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Streit um Flüchtlinge: Explosive Stimmung in Groß Klein

Groß Klein Streit um Flüchtlinge: Explosive Stimmung in Groß Klein

Seit zwei Abenden stehen sich in dem Rostocker Stadtteil Rechte und Linke gegenüber / Auslöser ist eine neue Unterkunft für junge Asylbewerber / Bisher blieb alles friedlich

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Auch auf der anderen Seite blieb es ruhig: Polizisten trennten die Asyl- Gegner von den linken Gruppen.

Groß Klein. Der Streit um die deutsche Flüchtlingspolitik – in Rostock entlädt er sich jetzt im Stadtteil Groß Klein: Seit zwei Abenden stehen sich dort – rund um die Schiffbauer-Passage – linke Gruppen und rechte Asyl-Kritiker gegenüber. Bis auf Rangeleien blieb es bisher friedlich. Doch selbst erfahrene Polizisten sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem „Pulverfass“, von einer explosiven Stimmung.

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Seit zwei Abenden stehen sich in dem Rostocker Stadtteil Rechte und Linke gegenüber / Auslöser ist eine neue Unterkunft für junge Asylbewerber / Bisher blieb alles friedlich

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Auslöser des Ganzen: In sozialen Netzwerken im Internet hetzen rechte Gruppen seit Tagen gegen Flüchtlinge in den Stadtteilen im Nordwesten. Im Fokus steht eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die nach Angaben der Rostocker Polizei der Verein „Neue ohne Barrieren“ betreibt. Auf den einschlägigen Seiten wird Stimmung gegen die Einrichtung und ihre Bewohner gemacht: Die Flüchtlinge würden vor einem Supermarkt bis in die Nacht Alkohol trinken, Anwohner angreifen und beleidigen, Lärm machen. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Situation eskaliert“, heißt es auf der Seite. Ein Facebook-Nutzer schreibt dazu: „Wir müssen endlich was machen.“

Seit Mittwochabend bleibt es nun nicht bei der Hetze im Netz: „Seit einigen Tagen fallen in Groß Klein immer wieder Personen auf, die sich vor der Begegnungsstätte für minderjährige unbegleitete Geflüchtete aufhalten. Allerdings sind das keine Helfer, sondern Menschen, die – mit Bierflaschen in der Hand – versuchen, Angst und eine Situation der Unsicherheit zu verbreiten“, sagt Torsten Sohn, Bürgerschaftsmitglied der Grünen. Er spricht von einer selbsternannten „Bürgerwehr“. Ralf Mucha, SPD-Landtagsabgeordneter: „Diese Neonazis schüren gezielt Angst mit falschen Aussagen.“

Am Donnerstag stellten sich laut Polizeibericht rund 60 Anhänger der linken Szene 40 Asyl-Gegner entgegen. „Es kam zu Provokationen und auch zu Rangeleien“, sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke. Die Polizei konnte Krawalle aber verhindern. Mehrere Flüchtlingsgegner hätten, so Lembke, verfassungsfeindliche Parolen gegrölt. Gegen die Personen laufen nun Strafverfahren. Die Flüchtlingsinitiative „Rostock hilft“ berichtet zudem, dass Rechtsextreme am späten Abend eine „Hetzjagd auf Geflüchtete“ veranstaltet hätten. Bis zu drei Personen sollen dabei verletzt worden sein. „Es gibt noch Ermittlungen zu einem Vorfall im Nachgang der Kundgebung“, so Polizeisprecherin Lembke dazu.

Gestern dann ein ähnliches Bild in Groß Klein: Rund 120 Asyl-Befürworter zogen durch den Stadtteil, versammelten sich friedlich rund um die Passage. Ein massives Polizeiaufgebot trennte die Gruppen von einander. Es blieb ruhig. Wie angespannt die Situation aber weiterhin ist, beschreibt Torsten Sohn: „Die Geflüchteten und ihre Betreuer in Groß Klein haben aus Angst das Heim vorerst verlassen – zumindest für dieses Wochenende.“

„Rostock hilft“ fordert von den Sicherheitsbehörden in Rostock „einen effektiven Schutz aller Geflüchteten und das beherzte Eingreifen bei rassistischen Vorkommnissen“. Stadtsprecher Ulrich Kunze sagt dazu: „Die Stadtverwaltung steht mit der zuständigen Sicherheitsbehörde und mit ihren sonstigen Partnern in laufendem Kontakt.“ Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit würden nicht toleriert. „Wir werden es nicht zulassen, dass Menschenfeinde in Rostock ungehindert Angst und Schrecken verbreiten“, so SPD-Politiker Ralf Mucha.

Andreas Meyer

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