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Theaternachwuchs sprengt Grenzen

Stadtmitte Theaternachwuchs sprengt Grenzen

Studierende aus den Bereichen Musik, Schauspiel und Pädagogik stellten sich im Theaterwettbewerb „HMT — interdisziplinär“ auf die Bühne / Jury vergibt zwei erste, zwei zweite und drei Sonderpreise

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Rinaldo Steller, Torben Mahns, Johanna Reinders und Doga Gürer (v.l.) in „AMK — Bis hierher lief‘s noch ganz gut“ Fotos (4): Ove Arscholl

Stadtmitte. „HMT-Interdisziplinär“ hieß es an den vergangenen vier Tagen an der Rostocker Hochschule für Musik und Theater: Studierende verschiedener Fachrichtungen taten sich in kleinen Gruppen zusammen, entwickelten Bühnenstücke und brachten sie zur Aufführung. Mal experimentell, mal dadaistisch, mal traditionell, fast immer politisch — grundsätzlich mit Spielfreude und Enthusiasmus vorgetragen.

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Studierende aus den Bereichen Musik, Schauspiel und Pädagogik stellten sich im Theaterwettbewerb „HMT — interdisziplinär“ auf die Bühne / Jury vergibt zwei erste, zwei zweite und drei Sonderpreise

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Zehn Mal seit Donnerstag stellten sich die Studierenden aus Schauspiel, Musik und Pädagogik dem kritischen Publikum aus Kommilitonen, Freunden und Angehörigen — und einer sechsköpfigen Jury unter Leitung von HMT-Rektorin Susanne Winnacker. Zwei erste, zwei zweite und drei Sonderpreise vergab die Jury am Ende. „Wir wollen ermutigen: zur Zusammenarbeit mit anderen und über die Grenzen der einzelnen Abteilungen hinaus“, erläutert Rektorin Winnacker das Ziel des Projekts. Es gehe darum, voneinander zu profitieren, aus der Zusammenarbeit von Schauspielern, Sängern und Musikern etwas Neues zu entwickeln, Synergien zu nutzen. „Die althergebrachten Trennungen in der Ausbildung halte ich für nicht mehr zeitgemäß“, sagt die Rektorin und lacht: „Seit ich hier bin, ist hier ziemlich viel interdisziplinär.“

Die Schauspielstudenten Doga Gürer (23), Johanna Reinders und Rinaldo Steller aus dem 4. Semester und Musikerkollege Torben Mahns (1. Semester) haben ihr Stück „AMK — Bis hier lief‘s noch ganz gut“

genannt. Es basiert auf dem Buch „Abschaum — Die wahre Geschichte von Ertan Ongun“ von Feridun Zaimoglu aus dem Jahr 1997 und setzt sich mit der Einwanderungsbewegung aus der Türkei nach Deutschland auseinander. Im Buch eine Geschichte vom Scheitern, von der glücklichen Ankunft bist zum Tod — auf der Bühne erzählt in Sequenzen: „Die Nutten-Story“, „Die Anfang-vom-Ende-Story“, „Die Story vom ersten Schuss“.

„Die Idee war, aktuelle Politik — die Flüchtlingsbewegung und die Migrationspolitik — auf die Bühne zu bringen“, erzählt Doga. „Die Geschichte der Türken vor 20 Jahren. Was ist fehlgelaufen?“ Im Stück heiße es, „ich sehe Dealer, ich sehe Nutten“, und es leite sich die Frage ab: „Ist es ein Einzelfall oder ist etwas schiefgelaufen in der Migrationspolitik damals? — Und was ist jetzt zu tun oder wieder falsch zu machen?“ Dass ihre Gruppe einen der beiden ersten Preise erhalten wird, weiß Doga da noch nicht.

Musikstudent Lars Hammer (8. Semester) und die Schauspielstudenten Gina Markowitsch und Friedrich Richter (2. Semester) haben „König Ubu“ von Alfred Jarry auf die Bühne gebracht: Ein bisschen Intrige, ein bisschen Feigheit und Mord, damit der Herzog am Ende König von Polen wird. „Die Herausforderung war, das dadaistische Stück mit vielen Personen für uns drei umzusetzen“, erzählt Friedrich Richter. „Das wollte ich immer schon mal machen.“ Der Wettbewerb sei in jedem Fall eine Bereicherung des Studiums. Arbeite man normalerweise „Literaturepoche für Literaturepoche“ durch, sei man in der Projektarbeit völlig frei, in der ganzen Vielfalt der Theaterarbeit. Gina Markowitsch ergänzt: „Sich komplett selbst ausprobieren, das ist der Reiz. Und auch, auf der großen Bühne zu stehen“, sagt sie. „Geprobt haben wir bisher immer nur in kleinen Räumen.“ Neuland war die Theaterbühne auch für Sänger Lars Hammer, der unter anderem in die Rolle des Schreibers am Hofe des Königs Ubu schlüpfte.

„Balagan“ nannte Schauspielstudentin Larissa Semke (6. Semester) das Stück, das sie mit den Schauspielkollengen Markus Paul und Lola Wittstamm und dem Musiker Amit Rozenzweig aufführte. „Wir sind vom Wort ,Wunsch‘ ausgegangen“, sagt Larissa. „Wollten berühren, aber auch verstören.“ Das gelang. Die Verstörung höchst politisch: „Ach, ich bin gar nicht so richtig gegen die AfD“, sagt Larissa, als sie das naive Dummchen gibt, dem ebenso dumme Empörung entgegenprallt. Aber auch die Berührung gelang: Nicht nur die der Liebenden auf der Bühne. Auch die Jury muss es getroffen haben: „Balagan“

erhielt den zweiten 1. Platz.

Plätze und Preise

1. Preise: „Balagan“ mit Markus Paul, Amit Rozenzweig, Larissa Semke, Lola Wittstamm;

„AMK — Bis hier lief‘s noch ganz gut“ mit Doga Gürer, Torben Mahns, Johanna Reinders, Rinaldo Steller 2. Preise: „o“ mit Kata Fellin, Maik Guo, Sati Jimenez, Sergio Bayona, Patrick Niegsch, Jing Xiang;

„Kaleizyklop“ mit Dominik Friedrich, Thomas Gäbert, Evangelia Koliaki, Sarah Zelt;

Sonderpreise: für die Bühnentechnik des Hauses, für den ergreifendsten Moment des Wettbewerbs im Stück „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ und die beste Projektidee mit dem Stück „Die Süßen hinterm Tresen“

Von Klaus Walter

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