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Von der Giftbrache zur Grünstrom-Quelle

Stadtmitte Von der Giftbrache zur Grünstrom-Quelle

Sauber: Photovoltaik-Anlage auf Gelände des alten Gaswerkes geht ans Netz

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Netzmonteur Robert Greschkowitz (28) steht in der neuen Photovoltaikanlage in der Rostocker Bleicherstraße.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Stadtmitte. Von der verseuchten Brache zur Quelle sauberer Sonnenenergie: Auf dem Gelände des alten Gaswerkes an der Bleicherstraße wird ab sofort Ökostrom produziert. Nach zwei Monaten Bauzeit ging gestern die drittgrößte Photovoltaik-Anlage Rostocks in Betrieb. „Damit setzen wir einen Schlusspunkt unter ein langjähriges Projekt und zeitgleich ein weiteres Signal für die Energiewende in unserer Stadt“, sagt Oliver Brünnich, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke AG, die die Solaranlage betreibt.

 

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„„Was regenerative Energien betrifft, machen wir noch zu wenig aus unseren Möglichkeiten.“     Holger Matthäus (Grüne),       Umweltsenator

740 Megawattstunden Strom pro Jahr – etwa so viel wie 231 Durchschnittshaushalte verbrauchen – sollen die Solarmodule ab sofort liefern. Bis die Kollektoren ans Netz gehen konnten, war es ein weiter Weg. Denn sie stehen auf jenem Flecken Erde, der einst die größte industrielle Altlast des Landes war. 135 Jahre lang wurde auf dem Gelände Stadtgas erzeugt, zunächst auf Steinkohlebasis, später durch Öl- und Flüssiggasspaltung. Was damals als innovativ galt, hat sich im Nachhinein als kolossale Umweltsünde entpuppt: Das gesamte Erdreich wurde mit tonnenweise Teerschlamm, Benzolen und anderen hochgefährlichen Chemikalien verseucht. Als das Gaswerk 1991 stillgelegt wurde, waren selbst 20 Meter unter der Erde Schadstoffe nachweisbar.

Zehn Jahre habe es gedauert, sämtliche Hinterlassenschaften der fossilen Energiegewinnung zu beseitigen und hier eine saubere Form der Energieerzeugung zu ermöglichen, sagt Landesumweltminister Till Backhaus (SPD). „Das muss uns allen ein Ansporn sein, alles zu unternehmen, um solche Altlasten künftig zu verhindern.“ Er begrüße, wenn Industriebrachen einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden.

„Denn dadurch können wir verhindern, dass wichtige Ackerflächen mit Solarparks bebaut werden“, sagt Backhaus.

Die Sanierung hat nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld gekostet: 5,2 Millionen Euro mussten Stadtwerke, Bund und Land dafür ausgeben. Allerdings eine vergleichsweise kleine Summe. Denn rund 200

Millionen Euro wären nötig gewesen, um den Boden komplett auszutauschen und den Teersee abzupumpen. Letzterer wurde stattdessen mit einer 675 Meter langen Spundwand eingegrenzt. Sie verhindert, dass Gifte in die nahe Warnow fließen. Um zu gewährleisten, dass das Grundwasser sauber bleibt, werden jährlich 50000 Euro für Filteranlagen und Probenentnahmen fällig.

700 000 Euro haben die Stadtwerke in die Photovoltaikanlage investiert. Damit sind die Arbeiten am alten Gaswerk-Gelände aber noch nicht abgeschlossen. Am Rand des Grundstücks soll ein frei zugänglicher Uferweg entstehen, der es möglich macht, zumindest streckenweise an der Warnow zu spazieren, kündigt Stadtwerke-Sprecher Thomas Schneider an. Die Planungen dazu liefen noch. Das alte Gaswerk galt einst als Rostocks Energieherz. An kaum einem anderen Ort in der Stadt ist so lange Industriegeschichte geschrieben worden wie hier. Jetzt schlagen die Stadtwerke an diesem Standort ein neues, sauberes Kapitel auf. „Ab sofort wird hier Strom produziert ohne Lärm, ohne Schadstoffe und ohne CO2“, lobt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Er wünscht sich noch viel mehr Solaranlagen in der Stadt, genauer gesagt auf deren Dächern. Das Energiepotenzial sei riesig. „Leider machen wir noch viel zu wenig aus unseren Möglichkeiten.“ Er hoffe, dass mehr Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen. „Allein werden wir die Energiewende aber nicht schaffen. Wir brauchen die Unterstützung von Bund und Land.“

Für die Beseitigung von Altlasten in Rostock haben diese beiden in der Vergangenheit große Summen springen lassen: Rund 15 Millionen Euro flossen bis heute in Projekte wie das Tanklager Bramow, die Simeonsbetriebe und die aktuell laufende Sanierung des ehemaligen VEB Bitumenverarbeitung.

Millionen für Entgiftungskur

135

Jahre wurde auf dem Gelände an der Bleicherstraße Stadtgas erzeugt, bis 1968 auf Steinkohlebasis, ab 1959 durch Öl- und später durch Flüssiggasspaltung. Zum Zeitpunkt der Betriebseinstellung 1991 war das insgesamt ca. zwölf Hektar große Areal fast flächendeckend mit gaswerkstypischen Schadstoffen (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Mineralölkohlenwasserstoffe, BTEX, Cyanide, Phenole) belastet.

5,2 Millionen Euro hat die Sanierung des Gaswerksgeländes gekostet. Darüber hinaus war 2014 der belastete Warnow-Altarm saniert worden. Kosten: zwei Millionen Euro. Die auf der Brache errichtete Photovoltaikanlage soll jährlich 740000 Kilowattstunden Strom produzieren und damit 231 Haushalte versorgen können. Die Solaranlage hat nach Angaben der Stadtwerke rund 700000 Euro gekostet.

Antje Bernstein

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