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Vogelgrippe: Rostock wird Sperrbezirk

Groß Klein/Barnstorfer Wald Vogelgrippe: Rostock wird Sperrbezirk

Erster H5N8-Fall / Stallpflicht für Geflügel angeordnet / Hunde und Katzen dürfen nicht frei laufen

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Sicherheitsmaßnahmen im Rostocker Zoo: Sämtliche Vogel-Volieren wurden mit Plastikplanen abgedeckt. FOTO: BERND WÜSTNECK/DPA

Groß Klein/Barnstorfer Wald. Die Warnschilder am Straßenrand verheißen nichts Gutes: Das gefährliche H5N8-Virus hat Rostock erreicht. Das Veterinäramt der Hansestadt bestätigte gestern einen Fall von Vogelgrippe an der Warnow. Der Erreger wurde in einer toten Silbermöwe nachgewiesen, die am Wochenende in Groß Klein gefunden worden war. Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, hat das Rathaus gestern einen umfangreichen Seuchenschutzplan ausgerufen. Betroffen davon sind unter anderem der Zoo, aber auch alle Hunde- und Katzenhalter. „Hunde und Katzen dürfen in der gesamten Stadt nicht mehr frei herumlaufen“, sagte Dr. Heike Neumann, die Amtstierärztin der Hansestadt.

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Erster H5N8-Fall / Stallpflicht für Geflügel angeordnet / Hunde und Katzen dürfen nicht frei laufen

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Dass die Vogelgrippe auch nach Rostock kommen würde, war aus Sicht der Experten im Amt nur eine Frage der Zeit. „Die Lage hat sich seit Ende vergangener Woche mehr und mehr zugespitzt“, so Neumann.

Aus Polen seien die ersten Fälle gemeldet worden, dann plötzlich auch aus Schleswig- Holstein. Am Sonnabend schließlich meldete eine Anwohner dann einen Vorfall aus Groß Klein: „Der Bürger hatte eine Möwe beobachtet, die auf einem Dachfirst saß und plötzlich runterfiel“, berichtet Neumann. Die Untersuchungen bestätigten, dass das Tier dem H5N8- Virus erlegen war. „Wir haben seitdem einen Sperrbezirk rund um den Fundort in Groß Klein eingerichtet.“ Innerhalb eines Drei- Kilometer-Radius rund um die Fundstelle am Lütten Enn darf kein Geflügel mehr transportiert oder verkauft werden.

„Sämtliche Geflügelhalter wurden aufgefordert, ihre Tiere einzusperren“, sagt die Amtstierärztin. Etwa 70 Halter sind von der Maßnahme betroffen. Sie müssen vor ihren Ställen auch sogenannte Desinfektionsbäder einrichten.

In einem Radius von zehn Kilometern rund um Groß Klein wurde zudem eine Beobachtungszone eingerichtet. Betroffen davon ist nicht nur das Stadtgebiet, sondern auch der Landkreis Rostock. Das Landratsamt in Güstrow ordnete für die Gemeinden Elmenhorst, Nienhagen, Lambrechtshagen, Admannshagen, Börgerende-Rethwisch sowie Mönchhagen, Bentwisch, Rövershagen und Kritzmow eine generelle Stallpflicht an. Auch in den Nachbargemeinden dürfen Hunde und Katzen nicht mehr frei umherlaufen, sagte die oberste Veterinärin im Landkreis, Elisabeth Drey. Wer gegen die Stallpflicht verstößt, dem drohen empfindliche Bußgelder.

In Rostock haben die Ämter mit verschärften Kontrollen begonnen: „Alle Behörden sind dazu angehalten, die Stallpflicht zu überprüfen und auf tote Vögel zu achten“, sagt Dr. Heike Neumann. Zudem werde ab sofort einmal pro Woche die komplette Warnow abgefahren: „Der Fluss ist das Hauptrastgebiet für Zugvögel.“ Wenn sich der Erreger in der Stadt ausbreitet, dann sei die Wahrscheinlichkeit dafür auf der Warnow und am Breitling am Höchsten.

Im Rostocker Zoo gilt bereits seit einigen Tagen der Tierseuchen- Alarmplan. Bisher ist es den Pflegern gelungen, einen Ausbruch des H5N8-Erregers zu verhindern. Das war im Januar 2015 anders: Damals war ein Weißstorch im Zoo an der Vogelgrippe gestorben. Der Tierpark musste tagelang schließen, etliche Tiere wurden getötet.

Dieses Mal setzt der Zoo auf „Quarantäne im Vorfeld“: „Alle Vögel wurden weggesperrt“, sagt Kuratorin Antje Zimmermann. Am Nachmittag waren nur noch zwei Pelikane draußen. „Die wollten sich bislang nicht so recht einsperren lassen. Aber die kriegen wir auch noch.“ Sämtliche Volieren wurden mit Planen abgedeckt, damit Wildvögel und vor allem deren Kot nicht in die Gehege gelangen können. „Die Seevogel-Voliere mussten wir leider vorerst komplett für den Besucherverkehr sperren. Die Vögel im Darwineum und im Regenwald-Pavillon sind weiterhin zu sehen.“ Allerdings müssen die Besucher vor dem Betreten der Vogel-Häuser mit ihren Schuhen durch ein Desinfektionsbad. „Selbst Geräte und das Futter dürfen derzeit nicht mehr unter freiem Himmel aufbewahrt werden. Sicher ist sicher“, so Zimmermann.

Das Virus und seine Folgen

30000 Tiere mussten am Wochenende allein in einem Geflügelzucht-Betrieb in Lübeck getötet werden. Dort war der gefährliche H5N8-Erreger nachgewiesen worden.

3 Kilometer groß ist der Radius des Sperrbezirks rund um den Fundort einer toten Silbermöwe in Groß Klein. Eine Übertragung des Virus auf den Menschen gilt als nahezu ausgeschlossen. Bisher sind keine Fälle bekannt. Auch der Verzehr von Geflügel ist weiterhin unbedenklich, sagt Amtstierärztin Heike Neumann.

Andreas Meyer

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