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Tödlicher Raub auf Friedhof: Angeklagte gestehen Überfall

Stadtmitte Tödlicher Raub auf Friedhof: Angeklagte gestehen Überfall

Ein 20-Jähriger bringt eine 83-Jährige auf dem Westfriedhof zu Fall – die Frau starb später an den Folgen ihrer Verletzung / Sein Komplize, ein 56-Jähriger, zeigt sich reuig

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Der Angeklagte René Z. (20, v. l.), Anwältin Katja Milewski, Anwältin Verina Speckin und der Angeklagte Ingolf B. (56) haben sich von ihren Sitzen erhoben zur Prozesseröffnung vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Rostock. Fotos (2): André Wornowski

Stadtmitte. Einige Zuschauer sind erstaunt, als der Angeklagte zum Prozessauftakt um den Tod einer 83-Jährigen auf dem Westfriedhof den Saal des Landgerichts Rostock betritt. „So ein junger Dachs“, raunt einer der rund 20 Besucher. In Handschellen und Fußfesseln wird der jungenhaft aussehende René Z. zu seinem Platz geführt. Laut Anklage soll der 20-Jährige im vergangenen Dezember die Seniorin gemeinsam mit Ingolf B. (56) überfallen haben. René Z. habe der Frau Reizgas ins Gesicht gesprüht und dann so heftig an ihrer Handtasche gezerrt, dass die Frau zu Boden fiel.

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Ein 20-Jähriger bringt eine 83-Jährige auf dem Westfriedhof zu Fall – die Frau starb später an den Folgen ihrer Verletzung / Sein Komplize, ein 56-Jähriger, zeigt sich reuig

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Dabei erlitt sie tödliche Kopfverletzungen, so die Anklage.

Mit Tränen in den Augen gesteht B. die Tat. „Es tut mir leid um die Frau, die gestorben ist“, sagt er. „Wenn ich das gewusst hätte, dann...“, bricht der um Fassung ringende Angeklagte seine Erklärung ab. Der 56-Jährige ist mehrfach vorbestraft: Laut Staatsanwaltschaft soll er 24 Jahre seines Lebens im Strafvollzug verbracht haben. Zuletzt sei er zu drei Jahren Haft verurteilt worden – weil er in mehreren Fällen ältere Frauen auf Friedhöfen bestohlen habe.

Auf dem Westfriedhof im Dezember habe B. eigenen Angaben zufolge Z. drei potenzielle Opfer gezeigt. „Such’ Dir eine aus“, habe er gesagt. Und: „Benutz’ nicht das Gas. Keine Gewalt.“ Erst wenn eine der Frauen mit der Grabpflege beschäftigt sei, solle Z. ihr die Tasche wegnehmen. Dann sei B. zurück zum Wagen gegangen und habe auf den jungen Mann gewartet.

Dieser sei plötzlich angelaufen gekommen: „Fahr los, fahr los!“ Die Frau sei gestürzt, es habe geknackt, so Z. damals. „Ich dachte, sie hätte sich einen Arm gebrochen“, sagt B. rückblickend. Z. habe nicht geglaubt, dass sie tot sei, sie habe sich noch bewegt.

Hilfe holten beide nicht. Sie fuhren davon und prüften ihre Beute: 35 Euro, ein Behindertenausweis, Herztabletten und Bonbons waren laut Anklage in der Handtasche.

Der 20-jährige Z. wollte sich gestern zum Prozessauftakt zunächst nicht äußern. Dann bestritt er die Tat. Er habe das Geschehen aus einem Gebüsch verfolgt, B. sei der Täter. Nach Rücksprache mit seiner Anwältin räumt er dann jedoch ein, die Frau überfallen zu haben. Dies hatte er vor dem Prozess auch schon in einer Vernehmung getan. „Es tut mir leid. Ich habe aber kein Reizgas benutzt“, sagt er. Auch habe er nicht gedacht, dass die Frau an dem Sturz sterben würde. Vielmehr sei er von einer Schulterverletzung ausgegangen.

Die beiden Angeklagten gestanden zudem, im November und Dezember vergangenen Jahres acht Autos in Güstrow, Börgerende, Heiligendamm aufgebrochen und ausgeräumt zu haben. Hier sei auch noch eine 21-jährige Frau dabei gewesen. Nach einem Streit sei sie jedoch aus dem Trio ausgestiegen, sagten die Angeklagten. Laut Gericht muss sich die Frau in einem gesonderten Verfahren verantworten. Sie befinde sich auf unabsehbare Zeit in stationärer Behandlung.

Es sind zunächst sechs weitere Verhandlungstermine anberaumt. Ab kommender Woche sollen Zeugen und Sachverständige vernommen werden. Z. fällt unter das Jugendstrafrecht. Laut eines Gutachtens leidet er an mehreren psychischen Auffälligkeiten. Er werde medikamentös behandelt. Er wird wohl in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Als „Wiederholungstäter“ droht Ingolf B. hingegen eine mehrjährige Haftstrafe.

Acht weitere Taten angeklagt – nach Unfall gefasst

8weitere Taten werden den Angeklagten zu Last gelegt. Sie sollen Autos im Rostocker Umland aufgebrochen und ausgeräumt haben. Beide gestehen die Taten. Es soll auch eine 21-Jährige beteiligt gewesen sein. Drei Tage nach dem Überfall auf die Seniorin durchbrachen die Angeklagten eine Polizeikontrolle. In einer Kurve verlor Fahrer Ingolf B. dann die Kontrolle über das Auto. Der 56-Jährige verletzte sich beim Unfall schwer und wurde ins künstliche Koma versetzt.

André Wornowski

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