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Unterricht im Zirkuszelt Fantasia

Stadthafen Unterricht im Zirkuszelt Fantasia

Schüler lernen ihre Stärken mit artistischen Nummern kennen / Seit 20 Jahren gibt es das Zelt am Stadthafen

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Stadthafen. Vorsichtig steigt Maxime Schüler auf das Drahtseil. Die Elfjährige balanciert auf einem Übungsgerät im Circus Fantasia nur wenige Zentimeter über dem Boden.

OZ-Bild

Schüler lernen ihre Stärken mit artistischen Nummern kennen / Seit 20 Jahren gibt es das Zelt am Stadthafen

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Aus Baf wird Fantasia AG

Der Verein „Behinderten Alternative Freizeit“ (Baf) wurde 1991 gegründet. Das bekannte Zelt am Stadthafen wurde im Mai 1996 erstmals aufgestellt.

Circus Fantasia hatte 2014 einen Trägerwechsel und wurde umstrukturiert. Aus Baf wurde die Fantasia AG. Sie wurde vor kurzem als offizieller Träger kommunaler Jugendhilfe beim Jugendhilfeausschuss anerkannt.

Doch mit geschlossenen Augen gerät sie schnell aus dem Gleichgewicht. Nur mithilfe ihrer Freundin Jennifer Drews schafft sie es, auf die andere Seite des Drahtes zu gelangen und lächelt triumphierend. „Das macht Spaß“, feuert Maxime ihre Freundin an, die als Nächste an der Reihe ist.

Für die Schülerinnen des Schulcampus Evershagen gehört dieser Balance-Akt im Zirkuszelt heute zum Unterricht. Neben der sogenannten Equilibristik — die Kunst des Balancierens — üben sich die Kinder der Klasse 5a in Gruppen auch im Jonglieren, in der Clownerie und in der Akrobatik. „Es ist schön mit anzusehen, wie hemmungslos die Kinder hier sein können“, sagt Katharina Maciejewski. Die stellvertretende Klassenleiterin ist begeistert. „Jeder kann hier so sein, wie er will.“

Das sei eines der Grundkonzepte der Fantasia AG. Drei Monate im Jahr steht das Zirkuszelt am Stadthafen — und das schon seit zwanzig Jahren. „Wir bieten ganzjährig Kurse und Projekte für Kinder, Erwachsene und Schulen an“, erklärt die pädagogische Leiterin Rebecca Stadtmüller.

Neben der Zirkuspädagogik gibt es auch musiktherapeutische- und theaterpädagogische Angebote. „Wir arbeiten stärken- und nicht leistungsorientiert“, stellt die 33-Jährige klar. Es gebe keine Noten wie in der Schule. „Wenn man mit drei Bällen jonglieren kann, ist das toll. Aber auch mit einem Ball kann man schöne Nummern gestalten“, erklärt sie weiter. Es gehe darum, die Talente der Kinder zu finden und zu fördern.

„Gerade bei Projekten in Schulklassen lernt man seine Mitschüler ganz anders kennen“, sagt Rebecca Stadtmüller. Sie ist sich sicher, wenn eine Klasse zur menschlichen Pyramide wird, verändert sich ihre Dynamik auch nachhaltig. Denn die Pyramidenakrobatik eigne sich besonders, um als Team zusammenzuarbeiten. „Man muss dicht nebeneinanderstehen und Grenzen überwinden.“ Wer nicht an der Spitze stehe, sei dann für die Basis wichtig. „Der Schüler hat vielleicht mehr Kraft und kann der Pyramide Halt geben“, erläutert die Bodenakrobatin.

„Zirkus wurde einmal als ,Einheit der Vielfalt‘ definiert. Bei Fantasia passt das besonders gut“, sagt Rebecca Stadtmüller. Die Initiative sei ein Aushängeschild für Rostock, vor allem wegen ihrer inklusiven Angebote. „In den vergangenen Jahren hat sich viel in dem Bereich getan.“ Der Zirkus am Stadthafen gebe schon seit Jahrzehnten auch Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen eine Bühne. „Das ist gelebte Inklusion“, sagt die Wahl-Rostockerin, die ursprünglich aus Baden-Baden kommt. Nicht nur für die Stadt sei es eine Besonderheit. Circus Fantasia habe sich deutschlandweit einen Namen gemacht.

Doch der Verein hatte es nicht immer leicht. Der Zirkus kämpfte ums Überleben. „Ich bin 2009 hergekommen, auch weil ich unbedingt helfen wollte“, blickt Rebecca Stadtmüller zurück. Es sei eine emotionale Zeit gewesen, die in einer Umstrukturierung vor etwa zwei Jahren gipfelte.

„Es gibt immer mehr Kinder, denen es gut tut, in einem freiem Umfeld zu lernen“, so die Zirkuspädagogin. Es sei mittlerweile anerkannt, dass Mathe nicht die einzige Möglichkeit sei, Kinder zu fördern. „Durch dieses Umdenken wächst das Interesse an zirkuspädagogischen Angeboten und damit auch an Fantasia.“ Seit das Zelt im April aufgebaut wurde, kamen bereits 5000 Besucher in die Manege.

Die Akrobatin betont: „Das haben wir uns hart erarbeitet.“

Von Johanna Hegermann

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