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Tierheim muss Wohnungen weichen

Hansaviertel Tierheim muss Wohnungen weichen

Heute ziehen erste Vierbeiner um / Bewohner kommen nach Schlage / Tierschutzverein hofft auf Geld der Stadt

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Regina Groß, stellvertretende Leiterin des Tierheims Schlage, steht mit den Dackeln Susi (10, l.) und Tessa (9) vor einem Zwinger.

Quelle: Ove Arscholl

Hansaviertel. Heute ist Umzug im Rostocker Tierheim. Die ersten Vierbeiner werden in ihr neues Quartier in Schlage gebracht. In der Hansestadt sind die etwa 50 Katzen, 20 Hunde, Meerschweinchen und Häschen, die zurzeit im Tierheim an der Tierklinik leben, nicht erwünscht. Auf dem Gelände der Thierfelderstraße sollen Wohnungen entstehen. Die Tierklinik kann am angestammten Platz bleiben, das Tierheim nicht.

„Wir haben fünf Standorte in Rostock geprüft“, sagt Wolfgang Horn, Vorsitzender des Tierschutzvereins, aber allerorts hätten die Nachbarn Angst vor Lärmbelästigung. „Damit können wir das Projekt hier aufgeben.“ Nun ziehen die tierischen Heimbewohner aufs Land.

Das Tierheim Schlage, das der Rostocker Tierschutzverein betreibt, nimmt sie auf. „Wir bereiten uns darauf vor“, sagt der Leiter, Norbert Schlösser. Rund 200 Tiere haben momentan in Schlage ein Zuhause auf Zeit. Vom Wellensittich bis zum Huhn, Katzen und Hunde, aber auch Schildkröte, Fledermaus, selbst angefahrene Kolkraben finden hier Zuflucht. „Dabei sind wir bestrebt, für die Tiere schnell wieder neue Familien zu finden“, sagt Schlösser, der froh ist, dass dies in der Vergangenheit gut geklappt hat. „Dadurch sind wir nicht übervoll und in der Lage, Tiere aufzunehmen.“

Auf 20000 Quadratmetern Fläche mit Ställen, Volieren und Häuschen haben Vierbeiner und Federvieh viel Auslauf. Das ganze Objekt ist Eigentum des Tierschutzvereins. „Rostock kann nichts Besseres passieren, es ist alles da, die Stadt muss nichts Neues bauen“, erklärt Vereinschef Horn. Er wolle sich nun dafür starkmachen, dass das Tierheim künftig auch den Namen Rostock-Schlage trägt. Zudem hofft er auf weitere finanzielle Unterstützung der Stadt. Bisher habe Rostock jährlich einen Euro pro Einwohner für das Tierheim ausgereicht. „Die Zusage des Finanzsenators liegt vor“, sagt Horn.

Nur die Tierheime in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg werden von den Kommunen unterhalten. Die 20 anderen Einrichtungen im Land leben ausschließlich von Spenden, so auch Schlage. Personal, Futter, Transportautos, Tierarztkosten – „da kommt einiges zusammen“, beschreibt Horn den täglichen Kampf ums Geld.

Die tierischen Bewohner von Schlage sind häufig krank, verletzt, geprügelt, verhaltensauffällig. „Es gibt ganz dramatische Geschichten“, berichtet Schlösser, „wir haben bei weitem nicht nur Ausstellungstiere“. Im Heim gebe es tierärztliche Hilfe von der Impfung bis zur Operation. „Wir mobilisieren die Tiere, arbeiten, trainieren mit ihnen, damit sie schlechte Erlebnisse verarbeiten, wieder Vertrauen zum Menschen gewinnen“, erläutert der Tierheimchef.

Die Bemühungen lohnen sich. Egal wie alt oder gebrechlich – die Mitarbeiter hätten immer ein Zuhause für die Tiere gefunden. „Selbst ein 14 Jahre alter Hund hat noch eine Chance bekommen“, freut sich der Heimleiter. Nun bereitet er Zwinger und Katzenhäuser für die Gäste aus Rostock vor. „Wir sind für diese Größenordnung eingerichtet“, bleibt Schlösser gelassen. In Rostock soll eine Notauffangstation bleiben. Denn fünf bis sechs Mal pro Tag bringe die Tierrettung der Feuerwehr stromernde Katzen und Hunde, verletzte Schwäne oder aus dem Nest gefallene Vögel, wie Tierschützer Horn beobachtet. Die Tiere sollen künftig einige Tage in Rostock bleiben, damit Besitzer ihre entlaufenen Lieblinge abholen können. Erst dann würden sie nach Schlage gebracht. „Wie, das müssen wir noch organisieren.“

Tierheim seit 1992

Seit 1992 gibt es das Tierheim Schlage (Landkreis Rostock). Auf dem 20000 Quadratmeter großen Gelände, das der Tierschutzverein Rostock erworben hat, stand früher eine große Stallanlage einer LPG. Die Ställe wurden zum Teil ausgebaut, weitere Tierunterkünfte errichtet. Seit Bestehen des Heimes haben hier mehr als 8000 ausgesetzte und misshandelte Tiere Zuflucht und ein Zuhause auf Zeit gefunden. Das Tierheim finanziert sich über Spenden. Spendenkonto bei der Ostseesparkasse Rostock IBAN: DE94 1305 0000 0290 0015 01, BIC: NOLADE21ROS

Doris Kesselring

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