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Viehstall und Acker waren auch ihr Klassenzimmer

SANITZ Viehstall und Acker waren auch ihr Klassenzimmer

Ehemalige Schüler der ersten Ländlichen erweiterten Oberschule in Sanitz feiern am Wochenende das 50. Jubiläum ihres Abiturs in ihrem früheren Internat

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Professor Wolfgang Methling — als er Rinderzüchter lernte, fiel er auch einmal vom Pferd.

Quelle: privat

Sanitz. Vieles werden sie nicht wiedererkennen, aber sie werden genau wissen, wie das Gemeinschaftshaus in Sanitz in den Jahren von 1962 bis 1966 ausgesehen hat: die ehemaligen Schüler des Abiturjahrganges 1966 der Internatsoberschule Sanitz. Sie feiern am Wochenende dort — in ihrem ehemaligen Internat — ihr 50. Abiturjubiläum. Dieses Fest von 31 ehemaligen Schülern, die kommen werden, illustriert dann, dass Sanitz ein traditionsreicher Schulstandort ist. Im Oktober des Jahres 1950 wurde dort die erste „Ländliche erweiterte Oberschule“ in der DDR gegründet. Das eigentliche Schulgebäude — es war später die Grundschule der Gemeinde — steht nicht mehr, das findet Petra Maier, die gemeinsam mit Wolfgang Methling das Klassentreffen vorbereitet, vielleicht nicht ganz so schade. „Das Gebäude hat ein wenig wie ein Schafstall ausgesehen“, sagt sie. Um so edler war dann das Internat, das zuvor ein Bauernhaus war.

 

OZ-Bild

Petra Maier und Wolfgang Methling bereiten die Jubiläumsfeier in Sanitz vor.

Quelle: Michael Schißler

Es gab bei uns auch Streit, aber wir mussten uns danach immer wieder vertragen. Das hat uns für das Leben geprägt.“

Petra Maier,

ehemalige Schülerin

„Wir hatten dort Vier-Bett-Zimmer“, erinnert sich Wolfgang Methling, der später Tiermedizin studierte, Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern war.

In den höheren Klassen gab es dann Zwei-Bett-Zimmer. Methling hatte einen Platz im Internat — er kam aus Kavelstorf — seine Schulkameradin Maier nicht. Ihr Heimatort Groß Lüsewitz war zu nahe an der Schule. „Die Tessiner mussten auch fahren“, erinnert sich Petra Maier. „Im Internat waren wir Selbstversorger“, sagt Wolfgang Methling. „Wir haben Tiere gehalten, haben Gemüse gezogen, mussten aber auch den Fußboden bohnern.“

Aber nicht nur das haben sie gelernt in der Internatsoberschule Sanitz. „Wir haben auch alle einen Facharbeiterbrief erworben“, erzählt Methling. Petra Maier, die lange Jahre an der Universität Rostock gearbeitet hat, ist zum Beispiel Landwirtin für Saatgut. In der Ausbildung ging es über die Felder in Groß Lüsewitz, „Steine sammeln und Kartoffeln selektieren.“ Andere Schüler lernten im Blumen- und Obstbau bei der Sanitzer Obstblüte. „Dabei haben wir auch das Treckerfahren gelernt“, sagt Petra Maier.

Wolfgang Methling dagegen hat noch reiten müssen, er wurde zum Rinderzüchter ausgebildet, „und dabei ging es schon einmal cowboymäßig“ über die Weiden. Eher in die Knochen ging dann wohl, „wenn wir um vier zum Melken in Groß Lüsewitz sein mussten“. Schule und Berufsausbildung — die beiden Abiturjubilare haben eine klare Meinung dazu: „Wir fanden es gelungen.“ Ihren Worten nach zu urteilen, war es das auf jeden Fall. „Das Oberschul- und Internatsleben hat uns geprägt“, sagt Petra Maier: „Es gab auch Streitereien, aber man musste sich wieder vertragen.“ Und wenn er auch früher im Winter als Schüler Gräben rund um Sanitz ausgeschaufelt hat, sagt Wolfgang Methling heute: „Wir haben uns hier wohlgefühlt.“

Das gilt wohl auch für all die anderen Schüler, denn sonst würden sie ja nicht wiederkommen zum Feiern in ihrem Internat. Ehemalige Lehrer haben sich zu dem Fest auch angekündigt. Durch den Ort Sanitz werden die Jubilare von Sabine Fink geführt, die stellvertretende Bürgermeisterin ist die Tochter des früheren Deutsch- und Lateinlehrers des Jahrganges.

Von Michael Schißler

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