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Wald wird als Mülldeponie missbraucht

BAD DOBERAN Wald wird als Mülldeponie missbraucht

Forstamt holt jährlich sieben Containerladungen Abfall aus der Natur / Amt beklagt Wildwuchs durch Gartenabfälle

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Forstamtsleiter Hartmut Pencz steht zwischen dem Japanischen Knöterich, der durch Gartenabfall in den Wald gekommen ist. Fotos (2): Anja Levien

Bad Doberan. Blaue Mülltüten stapeln sich derzeit an den Waldrändern rund um Bad Doberan. Alte Autoreifen und Bauschutt finden sich daneben. Regelmäßig sammeln Mitarbeiter des Forstamtes illegal entsorgten Müll, finden Kühlschränke, Küchen, Behälter mit unbekannten Inhalten. Doch nicht nur der Müll bedroht den Wald. Gartenabfälle, die nicht in den Wald gehören, vermehren sich invasiv und verdrängen die heimische Natur.

 

OZ-Bild

Das Forstamt hat Müllsäcke und Autoreifen bei Brodhagen zur Abfuhr bereitgestellt.

Quelle:

Forstamtsleiter Hartmut Pencz steht zwischen Japanischem Knöterich im Walkmüller Holz zwischen Bad Doberan und Bargeshagen. Diese Pflanze gehört nicht in den Wald. „Der kommt immer wieder. Abbrennen hilft nichts. Wenn der sich weiter so verbreitet, sind die Buschwindröschen weg, weshalb die Leute herkommen“, sagt Hartmut Pencz. Ursache für seine Verbreitung seien Gartenabfälle, die hier illegal entsorgt werden, und zeigt auf einen kleinen Haufen Thuja-Hecke. „Das sind waldfremde Stoffe“, sagt Pencz.

Weiteres Problem: Gartenabfälle würden Ratten und Wildschweine anziehen. Gerade wenn diese in Gartennähe abgelegt würden, ziehe das Folgeprobleme mit sich — die Schweine landen im Garten. Vor allem bei den Waldeingängen Ehbrauk in Nienhagen und bei den Lichtenhäger Tannen würden richtige Berge abgeladen.

Neben der Thuja-Hecke im Walkmüller Holz liegen blaue Säcke, die das Forstamt mit Müll aus dem Wald gefüllt hat. Der Landkreis Rostock übernimmt die Entsorgung. „Sieben Lkw-Container voll Müll kommen im Jahr zusammen“, sagt der Forstamtsleiter. Hinzukommt der Abfall, der von Schulgruppen oder Bürgerinitiativen eingesammelt wird. „Am Hundeplatz im Kellerswald habe ich schon mal eine ganze Küche gefunden“, sagt Pencz und schüttelt den Kopf, versteht nicht, warum die Leute keinen Sperrmüll anmelden oder die Wertstoffhöfe des Landkreises benutzen. Ob Autoreifen, Kühlschränke, Mikrowellen: „Wir haben schon alles gefunden.“Darunter auch Kanister mit unbekanntem Inhalt. „Diese Fälle sind schwierig, da kann Säure drin sein“, erläutert Pencz. „Im Zweifelsfall bleibt er liegen, bis eine Klärung herbeigeführt werden kann.“

Vom Müll gehen vielfältige Gefahren aus, sagt Hartmut Pencz. So könnten Öle und Säuren in den Boden gelangen und so die Trinkwasserreinheit gefährden. Tiere könnten sich im Müll verfangen, die schädlichen Stoffe aufnehmen. Dabei ist das Ablagern vom Müll im Wald strengstens verboten und so auch im Landeswaldgesetz festgeschrieben. Denn der Wald habe mehrere Schutzfunktionen zu erfüllen.

Neben beispielsweise Küsten-, Sicht-, Emissionsschutz ist er Trinkwasserschutzgebiet und hat zudem eine Erholungsfunktion. Eine Müllentsorgung im Wald kann mit bis zu 75 000 Euro Bußgeld geahndet werden.

Dem Forstamt entstehen durch das Müllsammeln Mehrkosten. „Das kostet Zeit und Geld, das bei uns an anderer Stelle herausgearbeitet werden muss“, sagt Pencz. Denn als Anstalt des öffentlichen Rechts soll es kostendeckend arbeiten und den Steuerzahler nicht belasten. Obwohl das Forstamt nicht für die Müllentsorgung zuständig ist, sind regelmäßig vier bis fünf Mitarbeiter im Wald unterwegs, um die Abfälle einzusammeln. Diese bringen sie dann zu Sammelstellen, die vom Landkreis Rostock gut angefahren werden können. Bedauerlicherweise würden immer wieder Bürger ihren Müll einfach dazustellen.

Viel Müll werde in der Region Bad Doberan im Walkmüller Holz und an der alten Militäranlage in Retschow gefunden. „Da fahren teilweise Lastwagen hin und laden einfach ab. Bauschutt und alte Toiletten zum Beispiel“, erzählt Hartmut Pencz.

Sieben Reviere

15600 Hektar ist das Gebiet groß, für das das Forstamt Bad Doberan der Landesforst MV zuständig ist. Die Wälder liegen zwischen der Stadtgrenze Rostock, dem Hafen Wismar, Neukloster bis südlichen von Schwaan. Das Forstamt Bad Doberan ist in sieben Reviere aufgeteilt.

18,5 Tonnen Wild werden jährlich auf 7500 Hektar Jagdfläche geschossen. 8400 Hektar sind für die Forstwirtschaft eingenommen.

Von Anja Levien

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