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Straßenmusiker protestieren gegen Spiel-Verbot

Stadtmitte Straßenmusiker protestieren gegen Spiel-Verbot

Etwa 100 Teilnehmer einer Kundgebung in der Innenstadt forderten die Rücknahme der seit Ende Oktober geltenden Regeln

Stadtmitte. Etwa einhundert Menschen haben sich gestern in der Innenstadt versammelt, um gemeinsam zu protestieren. Seit Ende Oktober gilt die sogenannte „Allgemeinverfügung zur Regelung der Straßenmusik“. Diese verbietet unter anderem Blechblasinstrumente, Schlagzeug, Klavier und Saxofon. Außerdem dürfen Gruppen von mehr als vier Personen nicht ohne Genehmigung auftreten.

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Etwa 100 Teilnehmer einer Kundgebung in der Innenstadt forderten die Rücknahme der seit Ende Oktober geltenden Regeln

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„Ein Klavier muss nicht immer laut sein.“

Werner Simowitsch Ortsbeirat Stadtmitte

„Es geht um unsere künstlerische Freiheit!“Daniel Konopka (25) KTV, Gitarre

250

Platzverweise wurden in Rostock zwischen April und Oktober wegen Lärms durch Straßenmusik ausgesprochen. Im Oktober wurde die „Allgemeinverfügung“ erlassen.

„Die Verordnung ist absoluter Schwachsinn!“Maxi Schreiber (27) KTV, Querflöte

„Fête de la Musique und Verbot: Das passt nicht!“Tony Enders (24) KTV, Geige

„Diese Verordnung ist absoluter Schwachsinn“, sagte Maxi Schreiber, die seit vielen Jahren Querflöte spielt und zudem zu einer Gruppe Trommlern gehört. „Ich treffe mich oft mit Freunden draußen zum Musizieren und frage mich, ob wir das jetzt noch können.“

Stiller Protest vor der Kundgebung

Vor der offiziellen Kundgebung versammelten sich Musiker mit Geige, Gitarre oder Querflöte in der Fußgängerzone, um den Passanten ein besonderes Konzert zu bieten – und zwar ohne einen einzigen Ton.

„So wird wohl die Straßenmusik der Zukunft aussehen“, erklärte Daniel Konopka. Symbolisch hatte er den Hals und die Saiten seiner Gitarre mit Klebeband umwickelt. „Es geht hier um unsere künstlerische Freiheit. Ich weiß nicht, was sich der Ordnungssenator Chris Müller dabei gedacht hat“, sagte der 25-Jährige. „Ich stehe oft in der Fußgängerzone und beobachte, wie sich besonders Kinder freuen. Meist ist so ein Moment für die Kleinen die erste Konfrontation mit Musik.“

Rostocker Initiative kämpft für kulturelle Freiheit

Organisiert wurde der stille Protest gegen die Lärm-Verordnung von der Rostocker Initiative „Ja zur Straßenmusik“. „Wir beobachten die Diskussion schon seit Juni“, sagte Initiator Steffen Wiesmann.

„Als wir dann über die neuen Regelungen informiert wurden, waren wir geschockt.“ Es gehe der Gruppe nicht darum, gegen die Politik „zu kloppen“, sondern darum, einen konstruktiven Diskurs zu ermöglichen und die Regelung zurückzunehmen. „Das war ein Diktat von oben“, kritisierte der 40-Jährige. „Die Ortsbeiräte haben sich gegen diese Allgemeinverfügung ausgesprochen und durch die Bürgerschaft ging das auch nicht.“ Als besonders paradox bezeichnete Wiesmann, dass vor zwei Jahren erst ein Straßenmusiker der Hansestadt ausgezeichnet wurde. Tony Enders, ebenfalls Mitglied der Initiative, dazu: „Nicht zu vergessen die ,Fête de la Musique’ – ein großes Straßenmusik-Festival. Das Verbot und die Veranstaltung passen nicht zusammen.“

Angeregter Diskurs im Rathaus

Während draußen die Künstler protestierten, diskutierten drinnen die Mitglieder des Ausschusses für Stadt- und Regionalentwicklung über die Bedeutung von Straßenmusik. „Es gab erhebliche Beschwerden wegen Lärmbelästigung – von April bis Oktober waren es 250 Platzverweise“, erklärte Andreas Bechmann vom Stadtamt. „Man muss Empathie für die Anwohner zeigen.“ Bechmann betonte, dass es nicht darum gehe, „Totengräber der Kultur“ zu sein, sondern lediglich darum, „extreme Spitzen“ abzugreifen. Es sei noch immer möglich, schnell eine Sondererlaubnis zu beantragen.

Bei den Mitgliedern des Ausschusses stößt die Einschränkung dennoch mehrheitlich auf Unverständnis. „Lärm ist ein störendes Geräusch. Aber die Entscheidung, was störend ist, ist subjektiv“, meinte Sonja Schweinitz (UFR). „Man sollte das objektiv, etwa anhand des Geräuschpegels, messen. Nicht anhand des Instruments oder der Gruppengröße.“ Dem stimmte Karina Jens (CDU) zu. „Eine Gruppe Schüler, die in der Weihnachtszeit singt, stört nicht“, sagte sie.

Vorsitzender Andreas Engelmann (Linke) kritisierte besonders das Vorgehen des Senators, bei der Entscheidung die Ausschüsse und Ortsbeiräte übergangen zu haben. Werner Simowitsch (Linke), Ortsbeiratsvorsitzender Stadtmitte, kündigte daher Widerspruch an. „Ein Klavier muss nicht immer laut sein, und außerdem gibt es exzellente Saxofonspieler“, erklärte er.

Katharina Ahlers

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