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Streit um Windkraft-Prototypen

KRITZMOW/BRÖBBEROW Streit um Windkraft-Prototypen

In Bröbberow und Kritzmow sollen vier Räder errichtet werden / Testanlagen können auch dort aufgestellt werden, wo keine Eignungsfläche ausgewiesen ist / Einwohner sollen auf Versammlung informiert werden

Bröbberow/Kritzmow. Diskussion um neue Windkrafträder im Rostocker Umland: Vier solcher Anlagen sollen in den Gemeinden Bröbberow und Kritzmow gebaut werden. Den Bürgern und Gemeindevertretern sind dabei die Hände gebunden, sie können nicht mit entscheiden. Denn hier gibt es Ausnahmen. Über eine sogenannte Prototypen-Regelung können auch dort Räder aufgestellt werden, wo keine Eignungsflächen ausgewiesen sind. Über den neuen Stand sollen Einwohner auf einer Versammlung informiert werden.

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In Bröbberow und Kritzmow sollen vier Räder errichtet werden / Testanlagen können auch dort aufgestellt werden, wo keine Eignungsfläche ausgewiesen ist / Einwohner sollen auf Versammlung informiert werden

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„Bei uns im Umfeld stehen schon genügend solcher Windräder . Wir wollen nicht noch mehr“, sagt Bröbberows Bürgermeister Steffen Marklein (Grüne). Durch diese Prototypen-Regelung können immer häufiger die Vorgaben der Ämter für Raumordnung und Landesplanung umgangen werden. „Man versucht, über die Hintertür hereinzukommen. Das Ärgerliche dabei: Es ist ganz einfach. Beim Thema Windkraft kann man den Bürger umgehen, ihn immer außen vor lassen“, ärgert sich Marklein.

Gerd Schäde, Amtsleiter beim Amt für Raumordnung und Landesplanung Region Rostock, liegen die vier Anträge für die Windkraftanlagen vor. „Wir als Planungsbehörde prüfen, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind“, meint er. Bei den beiden Anlagen, die bei Bröbberow errichtet werden sollen, handelt es sich um Prototypen des Windkraftanlagenherstellers Schütz, der aktuell Anlagen für Schwachwind fertigt. „Diese Firma möchte ihre Anlagen jetzt auf Starkwind zertifizieren lassen“, sagt Gerd Schäde.

Steffen Marklein zeigt sich dennoch verwundert, warum ausgerechnet vor seiner Ortschaft gebaut werden muss. „MV ist groß. Es gibt in diesem Land genügend Flächen, die dafür geeignet sein können und sich nicht neben Ortschaften befinden“, sagt er. So sieht es auch Hans Maurer aus dem benachbarten Benitz. Der stellvertretende Bürgermeister möchte erstens nicht übergangen werden und zweitens wissen, welcher Prototyp vor der eigenen Haustür gebaut werden soll. „Kaum einer von uns ist bisher informiert worden. Für den Ort ist diese Entwicklung jedenfalls schlecht“, sagt er. Vor allem, deshalb, weil die Häuser dadurch an Wert verlieren. „Außerdem ist es möglich, dass wir durch diese Räder eine starke Schattenwirkung haben und die Rotoren zu laut sind“, so Hans Maurer.

Auch in der Gemeinde Kritzmow sollen Windkraft-Prototypen entstehen. „Hier kommen zwei Serienmaschinen zum Einsatz, die im Zuge der Forschung und Entwicklung die Sektorenkopplung befördern sollen“, so Gerd Schäde. Unter Sektorenkopplung wird die gemeinsame Betrachtung und Vernetzung der drei Sektoren der Energiewirtschaft (Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr) verstanden, die gekoppelt, also gemeinsam, optimiert werden sollen.

Dabei hatte die Gemeinde erst im vergangenen Jahr einen Grundsatzbeschluss gefasst und stellte sich gegen die Errichtung solcher Anlagen. Eine Aussicht auf diese großen Bauten wie im Nachbarort Stäbelow sollte es hier nicht geben. Ein Investor wollte damals ein Windrad zwischen Lambrechtshagen und Groß Schwaß, südlich des Vorwedener Waldes, aufstellen. Der Bau eines solchen Windrades wäre ohnehin in der Nähe der beiden Gemeinden kaum möglich, denn „wir haben dort keine ausgewiesenen Windkraftgebiete“, sagte damals Bürgermeister Leif Kaiser (CDU).

Aber es muss nicht unbedingt ein ausgewiesenes Gebiet sein. „Die Anlage muss der Erforschung und Erprobung der Windenergietechnik dienen, und es müssen besondere Standortanforderungen gegeben sein, die eine Standortwahl außerhalb der regulären Eignungsgebiete rechtfertigen“, teilt Juliane Schultz vom Landesentwicklungsministerium mit.

Mitarbeiter der Firma „M&M Erneuerbare Energien GbR“ wollen sich nun am Montag auf der extra dafür einberaumten Einwohnerversammlung zu den Drei-Megawatt-Anlagen äußern. „Bis Ende September müssen wir eine Stellungnahme abgeben. Wir warten also die Stimmung der Einwohner auf der Versammlung ab und werden sie in unsere Stellungnahme einarbeiten“, so Kaiser.

Acht Genehmigungen

In der Region Rostock wurden laut Landesentwicklungsministerium seit 2011 acht Ausnahmegenehmigungen erteilt. Eine davon betrifft die Hansestadt und nicht den Landkreis Rostock.

In Bröbberow und Kritzmow sollen vier Testanlagen errichtet werden. Dem zuständigen Amt für Raumordnung in Rostock liegen die

Anträge vor.

In Kritzmow wird es am Montag,

5. September, eine Einwohnerversammlung zu diesem

Thema geben. Treffpunkt um 19 Uhr ist die Sporthalle der Grundschule.

Mathias Otto

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