Land.

Es soll kein aufpoliertes Gefängnis werden.Volker Höffer

Außenstellenleiter

„Der bauliche Zustand des denkmalgeschützten Komplexes erfordert eine Grundsanierung“, betont Christian Hoffmann vom Betrieb für Bau und Liegenschaften MV (BBL). Dazu zählt er den sogenannten Kopfbau sowie den anschließenden Haftbereich mit Freigang. Hier soll der sogenannte Postengang, der zwischenzeitlich entfernt wurde, wieder hergestellt werden. Und das bei Wahrung der größtmöglichen Originalität, wie Höffer betont. „Das soll hier kein aufpoliertes Gefängnis werden, sondern weiterhin den Charakter der Haftanstalt zu DDR-Zeiten widerspiegeln“, ergänzt Höffer. So werde sich nichts an der Fassade des Gebäudes ändern. Der BBL spricht davon, dass hier „lediglich Ausbesserungsarbeiten“ vorgenommen werden. Im Vordergrund des Bauprojekts steht auch die barrierefreie Erschließung der ehemaligen Stasi-U-Haft. „Auch über einen Seminarraum wurde gesprochen“, sagt Höffer. 3,6 Millionen Euro soll die gesamte Sanierung kosten. Aufkommen wollen dafür zu gleichen Teilen das Land und der Bund.

Während der Bauarbeiten muss die Dokumentations- und Gedenkstätte ihren Platz räumen. „Wir müssen dann schließen, das ist nicht anders zu regeln“, so Höffer. Die Exponate der Dauerausstellung sowie die Originalgegenstände müssten dann an einem anderen Ort zwischengelagert werden. „Wo das sein wird, das planen wir momentan noch.“ Eines steht jedenfalls jetzt schon fest, nach der Sanierung soll der Zugang zur Gedenkstätte in den Günen Weg verlegt werden. Bis dahin kann einiges an Zeit vergehen, denn der Baustart stehe noch nicht unmittelbar bevor. Erst im September dieses Jahres soll mit der Sanierung des Gebäudes begonnen werden.

Die Suche nach dem Bunker

Für Karl Krüger sind die Bauarbeiten ein Hoffnungsschimmer. Seit Jahren setzt er sich für die Suche nach einem geheimen Bunker auf dem Gelände ein. Er hat im März 1978 in der U-Haft die schlimmsten Momente seines Lebens verbracht. „Ich wurde in dem Bunker gefoltert und stranguliert, damit ich die Adoptionsurkunde für meine Kinder unterschreibe. Aber das habe ich nicht getan“, sagt er mit Stolz.

Seitdem hat er sein Leben der Suche nach dem Bunker verschrieben. „Das Schlimme ist, dass viele meine Aussagen für unglaubwürdig halten“, sagt Krüger. Er würde seine Hände dafür ins Feuer halten, dass es den Bunker gebe.

„Ich glaube, dass im Rahmen der geplanten Baumaßnahmen Untersuchungen stattfinden – soweit das technisch möglich ist“, sagt Volker Höffer. Ob sich dadurch ein Bunker finden lasse, dazu möchte er keine Prognose abgeben. „Ich kann mir vieles vorstellen. Als Historiker und Wissenschaftler muss ich mich jedoch an Fakten und nachweisbare Quellen halten.“ Eine zielgerichtete Suche nach dem Bunker habe es bisher jedoch nie gegeben. Doch das sei nicht Auftrag des BBL. „Sollten während der Arbeiten Hinweise auf bauliche Erweiterungen vorliegen, zum Beispiel auf eine Bunkeranlage, werden diese durch unser Projektmanagement aufgenommen und im weiteren Projektverlauf berücksichtigt“, sagt Sprecher Hoffmann. Die Hauptaufgabe sei jedoch, die Dokumentationsstätte wieder herzurichten.

Die Suche aufgeben kommt für Karl Krüger nicht infrage. „Wer aufhört, hat verloren.“ Er hoffe nur, dass sich seine Mühe irgendwann auszahle. „Sollte man den Gegenstand meiner Folter finden, habe ich meine Ehre wieder. Dann kann ich in Ruhe sterben.“

Johanna Hegermann

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