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Vollmacht ausstellen, bevor das Gericht einen Betreuer sucht

Stadtmitte Vollmacht ausstellen, bevor das Gericht einen Betreuer sucht

300 OZ-Leser informierten sich gestern Abend über Vorsorge und Vollmachten im Medienhaus der OSTSEE-ZEITUNG / Fachleute beantworteten Fragen und gaben Ratschläge

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OZ-Chefredakteur Andreas Ebel (Mitte) kam mit den Experten Petra Klopsch (v. l.), Markus Juhls, Juliane Heitmann und Sigrid Schomacker ins Gespräch.

Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Stadtmitte. Vorsorgen für den Ernstfall — das wollten sich gestern Abend beim OZ-Leserforum „Achtung, vorsorgen!“ knapp 300 Gäste von Experten genau erklären lassen. Wie gehe ich mit einem Pflegefall in der Familie um? Welche rechtlichen Dinge sind dabei zu beachten? Was geschieht, wenn die alte Vorsorgevollmacht nicht ausgehändigt wird? Mehrere Fachleute haben sich im OZ-Medienhaus bei der Auftaktveranstaltung den vielen Fragen der Rostocker gestellt. Es ist eine Gemeinschaftsaktion der OZ, Notarkammer MV und AOK Nordost.

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300 OZ-Leser informierten sich gestern Abend über Vorsorge und Vollmachten im Medienhaus der OSTSEE-ZEITUNG / Fachleute beantworteten Fragen und gaben Ratschläge

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Vorträge in vier Städten

Die Veranstaltungen gestaltet die OSTSEE-ZEITUNG mit der Notarkammer MV sowie den Pflege-Stützpunkten des Landes — vornehmlich der AOK Nordost. Auch in den Städten Wismar, Greifswald und Stralsund halten Experten noch bis zum 28. April Vorträge.

„Viel zu lange habe ich das Thema Patientenverfügung vor mir hergeschoben. Ich möchte mehr über die rechtlichen Dinge in Erfahrung bringen“, meint Erika Schulz (69) aus Rostock. „Ich war schon vor einigen Jahren beim Forum. Ich möchte nun wissen, was sich alles in Sachen Testament, Erbschaft und Vollmacht geändert hat“, sagt der Rostocker Werner Gottschalk (68). OZ-Chefredakteur Andreas Ebel begann das Forum mit statistischen Zahlen. Zwei von drei Betroffenen werden von Angehörigen gepflegt. Deutschlandweit liegt die Zahl bei 1,86 Millionen. 73000 Menschen in MV waren 2014 als pflegebedürftig gemeldet.

Viele Teilnehmer des Forums machten sich Notizen, als Markus Juhls, der AOK-Pressesprecher, das Wort ergriff. „Egal ob auf dem Sportplatz, im Urlaub, durch Krankheit oder im Alter: Das Schicksal, von anderen abhängig zu sein, kann jeden treffen. Man kann aber vorsorgen“, sagt er. Etwa durch eine Patientenverfügung. Denn Ehegatten oder die Kinder würden nicht automatisch den Betroffenen vertreten können. „Und wer eine Verfügung hat, sollte immer wissen, wo sie sich befindet“, betont Markus Juhls.

Er gab die Empfehlung ab, Unterstützung zu holen. Etwa in den 14 Pflegestützpunkten, die es im Nordosten gibt. Knapp 20 000 Leute haben seit dem fünfjährigen Bestehen schon Hilfe gesucht. Diese Einrichtungen sind unabhängig von den Kranken- und Pflegekassen und die Dienste kostenlos, meint er. In Rostock, in der Warnowallee 30 in Lütten Klein befindet sich einer dieser Stützpunkte sowie eine Außenstelle in der Joachim-Jungius-Straße 9 in der Südstadt. „Wir können klären, welche Entlastungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Egal, ob es um die Themen Tagespflege oder die Urlaubspflege geht“, so Pflegeberaterin Juliane Heitmann, die unbedingt zu einer Vorsorgevollmacht rät. „Wir bieten auch Hausbesuche an und beraten bei Umbauten. Eine Verbreiterung der Türen oder der Umbau der Badewanne — Krankenkassen können bei baulichen Veränderungen Zuschüsse geben“, erklärt ihre Kollegin Sigrid Schomacker.

Petra Klopsch erklärte gestern Abend die Sicht eines Notars: „Unser Ziel ist es, einen vom Gericht bestellten Betreuer zu vermeiden“, sagt die Notarin. Auch sie rät zu einer Vorsorgevollmacht, sonst könnten Angehörige in rechtlichen Angelegenheiten ihre Pflegefälle nicht automatisch vertreten.

Von Mathias Otto

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