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Tiefflüge: Anwohner verärgert über Lärm

KRITZMOW Tiefflüge: Anwohner verärgert über Lärm

Eurofighter-Flüge mit einer Höhe von unter 150 Metern würden laut Luftwaffe nur 20 Mal pro Jahr stattfinden

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Hier startet ein Eurofighter auf Höhe der Radarstation auf dem Flughafen Laage.

Quelle: Fotos: Frank Söllner, Volker Miske

Kritzmow. Fluglärm sorgt für Verärgerung in der Gemeinde Kritzmow. Eurofighter seien dicht über dem Boden über den Ort geflogen und hätten dabei eine enorme Lautstärke verursacht. Anwohner fühlen sich davon belästigt. Verantwortliche vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ bestätigen diese Flüge. Allerdings würden solche Trainingseinheiten nur selten vorkommen.

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Eurofighter-Flüge mit einer Höhe von unter 150 Metern würden laut Luftwaffe nur 20 Mal pro Jahr stattfinden

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Da sie aus Sicht der Bevöl- kerung sehr sel- tene Lärmereig- nisse darstellen, werden sie um so deutlicher wahr- genommen.“Jürgen Schumann, Oberstleutnant

Der Kritzmower Volker Miske hat die Flüge in der vergangenen Woche genau beobachtet. „Da sich die Maschinen lautstark aus der Ferne angekündigt haben, blieb diesmal genügend Zeit, in Ruhe die Kamera zu zücken“, teilt er mit. An diesem Mittwoch gegen 16 Uhr sind sie dicht über die Kritzmower Dächer geflogen. „Als ,Abschiedsgruß’ zündeten die Kriegsflugzeuge wenige Sekunden darauf den sogenannten Nachbrenner zur Schubverstärkung“, erklärt er. Und dieses, so seine Wahrnehmung, hätte ein besonders „lautes donnerndes Grollen“ verursacht.

Die Geduld von Volker Miske ist strapaziert. Denn schon Anfang des Jahres sind AWACS-Aufklärungsmaschinen über den Ort geflogen. „Seitdem donnern munter weitere Kriegsflugzeuge auf identischer Flugbahn in identischer Höhe über das Zentrum von Kritzmow“, sagt er. Aus seiner Sicht sind diese Flüge über dicht besiedeltem Gebiet wie im Rostocker Umland ein zunehmendes Problem. Er stellt die Frage, ob nun künftig ein generelles Tiefflugverbot von Militärflugzeugen über dicht besiedeltem Gebiet erfolgen soll. Und er zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Militärverantwortlichen. Denn die hätten im Januar von einer Ausnahmesituation gesprochen.

Oberstleutnant Matthias Ackermann, Sprecher des Luftwaffengeschwaders „Steinhoff“, bestätigt die Flüge der vergangenen Woche. „Sie finden im Rahmen der Ausbildung statt. Aber das beschränkt sich auf 20 solcher Einsätze pro Jahr“, sagt er. Zudem kann das Militär seine Flieger nicht wahllos starten lassen. „Alle Flüge, die unter der Grenze von 150 Meter über dem Boden unterwegs sind, müssen zudem vorher beantragt werden“, erklärt Matthias Ackermann.

Deshalb dementiert er, dass regelmäßig Kampfjets im Tiefflug über Kritzmow unterwegs sind. Aufklärungsflugzeuge, wie etwa zu Beginn des Jahres, würden maximal zwei Kilometer westlich und zwei Kilometer östlich des Militärgebiets eingesetzt, beteuert er. Auch die Wahrnehmung an wolkenlosen Tagen könne eine andere sein, als wenn der Himmel wolkenverhangen ist. „Es kann vorkommen, dass man denkt, die Flugzeuge sind zu tief unterwegs. Dieser Eindruck kann bei wolkenlosem Himmel täuschen“, so der Sprecher.

Laut Oberstleutnant Jürgen Schumann vom Luftwaffengeschwader „Steinhoff“ haben Tiefflüge nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Ausbildungsprogramm. „Da sie aus Sicht der Bevölkerung sehr seltene Lärmereignisse darstellen, werden sie um so deutlicher wahrgenommen“, sagt er. Diese Flüge seien aber wichtig, da der Luftfahrzeugführer in allen Bereichen eines möglichen Einsatzes sein Flugzeug beherrschen muss. „Dazu gehört auch das Üben von Flügen in niedrigen Höhen.“ Diese würden beispielsweise dafür dienen, tieffliegende Luftfahrzeuge abzufangen und zu identifizieren, die sich unberechtigt im deutschen Luftraum aufhalten.

Außerdem sind derartige Flüge an verschiedene Bedingungen geknüpft. Tiefflüge sind Flüge unterhalb von circa 700 bis 150 Meter und 30 Minuten vor Sonnenauf- sowie bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang zulässig. „Tiefflüge unterhalb von 70 Metern sind in Deutschland ausgesetzt. Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern, also auch Rostock, dürfen unterhalb von 700 m nicht überflogen werden“, berichtet er.

Jeder Flug wird aufgezeichnet

Das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ bildet alle Piloten, die in Deutschland den Eurofighter fliegen, auf diesem Waffensystem aus. Es wurde mit Außerdienststellung der MiG 29 als erster Luftwaffenverband ab April 2004 mit dem Eurofighter ausgerüstet.

Die Grund- und Waffensystemausbildung auf dem Waffensystem Eurofighter dauert circa acht Monate. Nach einer achtwöchigen grundlegenden Theorie-Einheit beginnt die praktische Ausbildung. Davon wird ungefähr die Hälfte der Missionen im Simulator und die andere Hälfte im Luftfahrzeug absolviert.

Zuständig für den militärischen Flugbetrieb ist die Abteilung Flugbetrieb in der Bundeswehr (kostenlose Hotline: ☎ 0800/8 62 07 30 oder im Internet unter www.

luftwaffe.de). Jeder Flug wird aufgezeichnet und ist jederzeit nachvollziehbar.

Mathias Otto

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