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Viel Lärm um nichts? Grundschule stört Anwohner

Brinckmansdorf Viel Lärm um nichts? Grundschule stört Anwohner

Hitzige Diskussion um Kinderkrach in Brinckmansdorf / Tatsächlicher oder empfundener Lärm? / Mögliche Lösungen: Umstellen des Klettergerüsts, Hecke als Lärmschutz

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An der Grundschule am Vagel-Grip-Weg soll es zu laut sein. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann, Johanna Hegermann, Jens Wagner, Cdu

Brinckmansdorf. Streit im Vagel- Grip-Weg in Brinckmansdorf: Es ist zu laut – jedenfalls sehen das einige Anwohner so. Der Grund: die angrenzende Grundschule mit Hort. Dass das Thema Konfliktpotenzial birgt, war zuletzt bereits im Bau- Planungsausschuss der Stadt spürbar. Machen Kinder Lärm – und nennt man das so? Müssen Spielgeräte in einen anderen, kleineren Bereich verlegt werden? Muss ein Lärmschutz her – und wenn ja, eine Hecke? Es herrschen Unverständnis und Uneinigkeit in Politik und Verwaltung.

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Hitzige Diskussion um Kinderkrach in Brinckmansdorf / Tatsächlicher oder empfundener Lärm? / Mögliche Lösungen: Umstellen des Klettergerüsts, Hecke als Lärmschutz

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„Ja, Kinder sind laut. Kinder haben Spaß“, macht Sigrid Hecht, Leiterin des kommunalen Eigenbetriebs KOE, ihren Standpunkt klar. Sie habe inzwischen Puffer in die Tore einbauen lassen, damit diese nicht mehr so laut seien. Die Metallgitter würden scheppern, wenn Kinder zum Beispiel einen Ball dagegen schießen. Und davon fühlen sich nach Angaben der Verwaltung Bürger gestört, wenn diese ihre Mittagsruhe wollten. „Es gibt dort Anwohner, die sind schwer krank“, sagt der Vorsitzende des Bauausschusses, Frank Giesen (CDU).

Der Schulhof der Grundschule ist zweigeteilt. Die Schüler halten sich vor allem auf dem größeren, vorderen Teil auf. Im hinteren Teil sei fast nie ein Kind zu sehen. In der Konzeption sieht Frank Giesen eine „bauliche Lösung, die nicht optimal ist“. Hecht: „Da können wir aus baulicher Sicht nicht helfen. Und wir können uns nicht für die Kinder rechtfertigen.“

Eine Möglichkeit wäre, das Klettergerüst, die „Spinne“, in den hinteren Teil zu verlegen. Ellen Fiedelmeier (Linke) sagt, Kinder hielten sich nun mal dort auf, wo geklettert werde. Aber wird der Hof verlagert, „ist das dann noch mit einem Schulhof vereinbar? Ich kann nur davor warnen“, so Fiedelmeier.

Eine weitere Lösung wäre aktiver Lärmschutz. „Wir können doch jetzt nicht anfangen, eine Lärmschutzwand zu bauen“, sagt Ortsbeiratschef Karl Scheube (SPD). „Dann würden wir Exempel statuieren.“ Denn dann würden noch viel mehr Bürger kommen und solch einen Anspruch erheben, so die Befürchtung im Ausschuss.

Im Protokoll eines Ortstermins sei von einer Hecke als Lärmschutz die Rede. „Ich als Bürger würde mir verarscht vorkommen“, sagt Giesen deutlich. „Die Hecke ist keine Lärmschutzhecke“, erklärt KOE-Chefin Hecht. Bei einer Bepflanzung gehe es eher um Privatsphäre. Und noch mal: „Formal ist alles korrekt“, sagt Hecht, die die Aufregung nicht verstehen kann und das auch deutlich bei der Sitzung im Bauausschuss zeigte. Daraufhin wurde der Vorsitzende Frank Giesen laut: „Frau Hecht, auch für mich sind Kinder nicht nur Lärm, aber ich kann auch die Anwohner verstehen.“ Die Stimmung war aufgeheizt, Getuschel bei Mitgliedern und Publikum. „Kinderlärm ist kein Lärm“, sagte Bausenator Holger Matthäus (Grüne) und verwies sachlich auf das Urteil des Bundesgerichtshofes, bekam die Diskussion damit aber nicht vom Tisch.

Ortsbeiratschef Karl Scheube hat noch eine weitere Idee: Das Schulpersonal könnte für mehr Ruhe auf dem Pausenhof sorgen. Aber wann ist Lärm Lärm? „Ist das empfundener oder tatsächlicher Lärm?“, will Helge Bothur (Linke) wissen. Frank Giesen habe sich das an der Grundschule angehört und sagt: „Ich war da, es ist laut.“ Bothur beharrt aber darauf, dass es einen Unterschied mache, ob Krach gemessen wurde oder nicht.

Ein Anwohner geht noch einen Schritt weiter. „45 Jahre gab es Harmonie und nie Ärger“, sagt er. Aber heute: „Handwerker konnten nicht weiterarbeiten, weil sie die Schreie nicht mehr ausgehalten haben. Das ist wie ein Schallreflektor.“

Wie es nun im Vagel-Grip-Weg weitergeht, ist unklar. Ein Beschluss war im Bauausschuss nicht vorgesehen und wurde somit auch nicht gefasst. Jetzt sollen alle Beteiligten gemeinsam eine Lösung finden.

Zurück bleibt eine hitzige – teils harsche – Diskussion. Und es steht die Frage im Raum, inwieweit Lärm zumutbar ist und wen Verwaltung und Politik schützen müssen – und warum.

Philip Schülermann

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