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Telefonieren statt Langeweile: Wartezeit wird effektiv genutzt

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Telefonieren statt Langeweile: Wartezeit wird effektiv genutzt

Wissenschaftler der Uni Rostock untersucht Mediennutzungsverhalten

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Warten auf die nächste Straßenbahn. Genau wie seine Befragten füllt Stephan Görland (33) diese Zeit oft mit Telefonaten.

Quelle: Foto: Pauline Rabe

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. An der Haltestelle warten und einfach nichtstun – für viele Menschen ein unvorstellbares Szenario. „Wo früher angeblich nichts getan worden ist, wird heute schnell das Smartphone gezückt. Es werden Nachrichten geschrieben, Telefonate geführt oder Musik gehört“, sagt Stephan Görland vom Institut für Medienforschung (IMF) an der Universität Rostock. Langeweile vermeiden lautet die Devise. Doch warum ist das so? Diese Frage stellt sich der Medienwissenschaftler in seiner Promotion. Rund 3000 Fragebögen wertete er dafür aus.

„Jetzt gilt es, die Ergebnisse zu verschriftlichen“, sagt der 33-Jährige. Das Projekt läuft mittlerweile seit 2013. „Schon damals war klar, dass Medien immer mehr unseren Alltag durchdringen.“ Lange Zeit untersuchten Forscher nur die Bereiche Arbeit, Zuhause und Aktivität. „Die Zeiten dazwischen sind aber genauso wichtig und forschungsrelevant.“ Um ein umfassendes Bild von Wartezeiten im Bereich des Transports zu erhalten, nutzte Stephan Görland drei Methoden, darunter die der SMS-Befragung „Diese neue Methode wurde insgesamt erst dreimal eingesetzt.“ Umso größer war die Freude über das Gelingen.

Schon jetzt sei klar, dass die Mediennutzung in Wartezeiten nicht an soziodemographischen Merkmalen festgemacht werden könne: „Es spielt keine Rolle, wie alt die Menschen sind oder welches Geschlecht sie besitzen“, so der Medienwissenschaftler. Viel wichtiger sei die Situation, in der sie sich befinden. Insgesamt lassen sich drei Nutzungsmotivationen ausmachen: soziale, kognitive und affektive.

„Im ersten Feld war auffällig, dass viele der Befragten aktiv in der Bahn kommunizieren.“ Bevor Langeweile aufkomme, rufen jene demnach eher mal ihre Großeltern an. Zu den kognitiven Motivationen zählt das Lesen von Nachrichten oder die gezielte Recherche von Informationen.„Zu den affektiven zählt unter anderem das Hören von Musik“, erklärt Görland. Interessant hierbei war, dass diese Tätigkeit in der Bahn am häufigsten ausgeführt wird.

„Viele Forscher haben Sorge, dass Menschen keine Langeweile mehr ertragen können.“ Dabei sei diese notwendig, um nachdenken und letztendlich auch Ideen entwickeln zu können. Kontemplation nennt sich diese geistige Versenkung. „Fakt ist aber: Auch damals wurden Wartezeiten schon gefüllt“, sagt der 33-Jährige. Die damalige Nutzung war jedoch bei Weitem nicht so komplex wie heute. Dort spielten eher Tätigkeiten wie das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen eine Rolle. „Mir wurde schon mehrmals vorgeworfen, dass ich zu positiv mit den aktuellen Entwicklungen umgehe. Die Diskussion, ob die Mediennutzung in Leerzeiten sinnvoll ist, ist aber einfach hinfällig.“ Dieser Trend passiere und sei auch nicht zu stoppen. „Deshalb gilt es zu schauen, was uns Menschen diese Mediatisierung nützt und ob sich aus der Analyse der Daten hilfreiche Informationen für Zivilisationskrankheiten wie Stress ergeben.“

Stephan Görland präsentierte seine Ergebnisse vor Kurzem bei der 67. Tagung der International Communication Association (ICA) im San Diego. Gemeinsam mit seinen Institutskollegen beschäftigte er sich dort ausführlich mit den unterschiedlichsten Themen aus den Bereichen Kommunikation und Massenmedien. „Ich war bei der Tagung der Einzige, der explizit zu Leerzeiten forscht. Das hat zu interessanten Unterhaltungen mit anderen Wissenschaftlern geführt“, erzählt der Rostocker. Neben Vorträgen fanden in Kalifornien auch Workshops statt. „Einer beschäftigte sich mit der App Pokémon Go.“ Darin zeige sich ein deutliches Problem der Medien- und Kommunikationswissenschaft. „Wir sind Second Maker. Wollen wir einen aktuellen Trend untersuchen, vergehen einige Jahre bis zur Publikation.“ Bis dahin sei das Phänomen oftmals schon wieder fast vorbei.

Unterschiedliche Methoden der Sozialforschung

Triangulation ist eine Forschungsstrategie in der empirischen Sozialforschung, bei der ein Phänomen mit verschiedenen Methoden untersucht wird. Um sogenannte Leerzeiten genauer zu untersuchen, nutzte Stephan Görland drei Methoden.

2874 Frage- bögen wurden über eine Befragung per SMS erhoben. Dabei erhielten 100 Personen sechs Nachrichten pro Tag.

370 Personen wurden mit Unterstützung von Rostocker Studenten im öffentlichen Nahverkehr befragt.

24 qualitative Interviews sollen zusätzlich Aufschluss darüber geben, wie die Motive hinter der Mediennutzung in Wartezeiten aussehen.

Pauline Rabe

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