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Aus Geschichte werden Geschichten

Warnemünde Aus Geschichte werden Geschichten

Professor Horst D. Schulz legt neues Buch „Warnemünde vor 200 Jahren“ vor

Warnemünde. „Warnemünde vor 200 Jahren – Geschichten aus einer fernen Vergangenheit“ – so heißt das Buch, das Professor Horst D. Schulz über Warnemünde geschrieben hat. Auch wenn er selbst im Titel des Bandes von „Geschichten aus einer fernen Vergangenheit“ spricht, gelingt es Schulz, die Zeit, als Warnemünde noch ein armes Fischerdorf war, in die Gegenwart zu holen und damit den Leser des eigentlich geschichtlichen Werkes in seinen Bann zu ziehen.

 

OZ-Bild

Professor Horst D. Schulz hat seine Buch „Warnemünde vor 200 Jahren“ mit viel selbst gesammelten Datenmaterial untersetzt.

Quelle: Foto: Michael Schissler

Museumsabend

Sein Buch „Warnemünde vor 200 Jahren" wird Professor Horst D. Schulz am 4. Oktober um 19 Uhr im Heimatmuseum im Rahmen der Warnemünder Museumsabende gemeinsam mit dem Verlag Redieck und Schade vorstellen. Karten für diese Veranstaltung gibt es ab sofort im Heimatmuseum oder an der Abendkasse.

Basis des neuen Bandes sind Daten der Volkszählung des Jahres 1819, die Schulz seit einiger Zeit akribisch erforscht und ausgewertet hat. Entstanden ist dabei ein Bild Warnemündes, wie es bislang nicht bekannt war. Über seine Ergebnisse hat Schulz mehrere Vorträge gehalten, die von den Warnemündern mit viel Neugier und Interesse besucht worden sind.

In „Warnemünde vor 200 Jahren“ hat er seine Forschungsergebnisse niedergeschrieben und mit den Fotografien entsprechender Exponate bebildert. Auf diesem Wege gelingt es Schulz, seinen Grundsatz, nach dem „Menschen Geschichte machen“, zu verdeutlichen.

Dass es ein „ganz anderes Warnemünde“ war, das der „armen Fischer und armen Leute“, zeigt schon das Titelbild des Bandes, der im Verlag Redieck und Schade erscheint. Der Autor hat sich für ein Tempera-Bild entschieden, welches das Fischerdorf vor dem Jahr 1836 zeigt, „weil der Ziehlaternen-Leuchtturm noch nicht vorhanden ist“. Zu sehen sind ein paar wenige Häuser, im Hintergrund die Türme von Rostock und der damalige Sandfangzaun. Das war es – das ist die Kulisse des „Warnemündes vor 200 Jahren“. In ihr spielten sich dann die Geschichten zwischen den Menschen ab.

Der Streit um das Testament des Lotsenältesten Jacob Wendt, der in seinem letzten Willen einige seiner Kinder nicht bedachte – und es musste ein Vermögensverzeichnis her, das neben „1 rotbunte Kuh“ auch einen hölzernen Löffel und beschädigtes Geschirr aufwies. Manche Bilder dieser Gegenstände hat Schulz im Heimatmuseum gemacht und die Vergangenheit heran geholt. Über die Einkommen von Lotsen hat sich Professor Schulz anhand der damaligen Gebührenordnung informiert und festgestellt, dass es eine erschreckende Armut gab. Diese Armut milderte ab 1825 eine Stiftung, die sich um die Witwen und Waisen der auf See verunglückten Warnemünder kümmerte und beispielsweise das Schulgeld bezahlte.

In den Volkszählungsdaten ist Schulz auch auf Warnemünder Größen gestoßen. Wie etwa Hans Cröpelin, den ersten Dampfschiffkapitän in Warnemünde. Er wurde 1805 geboren, war bei der Volkszählung 14 Jahre alt und ledig – einige dieser Daten sind auf seinem Grabstein, der im Heimatmuseum steht, nachzulesen.

Dies alles finden die Leser neben den vielen Informationen, die Schulz bereits in seinen Vorträgen über die Volkszählung erwähnt hat. Mit „Warnemünde vor 200 Jahren“ hat das Seebad jetzt das zweite Buch, das seine Geschichte auf besondere Art spiegelt. Gemeinsam mit dem Fotografen Wolfhardt Eschenburg hatte Schulz bereits 2011 „Straßen in Warnemünde“ herausgebracht. Die ersten beiden Auflagen davon sind vergriffen. Interessenten werden sie demnächst als Digitaldruck bekommen können. In dem Buch sind überwiegend Bilder von Eschenburg verarbeitet, Text und Layout stammen von Schulz. Dies Buch fand guten Absatz, weil es die Geschichte Warnemündes mit den Warnemündern zusammenbrachte.

Michael Schißler

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