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Tödlicher Schubser: Angeklagter zu fünf Jahren Haft verurteilt

Stadtmitte Tödlicher Schubser: Angeklagter zu fünf Jahren Haft verurteilt

28-Jähriger stieß Freundin so heftig gegen eine Tür, dass sie tödliche Verletzungen erlitt / Kurz davor soll Opfer vom eigenen Vater vergewaltigt worden sein / Ermittlungen laufen

Stadtmitte. Sie tranken täglich Alkohol, sie nahmen oft Drogen — und sie zofften sich regelmäßig. Die Beziehung zwischen dem 28 Jahre alten Christoph U. und der 27 Jahre alten Anita P. war von Problemen geprägt. Im vergangenen Juli endete dies für die junge Frau tödlich: Das Landgericht Rostock sah es gestern als erwiesen an, dass U. in der Helsinkier Straße seine Freundin so heftig gegen die Tür der Nachbarwohnung stieß, dass die Polin tödliche Hirnblutungen erlitt. Der mehrfach vorbestrafte Rostocker wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er muss wegen seiner Alkoholsucht eine Entzugstherapie machen.

Gleichzeitig sorgte gestern bei der Urteilsverkündung ein weiteres Detail für Bestürzung: Wie die Obduktion der Leiche laut Staatsanwaltschaft ergeben hat, soll Anita P. vor dem tödlichen Streit mit ihrem Freund von ihrem Vater vergewaltigt worden sein. Darauf wiesen Sperma- und DNA-Spuren hin. Der Verdächtige soll die Tat laut Staatsanwaltschaft jedoch bestreiten. Die Ermittlungen laufen. Wie der Richter gestern ankündigte, werde es hier bald zu einer Anklage kommen.

Christoph U. war zunächst Totschlag durch Unterlassung vorgeworfen worden. Die Chancen der Frau, die schweren Schädelverletzungen zu überleben, wären jedoch auch bei sofortiger Hilfe nicht groß

gewesen, so der Richter gestern. Der 28-Jährige wurde daher wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Der Mann war bei der Tat nach Einschätzung eines Gutachters trotz eines Alkoholpegels von knapp 1,4 Promille voll schuldfähig. Beim Strafmaß habe sein umfassendes und von Reue getragenes Geständnis eine positive Rolle gespielt, hieß es.

Wie der Richter in seiner Urteilsbegründung ausführte, war das Opfer zur Tatzeit stark betrunken und dem Täter körperlich weit unterlegen. Zudem habe sie der massive Stoß während des Beziehungsstreits völlig unvorbereitet getroffen. „Sie hatte keine Chance“, sagte der Richter. Und: „Der Angeklagte wusste auch, dass sie sich danach nicht mehr selbst helfen konnte.“ Dennoch habe der Mann seiner am Boden liegenden Freundin nicht geholfen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer ebenfalls eine fünfjährige Haftstrafe gefordert. Die Verteidigung hatte vier Jahre und neun Monate Gefängnis verlangt. Das Urteil, das nach einer Absprache unter den Prozessbeteiligten zustande kam, ist frühestens in einer Woche rechtskräftig. Die Verteidigung wird nicht dagegen vorgehen. Die Unterbringung in der psychiatrischen Klinik Gehlsdorf sei das beste Ergebnis, was dem Angeklagten zu wünschen gewesen sei, sagte Verteidiger Gunnar Engel der OZ.

Der 28-Jährige äußerte sich gestern selbst vor Gericht : „Trotz ihrer Alkoholprobleme war Anita eine tolle Frau, die ich geliebt habe. Trotz unserer Probleme habe ich uns eine gemeinsame Zukunft gewünscht. Wir hatten auch schöne Zeiten. Ich bin traurig, dass alles so geendet ist.“ Er sehe die anstehende Therapie als Chance, seine Probleme in den Griff zu bekommen. U. hat jedoch bereits mehrere Entzugsbehandlungen abgebrochen. Der Richter: „Er wird sich gewaltig am Riemen reißen müssen.“

In einer Woche direkt in die Entzugstherapie
5 Jahre lang muss Christoph U. laut Landgerichtsurteil in Haft. Sechs Monate davon muss er absitzen, ehe er in die Entzugstherapie darf. Seine Zeit in der Untersuchungshaft wird laut Urteil angerechnet. Heißt: Da der 28-Jährige seit Juli 2015 in U-Haft ist, darf er schon in einer Woche in die psychiatrische Klinik, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

 



André Wornowski

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